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Sonntag, 5. Dezember 2021

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Edita Gruberova (1946-2021), © Franz Johann Morgenbesser

Edita Gruberova (1946-2021), © Franz Johann Morgenbesser

Sängerin wurde 74 Jahre alt

Trauer um Sopranistin Edita Gruberova

Zürich, . Die Sopranistin Edita Gruberova ist verstorben. Die Sängerin wurde 74 Jahre alt.

Edita Gruberova wurde am 23. Dezember 1946 in Bratislava geboren. Nach einem Gesangsstudium in ihrer Heimatstadt sowie in Prag debütierte die Sopranistin 1970 an der Wiener Staatsoper als Königin der Nacht in Mozarts "Die Zauberflöte". Während ihres Studiums war sie bereits in Bratislava aufgetreten. 1972 wurde Gruberova Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Vier Jahre später gelang Gruberova als Zerbinetta in Strauss' "Ariadne auf Naxos" der internationale Durchbruch. Als Koloratursängerin fiel sie bei den Festspielen in Glyndebourne und Salzburg besonders auf. Darauf folgten Engagements an verschiedenen Opernhäusern Europas sowie weltweit. Im Laufe ihrer Gesangskarriere arbeitete Guberova mit zahlreichen renommierten Dirigenten zusammen, darunter Karl Böhm, Sir Colin Davis, Kurt Eichhorn, Herbert von Karajan, Zubin Metha, Riccardo Muti sowie Sir Georg Solti, außerdem wurde sie zur Österreichischen und Bayerischen Kammersängerin ernannt. Als Künstlerin setzte sie sich für die Wiederaufführung mehrerer unbekannter Donizetti- und Bellini-Opern ein. Gruberova war Sonderbotschafterin der Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer. 2019 verabschiedete sie sich von der Opernbühne, 2020 erfolgte ihr letzter Auftritt als Sängerin. Edita Gruberova starb am 18. Oktober 2021 in Zürich.

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Bisherige Kommentare:

  1. Zum Tod von Edita Gruberova
    Edita war die größte Sängerin ihrer Zeit.

    Als man Karl Böhm in Wien sagte, man hätte die weltbeste Zerbinetta am Haus, aber es kenne sie keiner, hat er sie wenigstens noch angehört. Und danach engagiert. Und mit der Premiere »Ariadne auf Naxos« an der Wiener Staatsoper im Oktober 1976 ist eine Weltkarriere gestartet.

    Als ich so Anfang 2002 Edita zum ersten Mal persönlich traf, um mit ihr im Kempinski in Berlin eine »Ariadne«-Aufführung in Barcelona zu besprechen, raunzte sie nur: Ich habe die Zerbinetta-Arie noch nie mit männlichen Statisten gemacht und habe das auch nicht vor. Ich setze entgegen: Liebe Frau Gruberova, ich habe ihre Zerbinetta in Bonn und in Zürich bestimmt zehnmal gehört, manchmal bin ich nur zu ihrer Arie ins Opernhaus gegangen, und was in meinem Herzen und in meinem Kopf geschah, als ich Sie erlebt habe, habe ich in Brüssel mit Elzbieta Szmytka und Tony Pappano inszeniert. Wenn ich dieses einmal im Leben mit Ihnen zusammenbringen könnte, wäre es mein höchstes Glück. Sie überlegte kurz, schob ihre große Brille auf der Nase zurecht und sagte dann: Na gut, versuchen wir es.

    Als es dann zur ersten Probe in Barcelona kam, fragte sie: Wo ist das Double? Das war natürlich aus Ehrfurcht vor ihr weggeschafft worden. Also wurde das Double herbeigeschafft, Grubi sah sich das an, was mit zwölf Strandboys erarbeitet wurde, sie sollte um jeden girren, dann wurden Reihen gebildet, dann gab es eine komplizierte Tanzchoreographie, am Ende wurde sie in die Luft geworfen und wie Marika Rökk zum Tanzfinale gebeten. Sie sah sich das einmal an und sagte: Gut, ich mach das. Dann machte sie es, ohne Fehler, ohne Irritation. Aber Frau Gruberova, wie können Sie das? – Ich gucke mir nie was an, ich mache es immer im Geiste direkt, war ihre Antwort. Sie lebte alles, auch wenn sie es nur ansah.

