> > > Zufallsfund: Tagebuch von Komponist Anton Reicha entdeckt
Donnerstag, 24. Juni 2021

Komponist Anton Reicha (1815), © Claude-Marie-François Dien (1787-1865)

Komponist Anton Reicha (1815), © Claude-Marie-François Dien (1787-1865)

Historisches Dokument sollte im Müll landen

Zufallsfund: Tagebuch von Komponist Anton Reicha entdeckt

Paris/Brünn, . In Paris ist ein Tagebuch des böhmischen Komponisten Anton Reicha entdeckt worden. Das Dokument wurde in einer Kiste neben eine Abfalltonne gefunden, in der es hätte entsorgt werden sollen, so die Mährische Landesbibliothek Brünn. Das musikhistorisch wertvolle Buch trug nicht Reichas Namen, dafür stand dieser jedoch auf einem beiliegenden Briefumschlag. Die Finderin stellte eine Recherche an, fand eine Ausstellung zu dem Musiker und kontaktierte danach die verantwortlichen Kuratoren. Inzwischen hat Musikwissenschaftlerin Jana Frankova bestätigt, dass es sich  um das einzige erhaltene Tagebuch des Komponisten dieser Art handle. Das Buch des Zeitgenossen Beethovens enthält Notizen zu gerade vollendeten Werken sowie zu seiner Lehrtätigkeit. Es ist nun für Forscher in Paris einsehbar.

Der am 26. Februar 1770 in Prag geborene Anton Reicha entstammte einer armen tschechischen Familie. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er im Alter von zehn Jahren seinem Onkel Joseph Reicha, einem angesehenen Cellisten der fürstlichen Kapelle in Wallerstein, anvertraut. Bei diesem erhielt Reicha seinen ersten Klavier-, Geigen- und Flötenunterricht und erlernte die deutsche und französische Sprache. Im Jahre 1785 begleitete er seinen Onkel an die kurfürstliche Hofkapelle von Maximilian Franz nach Bonn, in der er als Geiger und Flötist aufgenommen wurde und die Bekanntschaft von Ludwig van Beethoven machte. Die beiden Musiker verband schon bald eine dauerhafte Freundschaft, einige Zeit später folgte Anton Reicha seinem Jugendfreund Beethoven nach Wien, wo sie gemeinsamen Kompositionsunterricht bei Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri nahmen. Als die Bonner Kapelle aufgelöst wurde, ging Reicha zunächst nach Hamburg, später nach Paris. Obwohl er bei seinem ersten Auftreten an der Pariser Oper im Jahre 1799 keinen Erfolg errungen hatte, siedelte er 1808 mit neuen Projekten endgültig nach Paris über, machte als Opernkomponist jedoch wieder nur mäßig auf sich aufmerksam. Ungeahntes Aufsehen beim Publikum löste er allerdings mit seinen neuartigen Kompositionen für Bläserensemble aus, die ihm rasch wachsenden Ruhm einbrachten. 1818 wurde der Wegbereiter des Bläserquintetts dann sogar als Kontrapunktlehrer an die Ecole Royale de Musique berufen, wo er unter anderem Künstlerpersönlichkeiten wie Hector Berlioz, Franz Liszt, Charles Gounod und César Franck unterrichtete. Einige seiner musiktheoretischen Schriften und Lehrbücher galten lange Zeit als Standardwerke für angehende Komponisten. Der seit 1826 ausschließlich als Lehrer tätige Reicha wurde 1835 zum Mitglied des Institut de France ernannt, nachdem er zuvor die französische Staatsbürgerschaft angenommen hatte und 1831 bereits mit der Ehrenlegion gekrönt worden war. Neben zwölf Opern, acht Sinfonien und vielen weiteren Chor- und Orchesterwerken schrieb Anton Reicha zahlreiche kammermusikalische Stücke, darunter zwanzig Streichquartette sowie 28 Bläserquintette. Anton Reicha starb am 28. Mai 1836 in Paris.

Weiterführende Informationen:

Portrait Anton Reicha

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