> > > Mailänder Scala: Parteiübergreifende Kritik gegen Einfluss aus Saudi-Arabien
Donnerstag, 21. März 2019

Intendant verteidigt Finanzierungsabkommen

Mailänder Scala: Parteiübergreifende Kritik gegen Einfluss aus Saudi-Arabien

Mailand, . Intendant Alexander Pereiras Vorhaben, den saudi-arabischen Kulturminister Prinz Badr bin Farhan Al Saud in den Aufsichtsrat der Mailänder Scala aufzunehmen, sorgt in der italienischen Politik für Proteste und Kritik. Pereira hatte der Zeitung "La Repubblica" ein Finanzierungsabkommen bestätigt, auf Basis dessen die Scala fünf Jahre lang je drei Millionen Euro aus Riad erhalten soll. Im Gegenzug würde der saudische Kulturminister Einfluss im Aufsichtsrat der Scala erhalten.

Politiker kritisierten die Pläne scharf und verwiesen auf Menschenrechtsverletzungen durch Saudi-Arabien. Kulturminister Alberto Bonisoli (Fünf-Sterne-Bewegung) stellte sich gegen die Finanzmittel aus dem Nahen Osten. Die Angelegenheit müsse gemeinsam mit dem Außenministerium in Rom vertieft werden. So sei u.a. ein Gespräch mit dem italienischen Botschafter in Saudi-Arabien geplant. Generell sehe er die Unterstützung des Opernhauses durch Ausländer positiv, solange die Scala unabhängig bleibe. Auch der Europa-Parlamentarier Antonio Panzeri (Partito Democratico) wehrte sich gegen den Einfluss des arabischen Landes im italienischen Opernhaus: Der Einzug des Kulturministers sei eine Ohrfeige für Mailand und seine freien und demokratischen Werte. Die Oppositionspartei Brüder Italiens sprach sich für den Schutz der Einrichtung aus. Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala (Partito Democratico), der als Präsident der Scala-Stiftung amtet, sieht in den saudi-arabischen Fonds dagegen eine Stärkung des Ansehens des Hauses im Nahen Osten sowie eine Chance zur Internationalisierung. Im Aufsichtsrat selbst, der sich Mitte März mit dem Thema befassen wird, sei es Pereira zufolge noch zu keinem Streit gekommen. Zur Debatte stand dort bislang lediglich die Frage, ob sich die Regierung in Riad besser als Sponsor eigne als die saudi-arabische Ölgesellschaft Aramco.

Das Teatro alla Scala, auch Mailänder Scala genannt, wurde 1778 als Nachfolgebau des Teatro Regio Ducale eröffnet. Für den Neubau ließ Maria Theresia die Kirche Santa Maria alla Scala abreißen. Nachdem das Haus im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, gelang der Wiederaufbau in kürzester Zeit, sodass es im Mai 1946 wiedereröffnet werden konnte. Durch den überhasteten Wiederaufbau wurden jedoch umfangreiche Sanierungen notwendig, die von 2001 bis 2004 unter der Leitung von Mario Botta durchgeführt wurden. Dabei wurde die Akustik und Bühnentechnik auf den neuesten Stand gebracht, während die ursprüngliche Inneneinrichtung wieder hergestellt werden konnte. Intendant ist Alexander Pereira, Musikdirektor ist Riccardo Chailly.

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