    In Barcelona war die siebenjährige Laura ihre größte Verehrerin. Sie hatte dutzende Male das »Hänsel und Gretel«-Video geguckt, mit Edita als Gretel. Du bist doch die Gretel, hat Laura sie begrüßt. Und die große Gruberova hat geantwortet, ja, ich bin die Gretel und Du auch, wir sind die Gretel. Und wann immer sie sich wiedergesehen haben, haben sie sich begrüßt mit: meine Gretel.

    In Köln haben wir dann Arienabende gemacht, und ich konnte sie zu zwei konzertanten »Norma«-Aufführungen überreden. Mit Will Humburg und der in Köln leider dann schlecht behandelten Regina Richter als Adalgisa. Gruberova wurde an der Pforte nicht erkannt und ins Schauspiel von Karin Beier geschickt. Da irrte sie umher und ging in eine Garderobe, in der ein nackter Schauspieler stand. Sie stürzte aus der Garderobe und fand irgendwie den Weg zurück in die Oper, ich wartete schon ungeduldig auf sie, sie schrie nur: Ich trete heute nicht auf, was muten Sie mir zu, nackte Schauspieler, keiner kennt mich, was soll ich hier, zeigen Sie mir den Weg, wie ich aus diesem Irrenhaus wieder rauskomme, ich will hier nicht sein, ich will nur nach Hause. – Aber Frau Gruberova, alle warten auf Sie, wir sind doch nur Ihretwegen hier. – Na gut, dann lassen Sie mich etwas beruhigen, und dann sehen wir weiter… Sie sang vielleicht die zwei besten »Norma«-Vorstellungen ihres Lebens. Das Adrenalin stimmte …

    Dann nochmal »Norma« in Wiesbaden. Erst ein Telefonat. Diese Inszenierung wollen Sie mir nicht im Ernst zumuten, das ist ein Verbrechen an »Norma«, das mache ich nicht. Dann meine Beschwichtigungen, alle Vorstellungen sind ausverkauft, alle kommen nur Ihretwegen, wollen Sie nicht doch …? – Na gut, ich komme, aber nur in meinem konzertanten Kleid, ich spiele diese Inszenierung nicht, ich mache das konzertant. Na gut, Nassauer Hof gebucht, konzertant. Zur ersten Aufführung dieselbe aufgebrachte Gruberova, hier, hier, hier, das Programmheft auf den Tisch werfend, was ist das für ein Bild? Es war Erika Sunnegårdh, die Premierenbesetzung, wir hatten das Programmheft nicht neu drucken lassen. Mit diesem Programmheft singe ich hier nicht. Wieder Beschwichtigung: Aber alle warten auf Sie, ausverkauft, wollen Sie wirklich? Na gut, dann natürlich, ich trete auf.

    Sie hatte nach jeder Vorstellung einen Rück- und Hinflug nach und von Zürich. Dann rief sie mich an: Kann ich in Wiesbaden bleiben? Ich wusste gar nicht, wie schön die Stadt ist, ich würde gerne die ganzen Tage im Nassauer Hof verbringen und durch den Kurpark spazieren. Und übrigens finde ich die Inszenierung von dieser Claudia Rech, oder wie heißt die, Gabi? jedenfalls ist das gar nicht so schlecht. Ich lasse mir jetzt mal auf meine Kosten ein passendes modernes Kostüm schneidern, und dann spiele ich das auch. Und so geschah es. Sie spielte und sang es und erlebte in Wiesbaden dreizehn glückliche Tage.

