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Sonntag, 21. April 2019

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Fund im Brahms-Archiv Mürzzuschlag belegt Beethoven-Bezug der ersten Sinfonie

Lübecker Brahms-Institut veröffentlicht neuen Forschungsband

Lübeck, . Das Brahms-Institut der Musikhochschule Lübeck hat einen neuen Forschungsband zu bislang ungeklärten Fragen der Brahmsforschung veröffentlicht. Über 14 Jahre arbeitete Brahms an seiner ersten Sinfonie, die bezeichnenderweise in der gleichen Tonart steht, wie Beethovens 5. Sinfonie. 1996 erschien in der neuen Brahms-Gesamtausgabe (Kiel) die Sinfonie in einer wissenschaftlich und künstlerisch befriedigenden Ausgabe. Wie das Brahms-Institut im soeben erschienenen Forschungsband zu Johannes Brahms bekannt gab, ist der Zusammenhang mit Beethoven offenbar enger als angenommen. So wurden im Archiv des Brahms-Museums Mürzzuschlag in der Steiermark Skizzen von Brahms gefunden, die belegen, dass er sich sehr intensiv mit der 5. Sinfonie von Beethoven befasst hatte und sogar einige thematische Entwürfe Beethovens, die dieser verworfen hatte, in sein Werk eingearbeitet hat. Im „poco sostenuto“ finden sich zahlreiche, jedoch verdeckte Hinweise auf die Skizzen Beethovens, die im Besitz von Brahms waren. Darüber hinaus verweist das Thema des dritten Satzes sogar auf Frühformen des ersten Themas des ersten Satzes der Beethoven-Sinfonie. Die Entdeckung der bislang unbekannten Zusammenhänge war erst durch den glücklichen Umstand möglich, dass der Forschungsstelle in Lübeck die in Mürzzuschlag gefundenen Unterlagen zugänglich gemacht wurden. Es handelt sich um einen ähnlichen Zufall, wie beim „Triumphlied“, von dem vor ein paar Jahren eine vollständige Fassung in den Archiven der Philharmonischen Gesellschaft gefunden wurde.

Der aktuelle Forschungsband beleuchtet darüber hinaus erstmals auch die Untersuchungen zur Authentizität der Ende letzten Jahres im Archiv des Instituts für Frankfurter Stadtgeschichte aufgefundenen Oper „Die schöne Magelone“ von Johannes Brahms. Bei den Vorbereitungen zum Clara Schumann Jahr 2019 in Frankfurt am Main - die berühmte Pianistin war fast 20 Jahre Pädagogin am „Dr. Hochs Konservatorium“ - hatten die Ausstellungsmacher eine Partitur, offenbar eine Schenkung Clara Schumanns an ihre Freundin Mathilde von Rothschild, entdeckt. Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Ursula Kerber-Hausmann, konnte den Fund aufgrund einer persönlichen Widmung damals schnell Johannes Brahms zuordnen (klassik.com berichtete). Wie die weiteren Untersuchungen nun ergaben, komponierte Brahms das Werk in den Sommermonaten 1872 in Baden-Baden und schenkte es in tiefer Verbundenheit Clara Schumann. Das Libretto des Werkes stammt von Eduard Hanslick. Der bekannte Liederzyklus  „Die schöne Magelone“ mit dem Text von Ludwig Tieck stellt die Grundlage für die gleichnamige Oper dar. Diese soll nach Drucklegung 2021 ihre Uraufführung in Frankfurt am Main und Baden Baden feiern. 

Johannes Brahms wurde am 7. Mai 1833 als Sohn eines Musikers in Hamburg geboren und lebte während seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen. Seinen ersten Klavierunterricht erhielt er im Jahr 1840 und gab sein Debüt als Pianist drei Jahre später. Bereits im Alter von 13 Jahren trug Brahms als Pianist zum Lebensunterhalt bei. Im Jahr 1858 wurde Brahms Hofmusikdirektor am Fürstenhof zu Detmold, lernte im gleichen Jahr Agathe von Siebold kennen und verlobte sich mit ihr, hielt sein Eheversprechen allerdings nicht ein. Weitere Engagements als Leiter des Frauenchors in Hamburg und als Pianist folgten. Zwischen 1863 und 1864 wurde er Chef der Singakademie in Wien, wo er sich auch endgültig niederließ. Von 1872 bis 1875 übernahm Brahms als Dirigenten die Leitung der Gesellschaftskonzerte der Musikfreunde. 1878 trat er seine erste Italienreise an. Ausgezeichnet wurde Brahms unter anderem mit der Mitgliedschaft in der Berliner Akademie der Künste und 1886 als Ehrenpräsident des Wiener Tonkünstlervereins sowie als Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Hamburg. Von den Universitäten Cambridge und Breslau erhielt er die Ehrendoktorwürde. Johannes Brahms starb am 3. April 1897 in Wien.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

Portrait Johannes Brahms

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