> > > Dirigent Michael Gielen ist tot
Donnerstag, 23. Mai 2019

Michael Gielen (1927-2019), © SWR

Michael Gielen (1927-2019), © SWR

Ehrendirigent des SWR-Sinfonieorchesters starb im Alter von 91 Jahren

Dirigent Michael Gielen ist tot

Mondsee, . Der deutsch-österreichische Komponist und langjährige Chef- und Ehrendirigent des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg ist nach Angaben der Familie am 8. März 2019 im Alter von 91 Jahren in seinem Haus am Mondsee/Österreich gestorben.

Michael Gielen wurde am 20. Juli 1927 in Dresden geboren. 1940 emigrierte er mit seiner Familie nach Argentinien, wo er Musik und Philosophie studierte. Anschließend begann er seine Laufbahn am Teatro Colón in Buenos Aires. 1950 begann er seine Karriere in Europa als Korrepetitor und Dirigent an der Wiener Staatsoper. Es folgten Chefdirigentenpositionen in Stockholm und Brüssel, in Cincinnati und Frankfurt. Von 1986 bis 1999 war Michael Gielen Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, danach für weitere acht Jahre Ständiger Gastdirigent, später Ehrenmitglied des Orchesters. Tourneen führten Gielen mit dem Klangkörper durch Europa, in die USA, nach Japan und Afrika. Die Einspielungen der Beethoven- und Mahler-Sinfonien wurden zu Referenzaufnahmen, Schönbergs "Gurrelieder" mit einem Klassik-Echo ausgezeichnet. Sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gab er 1972 mit dem ORF-Symphonieorchester, 1989 brachten Gielen und das ORF-Symphonieorchester Monumentum, das Auftragswerk von Friedrich Cerha zum Geburtstag von Karl Prantl, zur Uraufführung. 1993 kam er erstmals mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden zu den Festspielen, 1995 gab Michael Gielen sein Operndebüt in Salzburg mit Lulu von Alban Berg und dirigierte das Gedächtniskonzert zu 50 Jahre Kriegsende. Erstmals führte er in Salzburg auch Bernd Alois Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter auf, ein Werk, dessen Durchsetzung er zuvor schon in Deutschland erkämpft hatte. In Salzburg hat Michael Gielen darüber hinaus nicht nur als Festspielkünstler, sondern auch als Lehrer am Mozarteum wichtige Spuren hinterlassen. Er führte von 1987 bis 1995 die Dirigentenklasse und gab vielen jungen Künstlern das nötige Rüstzeug für ihre Karriere mit. Gielen erhielt zahlreiche Anerkennungen, so u.a. 2010 den Ernst-von-Siemens-Musikpreis und das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland. 2014 musste sich Gielen wegen Gesundheitsproblemen aus dem Konzertleben zurückziehen.

SWR Intendant Peter Boudgoust: "Wir haben mit Michael Gielen einen der großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts verloren. Als Chefdirigent hat er das SWR-Sinfonieorchester in den 1980er Jahren zu noch größerer künstlerischer Größe geführt. Statt sich selbst hat Michael Gielen stets das Werk in den Mittelpunkt gestellt. Besonders für die Musik der Nachkriegszeit hat er sich unermüdlich eingesetzt. Michael Gielen war nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern ist auch meinungsstark für die Orchestervielfalt eingetreten. Sein Tod macht uns betroffen und traurig."

"Michael Gielen hat unendlich viel für die Moderne getan, auch bei den Salzburger Festspielen. Er war zusätzlich auch ein ganz besonderer Interpret für Bach, Beethoven und Mahler. Wer wie ich das Glück hatte mit ihm über Musik zu sprechen, wird seine Haltung nie vergessen. Er sah Musik als den unbedingten Auftrag, die Wahrheit zu finden. Und die ist wie wir wissen nicht immer angenehm", mit diesen Worten drückte Präsidentin Helga Rabl-Stadler auch im Namen der Salzburger Festspiele die Wertschätzung für diese große Musikerpersönlichkeit aus.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

Portrait Michael Gielen

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