    Wir waren frohgemut, dass wir noch etwas zusammen machen müssen, aber das kam nicht mehr zustande. Nach der letzten »Norma«-Vorstellung in Wiesbaden hat sie sich 33-mal verbeugt, die letzten Male vor dem runtergelassenen eisernen Vorhang, durch eine sehr schmale Seitentür. Wirklich nochmal? Ja, nochmal.

    Marcus war in der Pause gegangen. Er hatte den Glauben an die Stimme der Gruberova verloren. Er glaubte, das sei nicht mehr ihre Stimme. Aber ein Mensch hat seine Stimme bis zuletzt. Ein Mensch ist seine Stimme. Am Ende hat sie in Wiesbaden 40 Minuten Standing Ovations bekommen.

    Sie hatte eine Stimme, die niemals verloren gehen wird. Dahinter war ein Mensch, der niemals verloren geht. Mit ihr sind Erinnerungen, die niemals verloren gehen.

    Aber was zählt, ist der Augenblick, der Moment, in dem ein Ton erklingt und vergeht und eine lange Pause entsteht. Und dann fängt die Ewigkeit an, oder es kommt nichts mehr, oder Edita singt doch weiter... In unserer Erinnerung.
    Uwe Eric Laufenberg, Hessisches Staatstheater, 20.10.2021, 12:14 Uhr

  2. In Erinnerung an Edita Gruberova
    Die Bayerische Staatsoper trauert um Edita Gruberová. Von 1974 bis 2019 prägte sie das musikalische Leben der Oper in München. Nur zwei Jahre nach ihrer feierlichen Verabschiedung, trauert die Bayerische Staatsoper nun um Frau Gruberová. Erinnerungen an die enge Bindung zwischen dem Haus und der bayerischen Kammersängerin, die an 308 Vorstellungen in München beteiligt war. Die Bayerische Staatsoper ist tief erschüttert, von dieser Künstlerin, die der Bayerischen Staatsoper über viereinhalb Jahrzehnte so eng verbunden war, Abschied nehmen zu müssen.

    „Mit großer Trauer haben wir an der Bayerischen Staatsoper vom Tod der unvergleichlichen Edita Gruberová erfahren. Hier am Haus hatten wir das Privileg, ihre großen Rollen und ihre Erfolge mitzuerleben und zu feiern. Ein schmerzlicher Verlust für uns alle, ein schmerzlicher Verlust für die Kunst!", sagte Staatsintendant Serge Dorny, als ihn die Mitteilung vom Tod der Sopranistin erreichte.

    Edita Gruberová sang seit dem 23. November 1974, als sie hier in der Partie der Königin der Nacht debütierte, 308 Vorstellungen im Nationaltheater – bis sie sich am 27. März 2019 mit einer letzten Vorstellung als Königin Elisabetta in Donizettis Roberto Devereux vom Münchner Publikum verabschiedete und damit ihre Opernkarriere beendete. In diesen beinahe 45 Jahren verkörperte sie an der Bayerischen Staatsoper 33 Mal Lucia di Lammermoor, 37 Mal Anna Bolena, je 28 Mal Lucrezia Borgia und Norma und nicht weniger als 54 Mal die Elisabetta: eine Bilanz, die schon in Zahlen unvergleichlich ist. „Bis zum heutigen Tag“, resümierte sie im Jahr 2015, „ist die Bayerische Staatsoper eine Heimat.“ Mit verschiedenen Auszeichnungen dankte man ihr diese Treue, darunter der Bayerische Verdienstorden, die von den Freunden des Nationaltheaters e. V. gestiftete Meistersinger-Medaille und die Ernennung zur Bayerischen Kammersängerin.

    Ihre Karriere hatte mit Koloraturpartien wie die Königin der Nacht und Zerbinetta in Ariadne auf Naxos begonnen. Mit ihrer Stimme, die Spitzentöne in stratosphärischen Lagen ansatzlos wie aus dem Nichts aufscheinen lassen konnte, prägte die Koloratursopraninistin durch ihre vokale Virtuosität, Farbenreichtum und der charakterlichen Vielfalt ihres Gesangs sowie einer entwaffnenden Schönheit des Stimmklangs, das künstlerische Schaffen der Bayerischen Staatsoper nachhaltig. Eine große Zahl maßstäblicher Einspielungen bewahrt ihre Gesangskunst für die Nachwelt.

