> > > Wieland Wagner verschwindet aus der Stuttgarter Öffentlichkeit
Sonntag, 5. Dezember 2021

Aussichtsplatz nun nach Heinrich Heine benannt

Wieland Wagner verschwindet aus der Stuttgarter Öffentlichkeit

München, . Der nach Wieland Wagner benannte Aussichtsplatz in Stuttgart erhält einen neuen Namen. Grund für die Umbenennung ist die nationalsozialistische Vergangenheit Wagners. Der Regisseur und Bühnenbildner hatte eine persönliche Beziehung zu Adolf Hitler und arbeitete kurze Zeit in einem Konzentrationslager. Die Wieland-Wagner-Höhe soll fortan den Namen des Schriftstellers Heinrich Heine tragen. Nach Heine war vor der NS-Zeit auch die an den Aussichtsplatz angrenzende Richard-Wagner-Straße benannt, so erklärte der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU). Zuvor war der Platz überhaupt nicht offiziell benannt und somit in keinem Stadtplan verzeichnet gewesen. Eine Rückbenennung der Richard-Wagner-Straße war nicht möglich, da es in Stuttgart inzwischen bereits eine andere Heinestraße gibt. Der Vorschlag, stattdessen den Platz umzubenennen, kam von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), da der Aussichtsplatz an der Villa Reitzenstein, dem Sitz des Ministerpräsidenten, liegt. Nach knapp einem Jahr Diskussion war der Antrag nun angenommen worden. Die Feierlichkeiten fanden im Rahmen des Jubiläumsjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ statt, die auch als Anstoß zum Nachdenken über nationalsozialistische Einflüsse dienen sollen.

Wieland Wagner wurde als Enkel von Richard Wagner am 5. Januar 1917 in Bayreuth geboren. Er lernte Maler und Fotograf und war schon früh bei den Bayreuther Festspielen als Bühnenbildner tätig. Unter anderem arbeitete er auch bei den sogenannten "Kriegsfestspielen" 1943/44, 1943 inszenierte er am Landestheater Altenburg den "Ring". Obwohl er zuvor von Hitler persönlich vom Kriegsdienst befreit worden war, leistete Wagner diesen von September 1944 bis April 1945 trotzdem als stellvertretender ziviler Leiter im KZ-Außenlager Bayreuth. Nach Kriegsende blieb er in der französischen Besatzungszone, einem Entnazifizierungsverfahren stellte er sich erst 1948. Drei Jahre später wurde er künstlerischer Leiter der Bayreuther Festspiele. Gast-Engagements führten ihn außerdem unter anderem nach Berlin, München, Wien, Venedig, Mailand, Rom, Brüssel, Barcelona, Paris, Amsterdam und London. Später wurden rekonstruierte Vorstellungen nach seinen Inszenierungen auch in New York, Sydney und Osaka gezeigt. 1959 erhielt er für seine Arbeit den Bayerischen Verdienstorden. Wieland Wagner starb am 17. Oktober 1966 in München.

Weiterführende Informationen:

Portrait Richard Wagner

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