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Dienstag, 2. Juni 2020

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Abgleich mit Gleichbehandlungskommission steht noch aus

Festspiele Erl: Justizministerium verlangt weitere Ermittlungen

Wien, . Im Fall der Anschuldigungen gegen den ehemaligen Leiter der Festspiele Erl fordert das österreichische Justizministerium weitere Ermittlungen. Der Fall wurde zurück an die zuständige Innsbrucker Staatsanwaltschaft verwiesen, so ein Sprecher. Zuvor waren die Ermittlungen um die sexuellen Belästigungsvorfälle um Gustav Kuhn im Frühjahr eigentlich abgeschlossen worden. Grund für die Wiederaufnahme ist das besondere öffentliche Interesse, weitere Vernehmungen sowie der ausstehende Abgleich mit den Entscheidungen der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt. Diese hatten Kuhn für schuldig befunden, jedoch ist dies noch nicht strafrechtlich relevant. Kuhn und sein Anwalt selbst weisen alle Vorwürfe zurück.

Gustav Kuhn wurde am 28. August 1945 in Turrach in der Steiermark geboren. Er studierte Dirigieren bei Gerhard Wimberger, Hans Swarowsky, Bruno Maderna und Herbert von Karajan an den Musikhochschulen von Salzburg und Wien. Gleichzeitig promovierte er in den Fächern Philosophie, Psychologie und Psychopathologie. Mit 24 Jahren gewann er den ersten Preis beim Dirigierwettbewerb des ORF, zudem erhielt er die Lilli-Lehmann-Medaille der Universität Mozarteum. Von 1970 bis 1979 war er zunächst Chordirektor und Dirigent am Opernhaus in Istanbul, dann erster Kapellmeister am Opernhaus Dortmund. Zudem gründete er 1974 das Institut für aleatorische Musik in Salzburg und debütierte in den folgenden Jahren an zahlreichen größeren Häusern weltweit. Im Jahr 1979 wurde er Generalmusikdirektor in Bern, anschließend war er von 1983 bis 1985 in gleicher Position in Bonn tätig. In der Folge wurde er zum Chefdirigenten des Teatro dell'Opera in Rom und später zum künstlerischen Leiter des Teatro di San Carlo in Neapel ernannt. Seit 1987 ist er außerdem künstlerischer Leiter des internationalen Gesangswettbewerbes Neue Stimmen und hatte von 1990 bis 1994 die Leitung des Festivals in Macerata inne. 1992 gründete er die Accademia di Montegral in Lucca und 1997 die Tiroler Festspiele Erl. Parallel ist er als Regisseur und Komponist tätig; seine Kompositionen umfassen Orchesterwerke, Messen und Solostücke.

Die Festspiele Erl und ihr damaliger Leiter Gustav Kuhn standen insbesondere im vergangenen Jahr in der Kritik: Blogger Markus Wilhelm hatte durch Artikel über Korruption, Ausbeutung, "moderne Sklaverei", sexuelle Nötigung und Vergewaltigung und Verstößen gegen das Arbeiterschutzgesetz die Diskussion über die Festspiele ins Rollen gebracht. Hinzu kam ein offener Brief von fünf Künstlerinnen, die dem Intendanten sexuelle Übergriffe und Missbrauch vorwarfen. Kuhn legte letztlich seine Tätigkeiten in Erl nieder.

Die Tiroler Festspiele Erl wurden 1997 vom Dirigenten und Regisseur Gustav Kuhn ins Leben gerufen und haben sich seither zu einem internationalen Musikfestival entwickelt. Neben dem Hauptfestival im Sommer findet seit dem Jahr 2012 auch eine Wintersaison in einem eigens dafür errichteten Festspielhaus statt. Dieses wurde von dem Wiener Architektenbüro "Delugan Meissel" entworfen und bietet Platz für 862 Besucher.

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