    Eine weitere wesentliche und noch lange nachwirkende Leistung war ihr Einsatz für den Belcanto. Nicht nur die berühmten Opern von Rossini, Bellini und Donizetti bis Verdi hatte sie in ihrem Repertoire, sondern setzte sich auch für die Wiederentdeckung vieler Werke ein, die von vielen Opernhäusern verschmäht wurden und nur noch in Archiven schlummerten. Mit ihrer Kunst erweckte sie diese Kostbarkeiten wieder zum Leben, wie bei den Münchner Inszenierungen von Lucrezia Borgia und Roberto Devereux .

    Am 3. Juli 2018 feierte sie an der Bayerischen Staatsoper ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Die damals schon geplante Vorstellungsserie von Roberto Devereux im März des folgenden Jahres erklärte sie dann kurzerhand zu ihrem Bühnenabschied. 58 Minuten Schlussapplaus wurden nach dieser Aufführung gemessen, rote Rosenblüten regneten auf die Sängerin hinab, und der Intendant Nikolaus Bachler konnte sich kaum Gehör verschaffen für seine Ansprache. Die Sängerin selbst kommentierte knapp: „Es war wunderbar, und es war genug.“
    Bayerische Staatsoper, 19.10.2021, 16:43 Uhr

  3. Zum Tod von Edita Gruberova
    Kunstminister Bernd Sibler zeigt sich betroffen vom Tod des slowakischen Opernstars Edita Gruberová. „Edita Gruberová war ein Weltstar im buchstäblichen Sinn. Mit allen großen Dirigenten hat sie gearbeitet, in den großen Opernhäusern der Welt gesungen. Was für ein Glück, dass sie auch das Münchner Publikum mit ihrem unerreichten Koloratursopran beehrte. Ihre Auftritte in der Bayerischen Staatsoper sind unvergessen. Ihr Tod bedeutet einen großen Verlust für die Kunstwelt, für uns alle“, so Sibler gestern Abend in München. Gruberová war der Bayerischen Staatsoper, wo sie 1974 als Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte debütiert hatte, über viele Jahre eng verbunden und wurde in zahlreichen Rollen frenetisch vom Münchner Publikum gefeiert. Auch ihren Abschied von der Opernbühne feierte sie im Jahr 2019 in München, als tragische Königin Elisabetta in Donizettis „Roberto Devereux“.

    Der Freistaat Bayern würdigte die herausragende Kunst Edita Gruberovás mit der Auszeichnung mit dem Bayerischen Verdienstorden im Jahr 1997 und dem Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 1999. Bereits 1989 wurde sie zur Bayerischen Kammersängerin ernannt. Voraussetzung für diese Auszeichnung für herausragende künstlerische Leistungen ist eine mindestens fünfjährige Zugehörigkeit zu den Bayerischen Staatstheatern als Ensemblemitglied oder im Rahmen regelmäßiger Gastauftritte. „Unter den bayerischen Kammersängerinnen ist Edita Gruberová die Königin, nicht nur als Königin der Nacht“, so der Kunstminister.
    Bayerisches Kunstministerium, 19.10.2021, 11:58 Uhr

  4. Im Gedenken an Edita Gruberova
    In der Welt der Oper, die von persönlichen Urteilen und Vorlieben geprägt ist, geschieht es sehr selten, dass einer Sängerin unbestritten der Titel einer Königin zuerkannt wird. Edita Gruberová war einer dieser seltenen Fälle: als Königin des dramatischen Belcanto regierte sie über ein Vierteljahrhundert lang ein Reich, dessen Kernlande sich um die romantischen Opern Bellinis und Donizettis konzentrierten. Und wie Elisabeth I., die sie in Donizettis ROBERTO DEVEREUX so eindrucksvoll porträtierte, zog sie umher, hielt Hof und zeigte sich ihren treuen, jubelnden Untertanen.

