> > > Komponist Udo Zimmermann gestorben
Sonntag, 5. Dezember 2021

Udo Zimmermann (1943-2021), © Deutsche Oper Berlin

Udo Zimmermann (1943-2021), © Deutsche Oper Berlin

Musiker wurde 78 Jahre alt

Komponist Udo Zimmermann gestorben

Dresden, . Der Komponist Udo Zimmermann ist verstorben. Er wurde 78 Jahre alt.

Udo Zimmermann wurde 1943 in Dresden geboren und sang zwischen 1954 und 1962 im Dresdner Kreuzchor. Erste Kompositionen wurden während dieser Zeit von Rudolf Mauersberger betreut und auch von dem Chor aufgeführt. Später studierte Zimmermann Komposition, Dirigieren und Gesang an der Dresdner Musikhochschule. Danach wurde er Schüler von Günter Kochan in Berlin und arbeitete zwei Jahre als Assistent des Opernregisseurs Walter Felsenstein. Es folgten Positionen als Dramaturg für zeitgenössisches Musiktheater an der Staatsoper Dresden, als Professor für Komposition an der Dresdner Musikhochschule, als Leiter der Werkstatt für zeitgenössisches Musiktheater an der Oper Bonn, als Intendant der Oper Leipzig, als künstlerischer Leiter der Reihe musica viva, als Generalintendant der Deutschen Oper Berlin sowie als Intendant des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau. Außerdem gründete Zimmermann 1974 das Dresdner "Studio Neue Musik". Er wirkte als Präsident zahlreicher Akademien der Künste, außerdem wurde er mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 1993 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2002 den Sächsischen Verdienstorden. Udo Zimmermann starb am 22. Oktober 2021 in Dresden.

Weiterführende Informationen:

Portrait Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Bisherige Kommentare:

  1. Im Gedenken an Udo Zimmermann
    Die Deutsche Oper Berlin trauert um ihren ehemaligen Intendanten, den Komponisten und Dramaturgen Udo Zimmermann, der in der vergangenen Nacht nach langer Krankheit in seinem Haus in Dresden mit 78 Jahren verstorben ist.

    Der am 6. Oktober 1943 dort geborene Zimmermann erfuhr seine musikalische Sozialisation im Dresdner Kreuzchor, dem er von 1954 bis 1962 angehörte. Er studierte Komposition, Dirigieren und Gesang an der Dresdner Musikhochschule und war Meisterschüler Günter Kochans an der Akademie der Künste in Berlin. Ab den späten 60er Jahren machte er sich mit seinen Kompositionen, die Kammermusik ebenso umfassten wie Chor- und Orchesterwerke, einen Namen als eine der wichtigsten Stimmen innerhalb der Neuen Musik der DDR.

    Das zentrale Feld seiner kompositorischen wie dramaturgischen und kuratorischen Arbeit war jedoch das Musiktheater. Zwei Jahre lang war er Assistent von Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin, bevor er 1970 als Dramaturg für zeitgenössisches Musiktheater an die Semperoper in Dresden berufen wurde und hier bis 1985 wirkte. In Dresden gründete er zudem das „Studio Neue Musik“, aus dem das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik und letztlich 2004 das Europäische Zentrum der Künste Hellerau hervorging, das Zimmermann als Gründungsintendant bis 2008 leitete. Zudem war Zimmermann von 1997 bis 2011 künstlerischer Leiter der Konzertreihe musica viva des Bayerischen Rundfunks und verantwortete in dieser Zeit fast 200 Uraufführungen.

    Als zentraler Bestandteil des kompositorischen Werkes entstanden, beginnend mit der groß besetzten Erstfassung der WEISSEN ROSE (1967 in Dresden uraufgeführt), insgesamt sechs Bühnenwerke, darunter LEVINS MÜHLE (1972), DER SCHUHU UND DIE FLIEGENDE PRINZESSIN (1976) und DIE WUNDERSAME SCHUSTERSFRAU (1982). Als jüngstes Werk innerhalb des Opernschaffens ragt jedoch die grundlegend neu konzipierte zweite Fassung der WEISSEN ROSE als Kammeroper für zwei Solisten und fünfzehn Musiker heraus. Bald nach der Uraufführung 1986 an der Hamburgischen Staatsoper etablierte sich das eindringliche, auf Briefen der Geschwister Scholl basierende Werk zu einer der meistgespielten zeitgenössischen Opern, die bis heute über 200 Neuproduktionen erfahren hat.

