> > > Berliner Anwältin will Mädchen in Knabenchor einklagen
Montag, 21. Oktober 2019

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sdc phil, © Heyde

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Ablehnung des Staats- und Domchores zu Berlin soll diskriminierend sein

Berliner Anwältin will Mädchen in Knabenchor einklagen

Berlin, . In Berlin kommt es vor dem Verwaltungsgericht in dieser Woche zu einer interessanten Verhandlung: Anwältin Susann Bäcklein will mit juristischen Mitteln die Aufnahme eines Mädchens im Staats- und Domchor zu Berlin erzwingen. Die Mutter eines neunjährigen Mädchens, das zuvor schon im Kinderchor der Komischen Oper Berlin und in der Domsingschule in Frankfurt a. Main aktiv war, sieht die Ablehnung ihrer Tochter nach einem Vorsingen als Pflichtverletzung des staatlich geförderten Chores, das Kind soll aufgrund seines weiblichen Geschlechts diskriminiert worden sein. Die Klägerin ist der Meinung, die in der Singakademie vermittelte Förderung der Mädchen falle mit Blick auf das Renommee, die Förderung und das Gesangrepertoire des Knabenchores strukturell hinter der Förderung von Jungen zurück. Die beklagte Universität der Künste dagegen ist der Meinung, dass die unterschiedlichen Chorklangräume von Mädchen- und Jungenstimmen eine durch die Kunstfreiheit gedeckte häufigere Ablehnung von Mädchen gerechtfertigt sei.

Die Auswahlkommission des Staats- und Domchors hatte das Kind im März 2019 nach einem Vorsingen abgelehnt. Als Grund waren damals eine ungenügende hohen Leistungsmotivation und eine mangelnde außergewöhnliche Begabung für eine Ausbildung im Chor angegeben worden. Darüber hinaus kamen dem Chor Zweifel an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten, die Grundlage für die persönliche Ausbildung einer Kinderstimme sei. Auch hätte die Stimme des Mädchens nicht dem angestrebten Klangbild des Knabenchores entsprochen. Das Geschlecht des Mädchens habe bei der Ablehnung jedoch nicht im Vordergrund gestanden.

Der Staats- und Domchor Berlin ist einer der renommierten Knabenchöre Deutschlands. Er ist die älteste musikalische Einrichtung Berlins. Bereits 1465 stellte Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg für die Musik fünf „Singeknaben” ein. Gut hundert Jahre später führte die Gründung einer Hofkapelle zur ersten Blütezeit des inzwischen auf zwölf Sänger erweiterten Chors. Zu internationalem Ansehen kam das Ensemble erstmals im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy, Otto Nicolai und August Neithardt. Mit dem Ende der Monarchie verlor der Königliche Hof- und Domchor nach dem Ersten Weltkrieg sein politisches und finanzielles Fundament. Er wurde 1923 als „Staats- und Domchor Berlin” der Staatlichen Hochschule für Musik, der heutigen Universität der Künste Berlin, angegliedert. Ausgebildet werden zurzeit rund 250 Jungen und junge Männer zwischen fünf und fünfundzwanzig Jahren. Erarbeitete werden sowohl geistliche als auch weltliche Chorwerke, die von der Renaissance bis in die Gegenwart reichen. Direktor ist Prof. Kai-Uwe Jirka. Für Mädchen gibt es in Berlin den Mädchenchor der Singakademie zu Berlin e.V.

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