    In Berlin war die Deutsche Oper Berlin der Ort, an dem Gruberová empfing: seit 2013 war sie bis zu ihrem Bühnenabschied im Jahr 2019 regelmäßig hier zu Gast und demonstrierte, eskortiert von einem auserlesenen Hofstaat an Comprimarii, als Norma, Elisabetta und Lucrezia Borgia in konzertanten Aufführungen ihre ungebrochene Souveränität in diesem Repertoire. Mit diesen Auftritten knüpfte die 1947 in Bratislava geborene Sängerin inhaltlich direkt an ihr Hausdebüt 1980 in der umjubelten Premiere von Donizettis LUCIA DI LAMMERMOOR an und bewies, dass sie sich in der dazwischenliegenden Zeitspanne nicht nur ihre blendenden Spitzentöne bewahrt, sondern an Gestaltungskraft noch hinzugewonnen hatte. Tatsächlich hat sich Edita Gruberová, deren Karriere lange an Partien des Koloraturfachs wie Mozarts Königin der Nacht und Konstanze und vor allem die Zerbinetta in Strauss' ARIADNE AUF NAXOS geknüpft war, ihre Herrschaft im Reich der romantischen, zumeist italienischen Oper erst erkämpft und damit auch ein Vakuum ausgefüllt, das nach dem Abschied der voraufgegangenen Generation einer Joan Sutherland, Montserrat Caballé und Leyla Gencer entstanden war. Diese erstaunliche Spätkarriere war auch das Resultat einer Zusammenarbeit mit dem Regisseur Christof Loy, mit dem Gruberová maßstäbliche Produktionen der großen Opern Bellinis und Donizettis erarbeitete und sich so auch als Darstellerin von dramatischem Format etablierte. Jetzt ist Edita Gruberová überraschend in ihrer Zürcher Wahlheimat verstorben.

    Berlin bleibt der Trost, den glanzvollen Karriereherbst eine der großen Opernsängerinnen unserer Zeit miterlebt zu haben.

    Die Deutsche Oper Berlin wird Edita Gruberová ein ehrendes Angedenken bewahren.
    Deutsche Oper Berlin, 19.10.2021, 11:57 Uhr

  5. Staatsoper Hamburg trauert um Edita Gruberova
    Mit großer Trauer und Bestürzung hat die Staatsoper Hamburg vom Tod der Sängerin Edita Gruberova erfahren.

    Die Ausnahme-Künstlerin und Koloratursopranistin Edita Gruberova war seit 1970 regelmäßiger Gast an der Staatsoper Hamburg. Sie begeisterte das Hamburger Publikum als Olympia in „Les Contes d’Hoffmann“, Violetta in „La Traviata“, Zerbinetta in „Ariadne“, Elvira in „Puritani“ sowie Anna Bolena, Norma und Lucrezia Borgia. Auch in zahlreichen Solo-Abenden war Edita Gruberova an der Dammtorstraße stets umjubelt.

    Ihr letzter Auftritt an der Staatsoper Hamburg war am 3. April 2014 in einer konzertanten Vorstellung der „Lucrezia Borgia“. Im Hamburger Abendblatt war damals zu lesen „Gruberova … mit nach wie vor stupender Kontrolle über ihre fast nie die Wirkung verfehlende Technik, derart verfeinert und variabel, dass man auch nur staunen kann. Ihre Special Effects beherrscht sie nach wie vor, kann in schwindelerregenden Höhen trillern und gurren und andererseits ins kehlige Barmen verfallen.“

    Heute musste die Staatsoper Hamburg die traurige Nachricht vom Tod dieser großartigen Künstlerin entgegennehmen. Wir werden das Andenken an Edita Gruberova in Würde halten.
    Staatsoper Hamburg, 19.10.2021, 09:53 Uhr