    Nach der Wende übernahm Udo Zimmermann das Amt des Intendanten der Oper Leipzig und führte das Haus bis 2001 überaus erfolgreich. Mit mehreren Uraufführungen, unter anderem von Karlheinz Stockhausen, Dieter Schnebel und Jörg Herchet, sowie einem zeitgenössischen und gleichzeitig publikumsnahen Spielplan machte er das Haus zu einem Ort gegenwärtigen Musiktheaters, wofür es unter anderem 1993 als „Opernhaus des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

    Für die Spielzeit 2001/02 wurde Udo Zimmermann als Intendant der Deutschen Oper Berlin berufen, und zwar als Nachfolger für Götz Friedrich, dessen Vertrag 2001 auslaufen sollte. Für diesen Neuanfang nach einer prägenden Ära, die durch Friedrichs überraschenden Tod im Dezember 2000 überschattet wurde, setzte Zimmermann auf einen Spielplan, der große Sängernamen und starke Regiehandschriften mit einem Bekenntnis zum Zeitgenössischen verband. Er eröffnete seine Intendanz mit Peter Konwitschnys Inszenierung von Luigi Nonos INTOLLERANZA 1960, Achim Freyer inszenierte Verdis MESSA DA REQUIEM – die Produktion ist bis heute im Repertoire der Deutschen Oper Berlin – und SALOME, Daniel Libeskind brachte Olivier Messiaens monumentalen SAINT FRANÇOIS D’ASSISE auf die Bühne und Hans Neuenfels Mozarts IDOMENEO. Zimmermanns Intendanz dauert nur zwei Jahre, setzte jedoch wichtige Impulse: Er führte die Tradition des Hauses als eines Ortes der produktiven, mitunter kontroversen Auseinandersetzung mit der Tradition und dem Repertoire ebenso fort, wie er sie zu einem Ort des Zeitgenössischen machte – und formulierte hiermit ein Ethos, das bis heute nachwirkt und zugleich immer wieder erneut herausfordert.

    Die Deutsche Oper Berlin wird Udo Zimmermann ein ehrendes Andenken bewahren.
    Deutsche Oper Berlin, 25.10.2021, 08:59 Uhr

  2. Staatsoper Hamburg trauert um Udo Zimmermann
    Mit großer Trauer hat die Staatsoper Hamburg vom Tod des Komponisten Udo Zimmermann erfahren.

    Der Komponist und frühere Intendant der Oper Leipzig Udo Zimmermann setzte mit Werken wie "Die weiße Rose" starke politische Zeichen. Seine Kammeroper wurde 1986 in der opera stabile der Staatsoper Hamburg uraufgeführt. „Die weiße Rose“ erzählt von den letzten Stunden der Geschwister Scholl unmittelbar vor ihrer Hinrichtung am 22. Februar 1943. Der Komponist Udo Zimmermann spricht von der Dramaturgie des „inneren Theaters“ – persönliche Motive, Ängste, Hoffnungen der Protagonist*innen. Sophie und Hans Scholl stehen stellvertretend für die Student*innen und ihren Professor, die den inneren Kreis der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ bildeten. 2021 wurde Zimmermanns Kammeroper von der Staatsoper Hamburg als Graphic Opera produziert und kam in dieser völlig neuer Form auf ARTE am 9. Mai 2021, dem 100. Geburtstag von Sophie Scholl, zur Erstausstrahlung. WEISSE ROSE gehörte zu den 58. Golden Prague International Television Festival Winners 2021 und wurde mit dem Preis „special mention for extraordinary artistic achievement“ ausgezeichnet.

    „Mit großer Betroffenheit haben wir vom Tod Udo Zimmermanns erfahren. Er ist einer der großen europäischen Komponisten der Gegenwart. Seine „weiße Rose“ gehört zu den meistgespielten Werken zeitgenössischer Musik und hat durch ihre politische Dimension eine ungebrochene Aktualität. Mit der Neuproduktion der WEISSEN ROSE als Graphic Opera der Staatsoper Hamburg verneigen wir uns tief vor Udo Zimmermann und werden sein Andenken in Würde halten. Die Staatsoper Hamburg fühlt sich Udo Zimmermann und seiner Kunst tief verbunden,“ so Staatsopernintendant Georges Delnon.
    Hamburgische Staatsoper, 25.10.2021, 08:57 Uhr

  3. Die Oper Leipzig trauert um Udo Zimmermann
    Udo Zimmermann war Intendant der Oper Leipzig in den Jahren 1990 bis 2001. Anlässlich seines Todes widmet das Leipziger Ballett ihm am Sonntag, 24. Oktober 2021, die Vorstellung »Lamento«, in der auch Udo Zimmermanns Komposition »Lieder von einer Insel« erklingen wird. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Künstlerinnen und Künstler an der Oper Leipzig kennen ihn noch persönlich, so auch der heutige Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer, der heute der Familie von Udo Zimmermann sein Beileid bekundete: "Udo Zimmermann war für die neuere Musikgeschichte ein wichtiger Inspirator und für die Oper Leipzig ein prägender Fundamentleger."

