> > > Ehrendoktorwürde für Pianist Alfred Brendel
Donnerstag, 17. Juni 2021

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Alfred Brendel beim Klavierfestival Ruhr, © Mark Wohlrab

Alfred Brendel beim Klavierfestival Ruhr, © Mark Wohlrab

Musikhochschule Köln würdigt

Ehrendoktorwürde für Pianist Alfred Brendel

Köln, . Die Hochschule für Musik und Theater Köln wird dem Pianisten und Musikschriftsteller Alfred Brendel im Rahmen einer virtuellen Feierstunde Mitte Mai die Ehrendoktorwürde eines Dr. phil. h.c. verleihen. Alfred Brendel ist nach Nikolaus Harnoncourt und Helmut Lachenmann erst der dritte Träger dieser Ehrung der Hochschule.

Als stilbildender Pianist der Gegenwart hat sich Alfred Brendel über mehrere Jahrzehnte und in internationalem Rahmen herausragende Verdienste erworben: "Insbesondere seine Beethoven- und Schubert-Interpretationen sind bis heute grundlegend, da es ihm in besonderer Wese gelang, sich immer wieder neu und in intensiver und akribischer Weise mit dem Notentext auseinanderzusetzen, ohne dabei einem schematischen Ideal von „Werktreue“ zu folgen. Bei aller Intellektualität seiner musikalischen Weltsicht bleibt Brendel immer auch ein von der Emotionalität musikalischen Ausdrucks erfüllter Musiker. Als epochal und bis heute wirksam ist sein Eintreten für das Klavierwerk von Franz Liszt zu bezeichnen, dessen musikalische Tiefe und strukturelle Komplexität durch seine Interpretation neu entdeckt werden konnte.In einer weiteren Schaffensdimension zeigt sich Brendel als versierter und vielfältiger Musikschriftsteller und Essayist, der es in ganz besonderer Wiese versteht, wissenschaftliche Recherche, künstlerisches Wissen und Sprachkunst miteinander zu verbinden. Seine schriftstellerische Intellektualität wurzelt in einem von intensivem Quellenstudium und scharfsinniger Analyse gespeisten Wissensfundus, der sich zugleich stets an die zentrale Frage nach den Möglichkeiten gelingender musikalischer Interpretationzurückbindet. Für die nachwachsende Generation ... ist die in der Persönlichkeit und im Schaffen Brendels anzutreffende besondere Verbindung von künstlerischer Empathie und geistigem Weitblick beispielhaft. Durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde soll auch vor diesem Hintergrund die besondere Kraft, die musikalisches Schaffen entfalten kann, herausgestellt werden.", so die Hochschule in ihrer Begründung.

Alfred Brendel studierte Klavier, Komposition und Dirigieren in Zagreb und Graz und beschloss seine Klavierstudien bei Edwin Fischer, Paul Baumgartner und Eduard Steuermann. Brendel hat als erster das Klavierwerk Beethovens in seiner Gesamtheit aufgenommen. An der Aufnahme der Schubert-Sonaten und des Klavierkonzertes von Arnold Schönberg ins allgemeine Konzertrepertoire war er ebenso maßgeblich beteiligt wie an der Rehabilitation der Klavierwerke Franz Liszts. Brendel war regelmäßig zu Gast in den großen internationalen Konzertsälen und bei den führenden europäischen und amerikanischen Orchestern. Sein letztes Konzert gab Alfred Brendel am 18. Dezember 2008 an der Seite der Wiener Philharmoniker. Seitdem widmet er sich dem Schreiben sowie Lesungen und Vorträgen. Zu den Themen gehören „Licht- und Schattenseiten der Interpretation“ sowie die letzten Klaviersonaten von Beethoven und Schubert, das Mozartspiel und die Persönlichkeit Franz Liszts.

Alfred Brendel ist Ehrendoktor u.a. der Universitäten von London, Oxford, Cambridge und Yale. Seit 1992 ist er Träger der Hans von Bülow-Medaille der Berliner Philharmoniker und seit 1998 Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören in den letzten Jahren der Ernst von Siemens-Preis (2004), der Artur-Rubinstein-Preis (2007), der Karajan-Preis (2008), der „Praemium Imperiale" der Japan Art Association (2009) und der Gramophone "Lifetime Achievement Award" (2010). Er ist Commandeur des Arts et des Lettres (2004). Seit vielen Jahren tritt Alfred Brendel auch als Schriftsteller hervor. Seine gesammelten Gedichte sind unter dem Titel „Spiegelbild und schwarzer Spuk“ veröffentlicht sowie von ihm selbst gelesen auch als Hörbuch. Ebenfalls erschienen Gespräche mit Martin Meyer („Ausgerechnet ich“) sowie „Weltgericht mit Pausen – aus den Tagebüchern von Friedrich Hebbel“ (Auswahl und Nachwort von Alfred Brendel). Gesammelte Essays liegen unter dem Titel „Über Musik“ vor. 2010 erschien das Buch „Nach dem Schlussakkord – Fragen und Antworten“, 2012 "A bis Z eines Pianisten. Ein Lesebuch für Klavierliebende" und zuletzt „Wunderglaube und Mißtonleiter. Aufsätze und Vorträge“.

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