> > > Salzburg: Debatte über NS-Verstrickungen Herbert von Karajans
Montag, 26. Juli 2021

Herbert von Karajan (1954), © Katsu Funayama

Herbert von Karajan (1954), © Katsu Funayama

Historikerkommission legt Untersuchung zu belasteten Straßennamen vor

Salzburg: Debatte über NS-Verstrickungen Herbert von Karajans

Salzburg, . Eine Historikerkommission hat ihren Abschlussbericht über Straßennamen der Stadt Salzburg vorgelegt. Im Rahmen der Untersuchung waren zuvor die Biografien von 66 Personen aufgearbeitet worden, um deren mögliche Verbindungen zum nationalsozialistischen Regime offenzulegen. Dabei wurde insbesondere die Beteiligung an Kriegsverbrechen, Zerstörungen, Plünderungen, Arisierungen und Kunstraub bewertet. Außerdem wurde die Propagierung der NS-Ideologie, die Unterstützung des Nazi-Regimes und die Verharmlosung der NS-Verbrechen nach 1945 untersucht. Zu den Personen mit gravierenden Verbindungen zu den Nationalsozialisten zählen unter anderem Dirigent Herbert von Karajan, Domorganist und Mozarteums-Professor Franz Sauer sowie Musikwissenschaftler Erich Schenk. Insgesamt 13 Personen wurden als stark belastet bewertet. Nun muss die Politik enscheiden, ob unter den jeweiligen Straßenschildern ein Erläuterungsschild ausreicht oder ob man die Straßen umbenennt.

"Man kann sie nicht nur in ihrem Leben von 1938 bis 1945 beurteilen: Es geht darum, wie sind sie sozialisiert worden, aus was für einem Umfeld kommen sie, gab es vorher schon antisemitische Äußerungen und wie verhielten sie sich in der Zeit der Illegalität und der Entnazifizierung", so Oskar Dohle, Mitglied des Fachbeirats, Historiker und Leiter des Salzburger Landesarchivs zu den umstrittenen Persönlichkeiten. Über alle Namen soll im Herbst einzeln im Rat der Stadt abgestimmt werden.

Herbert von Karajan wurde am 5. April 1908 in Salzburg geboren. Er studierte in Wien bei Franz Schalk und wollte ursprünglich Pianist werden. Nach seinem Dirigentendebüt 1927 in Salzburg mit Beethovens 'Fidelio' folgte 1934 die Position des Generalmusikdirektors in Aachen, ab 1938 dirigierte er an der Berliner Staatsoper, nach dem Zweiten Weltkrieg auch an der Mailänder Scala. 1955 übernahm er nach dem Tode Wilhelm Furtwänglers die Leitung der Berliner Philharmoniker. Von 1956 bis 1964 war er auch künstlerischer Leiter der Wiener Staatsoper. 1962 wurde er künstlerischer Berater der Salzburger Festspiele. Fünf Jahre darauf gründete er die Salzburger Osterfestspiele. Nach Streitigkeiten mit seinem Orchester trat Karajan im April 1989 nach fast 36 Jahren als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker zurück. Er starb kurz darauf am 16. Juli in Anif bei Salzburg.

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