    Der vielseitig begabte Musiker Udo Zimmermann führte die Oper Leipzig in den Jahren nach der Friedlichen Revolution künstlerisch und vertraglich in eine neue Ära. Er engagierte sich besonders für das Musiktheater des 20. Jahrhunderts und veranlasste zahlreiche legendäre Inszenierungen und Uraufführungen, die bereits 1992/93 die Wahl der Oper Leipzig zur »Oper des Jahres« im Magazin Opernwelt auslösten. Unter den 62 Opernpremieren, 21 Ballettpremieren und 35 Premieren der Musikalischen Komödie während Zimmermanns Intendanz haben Inszenierungen wie »Herzog Blaubarts Burg«, »Nachtwache«, »Eugen Onegin« oder Peter Konwitschnys Interpretation von »La bohème« unvergessliche Erinnerungen hinterlassen. Udo Zimmermann startete die Leipziger Jazztage und holte auch Uwe Scholz an das Leipziger Ballett, das durch »Die Schöpfung« und viele weitere choreografische Uraufführungen seinen internationalen Ruhm begründete.
    Oper Leipzig, 25.10.2021, 08:56 Uhr

  4. Trauer um Udo Zimmermann
    Mit großer Bestürzung erfuhr die Semperoper Dresden vom Tod des Komponisten und langjährigen Dramaturgen der Staatsoper Dresden, Udo Zimmermann, und des ehemaligen Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle, Bernard Haitink, dem die Sächsische Staatskapelle Dresden bereits ihren Nachruf widmete. Der Intendant der Semperoper, Peter Theiler, zeigt sich tief betroffen von der Nachricht vom Tode der beiden dem Haus und der Stadt Dresden eng verbundenen Künstler: »Heute ist ein trauriger Tag für die Musikwelt, für Dresden und für die Sächsische Staatsoper. Der Tod von Udo Zimmermann und Bernard Haitink, deren beider Wirken auf besondere Weise die Sprache und den Ausdruck der Musik als bindendes Gesellschaftsphänomen nachhaltig prägte, hinterlässt eine spürbare Lücke in unserem Kulturleben.«

    Von 1970 bis 1985 war Udo Zimmermann als Dramaturg für zeitgenössisches Musiktheater an der Staatsoper Dresden tätig. In dieser Zeit, die von einer engen Zusammenarbeit mit Harry Kupfer geprägt war, fanden die Uraufführungen seiner Opernwerke »Levins Mühle« (1973), »Der Schuhu und die fliegende Prinzessin« (1976), »Weiße Rose« (Dresdner Erstaufführung, 1987) und seiner Ballettkomposition »Brennender Friede« anlässlich der Wiedereröffnung der Semperoper im Jahr 1985 statt. Ebenso zahlreich sind die Kompositionen des Dresdners Udo Zimmermann, die in seiner Heimatstadt zwischen 1964 und 1988 entweder uraufgeführt oder interpretiert wurden.

    »Bis ins Jahr 1964 reicht die Verbindung von Udo Zimmermann und der Sächsischen Staatskapelle zurück. Zahlreiche konzertante Werke des Komponisten brachten die Kapellmitglieder zur Ur- und Erstaufführung: von der »Dramatische Impression« für Violoncello und Klavier auf den Tod von J. F. Kennedy (1963), noch während seiner Dresdner Studienzeit entstanden, bis zu großen Orchesterwerken wie der ›Sinfonia come un grande lamento‹, das die Kapelle unter Herbert Blomstedt 1978 uraufführte. Mit ihm verliert die Musikwelt einen leidenschaftlichen und unermüdlichen Streiter für die Musik der Gegenwart«, so der Orchestervorstand der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

    Mit der Premiere der Neuinszenierung von »Weißen Rose« in Semper Zwei am 11. März 2022 findet das Schaffen Udo Zimmermanns für die Neue Musik, die Musikstadt Dresden und die Semperoper eine posthume Würdigung.
    Semperoper Dresden, 25.10.2021, 08:54 Uhr

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Weitere aktuelle Nachrichten:

Innovationspreis für Dortmunder Philharmoniker
25.000 Euro Preisgeld für Lehrprojekt, Sonderpreis für Rundfunkchor Berlin (03.12.2021) Weiter...

Hindemith-Preis 2022 für Komponistin Hannah Kendall
Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro dotiert (03.12.2021) Weiter...

Bayerischer Kunstförderpreis für Sopranistin Andromahi Raptis
Auszeichnung ist mit 6.000 Euro dotiert (03.12.2021) Weiter...

Semperoper Dresden mindestens bis Jahresbeginn geschlossen
Spielstätten reagieren auf Corona-Infektionsgeschehen (02.12.2021) Weiter...

Trio Sora mit Hans Gal Preis ausgezeichnet
Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert (02.12.2021) Weiter...

Neuer Anlauf: Steigerlied soll immaterielles Kulturerbe werden
Früherer Antrag hatte keinen Erfolg (02.12.2021) Weiter...

Münchner Veranstalter klagt gegen Corona-Regeln
Kultur gegenüber Gastronomie benachteiligt? (01.12.2021) Weiter...

Nach mehr als 120 Jahren: Mozartkugel-Fabrikant meldet Insolvenz an
Corona-Pandemie und steigende Kosten für Rohstoffe, Energie und Löhne (01.12.2021) Weiter...

Jennifer O'Loughlin und Lucian Krasznec werden Bayerische Kammersänger
Staatstheater am Gärtnerplatz ehrt Solisten (01.12.2021) Weiter...

Verlängerte Zwangspause: Daniel Barenboim sagt weiteres Konzert ab
Termin soll im Februar nachgeholt werden (30.11.2021) Weiter...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich