> > > Festspiele Erl: Ex-Intendant Kuhn gibt Orden zurück
Samstag, 25. Januar 2020

Logo Tiroler Festspiele Erl

Diskussion um Aberkennung bereits politisch angestoßen

Festspiele Erl: Ex-Intendant Kuhn gibt Orden zurück

Erl, . Gustav Kuhn, der ehemalige Leiter der Festspiele Erl hat den Tiroler Adler-Orden zurückgegeben. Die Auszeichnung war dem Musiker 1999 durch den damaligen Landeshauptmann Wendelin Weingartner (ÖVP) verliehen worden und sollte den Nicht-Tiroler für seine Verbundenheit zum Land und seinen kulturellen Einfluss ehren.

Mit der Zurückgabe des Ordens kommt Kuhn, der sich wegen des Verdachts auf sexuelle Belästigung vor Gericht verantworten muss, der möglichen Einleitung eines Aberkennungsverfahrens durch die Tiroler Landesregierung zuvor. Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hatte sich vergangene Woche zum Adler-Orden geäußert und festgestellt, dass Kuhn diesen nach heutigem Wissen nicht erhalten hätte. 2012 war ein Gesetz verabschiedet worden, das die Aberkennung von Auszeichnungen möglich macht: "Die Verleihung einer Auszeichnung kann mit Bescheid der Landesregierung widerrufen werden, wenn später Tatsachen bekannt werden, die einer Verleihung entgegengestanden wären, oder die ausgezeichnete Person nachträglich ein Verhalten setzt, das einer Verleihung entgegenstünde", so das Landes-Auszeichnungsgesetz.

Die Festspiele Erl und ihr damaliger Leiter Gustav Kuhn standen insbesondere im vergangenen Jahr in der Kritik (klassik.com berichtete): Blogger Markus Wilhelm hatte durch Veröffentlichungen über Korruption, Ausbeutung, "moderne Sklaverei", sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sowie Verstößen gegen das Arbeiterschutzgesetz die Diskussion über die Festspiele ins Rollen gebracht. Hinzu kam ein offener Brief von fünf Künstlerinnen, die dem Intendanten sexuelle Übergriffe und Missbrauch vorwarfen. Kuhn legte daraufhin seine Ämter in Erl nieder.

Gustav Kuhn wurde am 28. August 1945 in Turrach in der Steiermark geboren. Er studierte Dirigieren bei Gerhard Wimberger, Hans Swarowsky, Bruno Maderna und Herbert von Karajan an den Musikhochschulen von Salzburg und Wien. Gleichzeitig promovierte er in den Fächern Philosophie, Psychologie und Psychopathologie. Mit 24 Jahren gewann er den ersten Preis beim Dirigierwettbewerb des ORF, zudem erhielt er die Lilli-Lehmann-Medaille der Universität Mozarteum. Von 1970 bis 1979 war er zunächst Chordirektor und Dirigent am Opernhaus in Istanbul, dann erster Kapellmeister am Opernhaus Dortmund. Zudem gründete er 1974 das Institut für aleatorische Musik in Salzburg und debütierte in den folgenden Jahren an zahlreichen größeren Häusern weltweit. Im Jahr 1979 wurde er Generalmusikdirektor in Bern, anschließend war er von 1983 bis 1985 in gleicher Position in Bonn tätig. In der Folge wurde er zum Chefdirigenten des Teatro dell'Opera in Rom und später zum künstlerischen Leiter des Teatro di San Carlo in Neapel ernannt. Seit 1987 ist er außerdem künstlerischer Leiter des internationalen Gesangswettbewerbes Neue Stimmen und hatte von 1990 bis 1994 die Leitung des Festivals in Macerata inne. 1992 gründete er die Accademia di Montegral in Lucca und 1997 die Tiroler Festspiele Erl. Parallel ist er als Regisseur und Komponist tätig; seine Kompositionen umfassen Orchesterwerke, Messen und Solostücke.

Die Tiroler Festspiele Erl wurden 1997 vom Dirigenten und Regisseur Gustav Kuhn ins Leben gerufen und haben sich seither zu einem internationalen Musikfestival entwickelt. Neben dem Hauptfestival im Sommer findet seit dem Jahr 2012 auch eine Wintersaison in einem eigens dafür errichteten Festspielhaus statt. Dieses wurde von dem Wiener Architektenbüro "Delugan Meissel" entworfen und bietet Platz für 862 Besucher.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

Portrait Tiroler Festspiele Erl

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Weitere aktuelle Nachrichten:

WDR-Rundfunkrat beschäftigt sich mit Kinderchor-Affäre
Intendant soll vor Gremium berichten (24.01.2020) Weiter...

Oper Frankfurt: Neubau billiger als Sanierung
Kulturdezernentin spricht sich für zwei Neubauten aus (24.01.2020) Weiter...

Staatliche Ballettschule Berlin: Senat setzt Untersuchungskommission ein
Parallelen zur Ballettakademie der Wiener Staatsoper? (24.01.2020) Weiter...

Opernsänger Franz Mazura gestorben
Musiker wurde 95 Jahre alt (24.01.2020) Weiter...

Berliner Philharmoniker und Dirigent Gustavo Dudamel bei den Olympischen Spielen
Deutsches Ensemble tritt als Teil des Kulturprogramms in Tokio auf (24.01.2020) Weiter...

Leonard Bernstein Award 2020 für Flötist Stathis Karapanos
Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert (23.01.2020) Weiter...

Ernst von Siemens Musikpreis für Bratschistin Tabea Zimmermann
Hauptpreis ist mit 250.000 Euro dotiert (23.01.2020) Weiter...

Musikergewerkschaft kündigt Haustarifvertrag der Norddeutschen Philharmonie Rostock
Deutsche Orchestervereinigung fordert höhere Vergütung für die Musiker (23.01.2020) Weiter...

Salzburger Festspiele: Festspielhaus wird zum Postamt
Sonderbriefmarke zum Jubiläum (22.01.2020) Weiter...

Bregenzer Festspielhaus von Vandalen beschädigt
Schaden in Höhe von mindestens 10.000 Euro (22.01.2020) Weiter...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2020) herunterladen (2483 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Julius Röntgen: Sonata in F major - Andante quasi fantasia

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich