> > > Musikhochschule Freiburg: Klavier-Aufnahmeprüfung per Fernsteuerung
Mittwoch, 8. Juli 2020

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Aufnahmeprüfung über das Internet, © MHS Freiburg

Aufnahmeprüfung über das Internet, © MHS Freiburg

Aufnahmeprüfung am Reproduktionsklavier für internationale Bewerber

Musikhochschule Freiburg: Klavier-Aufnahmeprüfung per Fernsteuerung

Freiburg, . In Zeiten von Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie fand an der Musikhochschule Freiburg, die in mehreren Fachbereichen an der Digitalität in künstlerischen Studiengängen forscht, erstmals eine Aufnahmeprüfung im Fach Klavier mittels einer Instrumentalspiel-Fernübertragung statt. Beworben hatten sich zwei Bewerber aus Shanghai (China) und Tokyo (Japan). Die Prüfungskommission saß in Freiburg vor einem speziellen Flügel, der das Klavierspiel der Bewerber ferngesteuert aus Shanghai beziehungsweise Tokyo wiedergab. Die Bewerber konnten auf diese Weise live in Freiburg spielen und hatten die gleichen Chancen wie Kandidaten vor Ort in Freiburg. Ihr Spiel wurde dabei mittels hochaufgelösten MIDI-Daten direkt in Tastenbewegungen im Hörsaal der Hochschule umgesetzt, sodass von der Jury der Eignungsprüfung ein analoger Klavierklang bewertet werden konnte. Parallel übertrug ein Videostream den Vortrag auch optisch.

Bei Eignungsprüfungen wurde dieses Verfahren weltweit erstmals eingesetzt, in Konzerten, für Fernunterricht und bei Klavierwettbewerben hat es bereits Eingang in die Praxis gefunden. Bis zu 1024 Abstufungen pro Tastenbewegung erzeugten mit Hilfe der Technologie eines Disklaviers eine praktisch identische künstlerische Interpretation. Klaviere und Flügel, die mit dieser Technologie ausgestattet sind, können das Spielen eines Pianisten mit großer Präzision aufzeichnen. Wenn sie Aufnahmen wiedergeben, spielen sie das Stück tatsächlich nach: Die Tasten bewegen sich von alleine. Die Daten, mit denen die Tastenbewegungen gespeichert werden, lassen sich über das Internet übertragen. So ist es möglich, dass ein Pianist an einem Disklavier spielt und mit einer Verzögerung von nur wenigen Millisekunden an einem anderen Ort ein weiteres Disklavier steuert.

Die Hochschule für Musik Freiburg existiert in der heutigen Form seit 1946. Zunächst wurde die Einrichtung von der Stadt getragen, zwei Jahre nach der Gründung übernahm dies jedoch das Land Baden, später Baden-Württemberg. In den 50er Jahren gründete Wolfgang Fortner als Teil der Hochschule das Institut für Neue Musik, welches auch später in Zusammenarbeit mit dem elektronischen Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung Aufmerksamkeit erregte. Mit dem Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik, das gemeinsam mit der Universität Freiburg betrieben wird, hat die Hochschule für Musik ihr Profil im Bereich musikbezogener Forschung ausgebaut und beherbergt eines der größten europäischen Institute für die Gebiete Musiktheorie, Musikwissenschaften, Musikpädagogik und Musikphysiologie. Eine weitere Besonderheit ist das 2005 gegründete Institut für Musikermedizin, das die Hochschule gemeinsam mit dem Freiburger Universitätsklinikum betreibt. Rektor ist seit 2017 Ludwig Holtmeier, 200 Lehrer unterrichten aktuell etwa 500 Studenten, die Verwaltung verfügt über 32 Mitarbeiter. Pro Jahr finden mehr als 400 Veranstaltungen statt.

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