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Samstag, 24. Oktober 2020

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Innentitel, © Wolfgang Borchert Theater

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Auszubildender fand Schriftstück beim Aufräumen

Zufallsfund: Von Verdi signierter Klavierauszug gefunden

Münster, . In Münster ist ein von Giuseppe Verdi signierter Klavierauszug gefunden worden. Ein Auszubildender des Wolfgang Borchert Theaters entdeckte das Schriftstück zufällig bei Aufräumarbeiten im Archiv. Bei dem Klavierauszug handelt es sich um einen Teil der Totenmesse "Messa da Requiem" in einer seltenen Originalausgabe des Pariser Verlegers Léon Escudier aus dem Jahre 1874. Die Partitur erschien nur wenige Monate nach der italienischen Erstausgabe, so das Theater. Das Schriftstück wäre damit rund 146 Jahre alt. Auch wenn der Umschlag der wiederentdeckten Ausgabe mittlerweile von der Zeit gezeichnet ist, sind die Namenskennzeichnung des ehemaligen Besitzers Ponchard im Umschlag, Verdis Autograph sowie der Notendruck in einwandfreiem Zustand.

Der Schauspieler Charles Marie Auguste Ponchard soll Verdi an der Opéra Comique begegnet sein. Der spätere Weg des Buchs in den Theaterfundus in Münster ist unklar. Ein dem Buch beigefügter Brief aus dem Jahr 1982 verrät, dass es sich um das Geschenk von begeisterten Opern-Zuschauern an eine Sopranistin mit dem Nachnamen Molnar war, die sie als Solistin in Verdis Requiem erlebt hatten. Recherchen lassen vermuten, dass es sich um die deutsch-ungarische Sopranistin Eva-Maria Molnár-Wassmann (1925-2019) gehandelt haben könnte, die zwischen 1960 und 1980 zu einer der führenden Opern-Sängerinnen zählte und anschließend an der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim lehrte. Das Anschreiben gibt zudem Preis, dass das Fundstück auf einem Pariser Flohmarkt erstanden wurde.

Giuseppe Verdi wurde am 10. Oktober 1813 in dem kleinen italienischen Städtchen Le Roncole bei Busseto geboren. Hier sammelte der junge Verdi seine ersten musikalischen Eindrücke durch umherziehende Dorfmusikanten, die in dem Wirtshaus des Vaters einzukehren pflegten. Schon während der Schulzeit komponierte Verdi nach eigenen Aussagen eine Vielzahl von Märschen und Ouvertüren. Seine Ouvertüre zu "Der Barbier von Sevilla" wurde 1828 im Stadttheater aufgeführt. Die Förderung und Unterstützung seines zukünftigen Schwiegervaters Antonio Barezzi erlaubte ihm eine profunde musikalische Ausbildung in Mailand bei Vincenzo Lavigna. 1836 erhielt Verdi seine erste Anstellung als Maestro di Musica in Busseto und heiratete Barezzis älteste Tochter Margherita. Im August 1838 starb seine Tochter Virginia, im Oktober 1839 sein Sohn Icilio und im Juni 1840 verlor er seine Frau. Verdi geriet in eine tiefe Schaffenskrise, bis er durch Zufall das Libretto zu "Nabucco" in die Hände bekam. Die Reaktion des Publikums nach der Uraufführung am 9. März 1842 an der Mailänder Scala übertraf alle Erwartungen und verhalf Verdi zum Durchbruch. Mit dieser Oper war es Verdi gelungen, nationale und religiöse Motive miteinander zu verbinden. Der Erfolg seiner Opern bis Ende 1850 machten ihn wirtschaftlich unabhängig, und er lebte mit seiner Lebensgefährtin - der Sängerin Giuseppina Strepponi - auf dem eigenen Gut bei Busseto. Mit der Oper "Un ballo di maschera" (1859) begann ein weiterer Abschnitt seiner schöpferischen Entwicklung. Mit der eigenhändigen Einstudierung der "Aida" an der Mailänder Scala - zu Beginn des Jahres 1872 - setzte Verdi neue Maßstäbe für die Opernproduktion in dem heruntergekommenen italienischen Opernbetrieb. Am Ende dieser Erfolgsserie stehen "Otello" (1887) und "Falstaff" (1893). 1874 , am ersten Todestag des Dichters Alessandro Manzonis, wurde die "Messa da Requiem" in der Mailänder Kirche San Marco unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt. Neben den zahlreichen Opern, einer Reihe von Liedern, dem Requiem und einigen anderen geistlichen Kompositionen schrieb Verdi kaum andere Werke; abgesehen von den Märschen und Ouvertüren seiner anfänglichen Laufbahn. Sein einziges Streichquartett in e-Moll entstand aus einer Not heraus: Im Winter 1872/ 73 hielt er sich in Neapel für die Proben zu "Aida" auf. Wegen der Erkrankung der Sopranistin mussten die Proben verschoben werden und Verdi komponierte zum Zeitvertreib das Streichquartett.

Verdi starb während eines Aufenthaltes in Mailand am 27. Januar 1901. Es wurde Staatstrauer verordnet, und seine Büste kam ins Kapitol nach Rom.

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