  6. Die Wiener Staatsoper trauert um Edita Gruberova
    Am 7. Februar 1970 debütierte sie im Haus am Ring als Königin der Nacht in Mozarts Die Zauberflöte, eine Partie, mit der sie auf dieser Bühne in den folgenden eineinhalb Jahrzehnten fast 70mal zu erleben war und so manche Vorgängerin und Nachfolgerin in den Schatten stellte. Es war Josef Witt, der damalige Leiter des Opernstudios der Wiener Staatsoper, der mit ihr daraufhin die Partie der Zerbinetta erarbeitete und durchsetzte, dass sie die extrem herausfordernde Rolle in Vorstellungen verkörpern konnte. Zunächst in Repertoire-Aufführungen und dann schließlich in der Neuproduktion vom 20. November 1976. Diese Premiere sollte ihr internationaler Durchbruch werden. Der nicht eben zu Lobeshymnen neigende Premierendirigent Karl Böhm brachte ihre Singularität in einem später oft zitierten Satz zum Ausdruck: »Mein Gott, wenn Strauss doch Ihre Zerbinetta gehört hätte!« Mit der Titelrolle von Lucia di Lammermoor folgte 1978 der nächste Triumph unter Giuseppe Patané. In den folgenden Jahren sang sie viele wesentliche Partien ihres Fachs: u.a. Violetta (La traviata), Olympia (Les Contes d’Hoffman), Konstanze (Die Entführung aus dem Serail). Als Aminta (Die schweigsame Frau), Adele (Die Fledermaus), Rosina (Il barbiere di Siviglia) und Norina (Don Pasquale) – mit der sie auch im Rahmen der Arbeiterkammer-Tournee quer durch Österreich reiste – bewies sie auch ihr umwerfend komisches Talent. Neben weiteren Rollen von Mozart, deren Musik sie als »schwer zu knackende Nuss« bezeichnete, intensivierte sie ihre Beschäftigung auf dem Gebiet des Belcanto-Repertoires: Titelpartie in Maria Stuarda, Giulietta in I Capuleti e i Montecchi, Elvira in I puritani, Titelpartie in Linda di Chamounix, Elisabetta in Roberto Devereux, Titelpartie in Norma (konzertant), Titelpartie in Lucrezia Borgia (konzertant) und Titelpartie in Anna Bolena. Manche dieser Opern wurden sogar ausschließlich ihretwegen neu produziert und gespielt.

    Ihren letzten Opernauftritt im Haus am Ring absolvierte sie am 23. Oktober 2015 (Anna Bolena), am 23. Juni 2018 nahm sie mit einem Galakonzert nach fast 50 Jahren Abschied von ihrer geliebten Staatsoper.

    Direktor Bogdan Roscic: "Immer wieder bezeichnete Edita Gruberova die Wiener Staatsoper als ihre künstlerische Heimat, ihr Geburtshaus, ihren Olymp. Im gleichen Maße wurde sie vom Wiener Publikum, aber auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses als »unsere« Gruberova angesehen – ein Ehrentitel, der nur den Allerwenigsten zuteil wird. An der Wiener Staatsoper begann ihre einzigartige Karriere, hier feierte sie ihren internationalen Durchbruch und hier war sie in all ihren großen Rollen zu erleben. Wie kaum eine andere war die Gruberova nicht nur Legende, sondern prägte dieses Haus und seine Aufführungsgeschichte in über 700 Vorstellungen. Dabei war ihre vielgerühmte stimmliche Perfektion nie Selbstzweck, sondern immer im Dienst einer kompromisslosen Hingabe an die Musik und deren bestmögliche Interpretation. Nicht nur ihre Zerbinetta, Königin der Nacht, Rosina oder ihre Lucia bleiben für alle zukünftigen Generationen gültige Referenzpunkte — und Sternstunden des menschlichen Ausdrucks."
    Wiener Staatsoper, 19.10.2021, 08:24 Uhr

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