> > > Opernhaus Nürnberg: Quo vadis?
Dienstag, 26. Oktober 2021

Staatstheater Nürnberg, © Andreas Praefcke

Staatstheater Nürnberg, © Andreas Praefcke unter CC BY 3.0

Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände als langfristige Heimat?

Opernhaus Nürnberg: Quo vadis?

Nürnberg, . Für die Sanierung des Nürnberger Opernhauses drängt die Zeit. Ab Sommer 2025 muss das Gebäude für die Bauarbeiten für mindestens zehn Jahre geschlossen werden. Allerdings gibt es noch immer keine Klarheit über die Interimsspielstätte, ein Entschluss des Stadtrats steht noch aus. CSU und Grüne haben die Kongresshalle auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände in die Diskussion gebracht. Dort könne im Innenhof ein Saal mit 800 Plätzen direkt an das bestehende Gebäude angeschlossen werden, alle darüber hinausgehenden Räumlichkeiten wie Werkstätten und Büros könnten in der Kongresshalle runterkommen. Die SPD zögert jedoch aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit mit ihrer Zustimmung. Vor der Entscheidung für die Kongresshalle müsste unter anderem noch geklärt werden, weshalb die Messe nicht infrage komme und wie die Erinnerungsarbeit fortgeführt werde, wenn das Opernhaus als Interim auf dem Gelände des Reichsparteitages unterkomme. Auch die Nachnutzung eines möglichen Spielortes im Innenhof der Kongresshalle soll vorher festgelegt werden. Ernesto Buholzer Sepúlveda von der Kulturpartei Politbande sieht die Kongresshalle sogar als mögliche Langzeitlösung.

Die Kosten für Sanierung und Erweiterung des Opernhauses werden aktuell auf rund 700 Millionen Euro geschätzt, für das Interimsquartier werden noch einmal 200 Millionen Euro gebraucht. Für beides hat die Stadt aufgrund anderer Projekte wie Brücken, Schulen und Kindergärten keinen finanziellen Spielraum. Wenn bis 2025 allerdings keine Interimsspielstätte zur Verfügung steht, müsste der Opernbetrieb eingestellt werden. Dann läuft nämlich der Brandschutz ab und der Betrieb wäre nicht mehr erlaubt. Darüber hinaus müssen Statik und Bühnentechnik erneuert werden. Beim Nürnberger Theater geht es dabei um rund 600 Beschäftigte. Oberbürgermeister Marcus König (CSU) drängt daher noch für dieses Jahr auf einen Grundsatzbeschluss.

Das Staatstheater Nürnberg wurde 1905 eröffnet. Nach Zerstörung und Umnutzung in und nach dem Zweiten Weltkrieg dient es seit 1956 durchgehend als Opernhaus, seit 2003 trägt es wieder den Namen "Staatstheater". Das Dreispartenhaus wird als Staatsbühne des Freistaates Bayern seit 2005 als Stiftung öffentlichen Rechts geführt. Das Haus umfasst derzeit 550 Festangestellte und gibt mehr als 650 Vorstellungen für jährlich ca. 270.000 Besucher. Staatsintendant ist Jens-Daniel Herzog, Generalmusikdirektorin ist Joana Mallwitz.

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