> > > Entnazifizierung: Wiener Philharmoniker mit neuer Version des Radetzky-Marsches
Montag, 27. September 2021

Wiener Philharmoniker, © Wiener Philharmoniker

Wiener Philharmoniker, © Wiener Philharmoniker

Bisherige Fassung stammte aus Feder eines NSDAP-Mitglieds

Entnazifizierung: Wiener Philharmoniker mit neuer Version des Radetzky-Marsches

Wien, . Der von den Wiener Philharmonikern traditionell beim Neujahrskonzert gespielte Radetzky-Marsch stammt in seiner seit 1946 verwendeten Fassung aus der Feder von Komponist Leopold Weninger, welcher Mitglied der NSDAP war. Medienberichten zufolge gibt es 2020 nun erstmals eine neu arrangierte Fassung des Werkes von Johann Strauss zu hören. Ihre Uraufführung feiert die neue Version unter dem lettischen Dirigenten Andris Nelsons, der das Neujahrskonzert das erste Mal leiten wird.

Leopold Weninger wurde am 13. Oktober 1879 in Feistritz am Wechsel als Sohn eines Oberlehrers geboren. Er studierte bis 1899 Komposition und Klavier am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, was er durch Studien in Bad Kissingen, Dresden und Leipzig ergänzte. Zwischen 1902 und 1909 war er als Theaterkapellmeister in unterschiedlichen Städten angestellt, ab 1914 arbeitete er bei Musikverlagen und Arrangeur für Salonorchester. 1932 trat er in die NSDAP ein und arbeitete während der Zeit des Nationalsozialismus beim Kulturamt Leipzig. Während dieser Zeit schrieb er selbst einige Werke und arrangierte NS-Lieder. Sein bekanntestes Arrangement ist seine Version des Radetzky-Marsches von Johann Strauss, welcher jährlich das Neujahrkonzert der Wiener Philharmoniker beendet. Leopold Weninger starb am 28. Februar 1940 in Naunhof.

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker findet seit 1939 statt und war ursprünglich ein Konzert am Abend des 31. Dezembers. Historisch ist es dem von Adolf Hitler im selben Jahr gegründeten Kriegswinterhilfswerk gewidmet und fungierte als Propagandaveranstaltung. Als reine Neujahrsfeier findet es jedoch noch immer im Großen Musikvereinssaal in Wien statt. Es werden vor allem Werke der Strauss-Dynastie gespielt. Zuletzt zeigten 92 Länder weltweit das Konzert, über 50 Millionen Zuschauer wurden gezählt.

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