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Donnerstag, 9. Juli 2020

Olga Neuwirth, © Riccordi, Harald Hoffmann

Olga Neuwirth, © Riccordi, Harald Hoffmann

Jury ehrt Komponistin für ihr künstlerisches Lebenswerk

Robert Schumann-Preis für Olga Neuwirth

Mainz, . Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur zeichnet die Komponistin Olga Neuwirth für ihr künstlerisches Lebenswerk mit dem Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik aus. Die Verleihung findet Ende November statt.

"Eine neue poetische Zeit" strebte einst Robert Schumann an: Damit wandte er sich vor allem gegen oberflächliche Betriebsamkeit, inneren Leerlauf und ästhetische Beliebigkeit im Musikleben seiner Gegenwart. "Mit Olga Neuwirth trifft Schumann bald 200 Jahre später auf eine Geistesverwandte", so die Jury zu ihrer Entscheidung. Mit ihrem offenen, jeder Redundanz widerstrebendem Schaffen trete die Komponistin für eine erfüllte poetische Zeit des 21. Jahrhunderts ein. Mit ihrem "enorm vielseitigen Schaffen erhebt Olga Neuwirth die Stimme des Widerstands gegen Mainstream, schnelle Gewissheiten und wohlfeile Übereinkünfte", so die Jury zur Begründung.

Olga Neuwirth wurde am 4. August 1968 in Graz geboren. Neuwirth zählt zu den bedeutendsten Komponistenpersönlichkeiten der Gegenwart. Als Tochter des Jazz-Musikers Harry Neuwirth und Nichte des Musikwissenschaftlers und Wiener-Schule-Spezialisten Gösta Neuwirth wuchs sie in der Tradition beider Musikformen auf. Ein Unfall machte ihren ursprünglichen Plan, Jazz-Trompeterin zu werden, zunichte und so begann sie bereits mit 15 Jahren mit dem Komponieren. Sie studierte Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst und am Elektro-Akustischen Institut, beide in Wien. Weitere Studien folgten in San Francisco und Paris. Wesentliche Anregungen gingen zudem von Komponisten wie Adriana Hölszky, Tristan Murail und Luigi Nono aus. Sie erhielt für ihr Schaffen mehrere Auszeichnungen, etwa den South Bank Show Award und den Großen Österreichischen Staatspreis. 2006 wurde sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin und 2013 Mitglied der Akademie der Künste München.

Ihr Werkkatalog vereint Orchester-, Ensemble- oder Vokalkompositionen und Werke des Musiktheaters, neben Performances, Installationen, Schauspiel-, Radio- und Filmmusiken, sowie Texte, Photographien, Experimental- und Trickfilme. Klang-, Bild- und Sprachmaterialien gehen in ihren Kompositionen überraschende Allianzen ein. Dabei suche sie unermüdlich nach Partnern für den Austausch zwischen den Künsten. Beispielhaft dafür stehe Olga Neuwirths langjährige Kooperation mit der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Quellen für das Zusammenspiel von Dichtung und Musik finde sie aber auch in Texten von William Burroughs, Leonora Carrington, Herman Melville, Georges Perec, Gertrude Stein oder Virginia Woolf. 1991 wurde sie mit den beiden Mini-Opern "Der Wald – Ein tönendes Fastfoodgericht" und "Körperliche Veränderungen" nach Texten von Elfriede Jelinek international bekannt. Neue Medien und alte Instrumente sind für Olga Neuwirth keine Widersprüche. 2003 erfolgte beim „steirischen herbst“ in Graz die Uraufführung des Musiktheaters "Lost Highway" nach dem gleichnamigen Film von David Lynch. Bei den Salzburger Festspielen wurde ihr Trompetenkonzert von den Wiener Philharmonikern uraufgeführt. 2002 war sie Composer in Residence bei den Luzerner Festwochen, 2007 nahm sie an der documenta 12 mit der Klanginstallation "...miramondo multiplo..." teil, 2016 beim Lucerne Festival, wo ihr für Martin Grubinger geschriebenes Schlagzeugkonzert uraufgeführt wurde.

Der Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik wird alle zwei Jahre von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur / Mainz an Persönlichkeiten für ein herausragendes Werk auf dem Gebiet der Musik, der Dichtung sowie der Musikvermittlung vergeben. Vorherige Preisträger waren Pierre Boulez, Wolfgang Rihm, Aribert Reimann und Jörg Widmann. Der Preis wird von der Mainzer Strecker-Stiftung finanziert, er ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Stiftung sieht in der interdisziplinären Struktur der Akademie die ideale Anbindung für diesen Preis. Als einzige der Akademien besitzt sie eine Klasse der Literatur und der Musik und betreut im Rahmen des Akademienprogramms zahlreiche musikwissenschaftliche Editionen.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

Portrait Olga Neuwirth

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