> > > Wiener Staatsoper: Experten sollen neues Konzept für Ballettakademie erarbeiten
Samstag, 28. März 2020

Wiener Staatsoper, © Michael Poehn

Wiener Staatsoper, © Michael Poehn

Schülerwohl als oberste Priorität

Wiener Staatsoper: Experten sollen neues Konzept für Ballettakademie erarbeiten

Wien, . Nachdem Offenlegung der Zustände an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper hat das Haus nun einen Zukunftsplan angekündigt. Vier internationale Experten sollen für die Schule ein "strategisches Gesamtkonzept für eine zeitgemäße, klassische Ballettausbildung auf höchstem Niveau unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Schüler" ausarbeiten. Auch sollen die organisatorischen Strukturen der Ballettakademie verbessert werden. Im Mittelpunkt stehe neben der Erlernung des Berufs ausdrücklich auch die Gesundheit der Tänzer.

Die Gruppe wurde durch den designierten Staatsoperndirektor Bogdan Ročić und den künftigen Ballettchef Martin Schläpfer, die beide ihre Ämter im Herbst 2020 antreten, ausgewählt. Mitglieder sind Mavis Staines, Samuel Wuersten, Jason Beechey und Patrick Armand. In der Politik wurde die Entscheidung der Staatsoper begrüßt. Kunst-Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Die Grünen) bezeichnete den Einsatz der Experten als "notwendigen und guten Schritt zur Neuausrichtung der Ballettakademie".

Der im vergangenen Dezember vorgelegte Schlussbericht der Kommission rügte u. a. die gesundheitliche Betreuung, der Mangel an klaren Verantwortlichkeiten sowie intransparente Prüfungskriterien. Die Kommission berichtete zudem von Ermutigungen zum Rauchen, damit die Schüler ihre Figur halten, sowie der Anrede mit Konfektionsgrößen. Kommissionsvorsitzende Susanne Reindl-Krauskopf kritisierte, dass die Kontrolle der Schule durch die Staatsoper und den Vorsitz der Akademie so gut wie nicht existent gewesen sei. Kulturminister Alexander Schallenberg (parteilos) bezeichnete die Zustände an der Wiener Ballettakademie als "erschütternd".

Die Wiener Staatsoper wurde am 25. Mai 1869 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth eröffnet. Unter den ersten Direktoren waren Franz von Dingelstedt, Johann Herbeck, Franz Jauner und Wilhelm Jahn. Einen ersten Höhepunkt erlebte die Wiener Oper unter dem Direktor Gustav Mahler, der das veraltete Aufführungssystem erneuerte, Präzision und Ensemblegeist stärkte und auch bildende Künstler für die neue Bühnenästhetik heranzog. Am 12. März 1945 wurde das Haus am Ring durch Bombentreffer weitgehend zerstört, doch bereits am 1. Mai 1945 wurden die Vorstellungen in der Volksoper und dem Theater an der Wien fortgesetzt. Die Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper fand mit neuem Zuschauerraum und modernisierter Technik am 5. November 1955 statt. Heute gilt die Wiener Staatsoper als eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt. Direktor ist Dominique Meyer; er wird 2020 abgelöst von Bogdan Ročić.

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