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Montag, 22. April 2019

Theo Adam als Musiklehrer in Ariadne auf Naxos an der Wiener Staatsoper, © Axel Zeininger

Theo Adam als Musiklehrer in Ariadne auf Naxos an der Wiener Staatsoper, © Axel Zeininger

Bassbariton wurde 92 Jahre alt

Opernsänger Theo Adam verstorben

Dresden, . Theo Adam, einer der großen Sängerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, ist tot. Der Opernsänger ist am 10. Januar nach langjähriger Krankheit in seiner Heimatstadt Dresden verstorben. Adam wurde 92 Jahre alt.

Der Bassbariton wurde am 1. August 1926 in Dresden geboren. Von 1937 bis 1944 sang er im Dresdner Kreuzchor. Nach dieser ersten Ausbildung und dem Abitur geriet er bei der Wehrmacht in Kriegsgefangenschaft. Zurück in Dresden war er von 1946 bis 1949 Neulehrer in Dresden und nahm währenddessen Gesangsunterricht bei Rudolf Dittrich. 1949 wurde er an der Staatsoper Dresden eingestellt. Wo er als Eremit in Carl Maria von Webers "Der Freischütz" debütierte. Drei Jahre später war er bei den Bayreuther Festspielen zu sehen, zu denen er darauffolgend bis 1980 regelmäßig eingeladen wurde. 1953 wechselte er als Ensemble-Mitglied an die Berliner Staatsoper, wo er zwei Jahre später zum Kammersänger ernannt wurde. Es folgten internationale Gastverträge in Frankfurt, Wien oder London. 1963 sang Adam an der Metropolitan Opera in New York. Zwischen 1981 und 1999 war er bei den Salzburger Festspielen tätig. Im Laufe seiner Karriere sang er alle Wagner-Partien seiner Stimmlage, des Weiteren war er für Strauss-Rollen, Oratorien und die Interpretation von Liedern von Brahms, Schubert, Strauss und Wolf bekannt. Ab 1972 arbeitete er zusätzlich als Opernregisseur, ab 1977 hatte er im DDR-Fernsehen eine eigene Sendung. Außerdem wurde er 1979 Honorarprofessour an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Für sein Schaffen erhielt er außerdem 1969 den Nationalpreis der DDR, 1977 die Große Goldmedaille des Cercle Nationale Richard Wagner, 1979 die Johannes-R.-Becher-Medaille sowie 1984 den Vaterländischen Verdienstorden in Gold. Zwischen 1978 und 1991 war er Mitglied der Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik sowie ab 1982 Mitglied im Musikrat der DDR. 1995 erhielt er Das Bundesverdienstkreuz. 2006 beendete er seine Karriere als Sänger an der Semperoper. Theo Adam starb am 10. Januar 2019 in Dresden.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

Portrait Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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Bisherige Kommentare:

  1. Nachruf auf Kammersänger Theo Adam
    ... Nach den Anfängen seiner Bühnenlaufbahn in Dresden ab 1949 war er seit 1953 der Berliner Staatsoper als festes Ensemblemitglied verbunden, nachdem er zwei Jahre zuvor sein Debüt an dieser Institution, damals noch im Admiralspalast, gegeben hatte. Zur Wiedereröffnung des Hauses Unter den Linden im Herbst 1955 sang er den Pogner in Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg«. In den großen Wagner-Partien war er auch in den folgenden Jahren auf der Bühne der Staatsoper zu erleben, gerade auch in seinen Paraderollen Holländer, Hans Sachs, Wotan, Wanderer, Landgraf Hermann, König Heinrich, König Marke, Amfortas und Gurnemanz.

    Bereits 1955, im Alter von erst 29 Jahren zum Kammersänger ernannt, gastierte Theo Adam an allen großen Opernhäusern der Welt sowie bei renommierten Festivals. Seine Verbindung zu den Bayreuther Festspielen, wo er von 1952 bis 1980 regelmäßig sang, ist besonders hervorzuheben. Mit allen namhaften Dirigenten arbeitete er zusammen, ebenso mit den prominentesten Sängerinnen und Sängern der vergangenen Jahrzehnte. In mehr als 100 Opernpartien trat Theo Adam auf. Auch bei Uraufführungen wirkte er mit, etwa bei Paul Dessaus »Einstein«, Friedrich Cerhas »Baal« oder Luciano Berios »Un re ascolta«, wo er jeweils die Titelgestalt verkörperte. Als engagierter Lied- und Oratoriensänger widmete sich Theo Adam der Musik von Bach und Händel ebenso wie Werken der Wiener Klassiker, der Romantik und Moderne. Ab 1972 inszenierte er auch, beginnend mit Mozarts »Die Hochzeit des Figaro« an der Staatsoper Unter den Linden. Darüber hinaus moderierte er ab 1977 eine eigene Fernsehsendung »Theo Adam lädt ein«, in der er klassische Musik auf charmante Weise einem breiteren Publikum nahebrachte. Schließlich trat er auch als Verfasser zweier erzählfreudiger Bücher, die er im Untertitel »Sängerwerkstatt« nannte, hervor.

    Theo Adam, dessen kraftvolle, zugleich sensibel geführte Stimme und eindrucksvolle Bühnenpräsenz eine enorme Wirkungskraft besaßen, hat zahlreiche Tonaufnahmen von bleibendem Wert hinterlassen. Unter Otto Klemperer sang er den Fliegenden Holländer, Hans Sachs unter Herbert von Karajan, Wotan und Wanderer unter Marek Janowski, Sarastro und Don Alfonso unter Otmar Suitner, Pizarro unter Karl Böhm und Georg Solti, Kaspar unter Carlos Kleiber, Elias unter Wolfgang Sawallisch, Bach-Kantaten und -Passionen unter Peter Schreier, mit dem ihn eine enge künstlerische Partnerschaft und persönliche Freundschaft verband, sowie Schuberts »Winterreise« oder Brahms’ »Vier ernste Gesänge«.

    Den Schlusspunkt seiner langen Sängerkarriere setzte Theo Adam im Alter von 80 Jahren mit einem Auftritt als Eremit im »Freischütz« 2006 in Dresden. Über mehrere Jahrzehnte hinweg war die Berliner Staatsoper sein Stammhaus, an dem er in zahllosen Aufführungen sang und große Erfolge feierte. Sein Publikum hat er immer wieder neu mit seinen eindringlichen, klug durchgestalteten Rollenporträts begeistert, zudem auch mit der Sonorität seiner charakteristisch timbrierten Stimme und seinem Verständnis für die Verbindung von Wort, Ton und szenischer Darstellung.

    ... Die Musikwelt verliert mit ihm einen einzigartigen Künstler, der Maßgebliches für die Oper geleistet hat – sein Leben und sein Einsatz für die Kunst werden unvergessen bleiben. Die Staatsoper Unter den Linden, auf deren Bühne er so oft gestanden und deren Saal er mit seinem Gesang und der Kraft seiner Persönlichkeit gefüllt hat, ist Theo Adam zu großem Dank verpflichtet.

    In tiefer Trauer und Anteilnahme
    Die Intendanz der Staatsoper Unter den Linden
    Redaktion, 14.01.2019, 09:02 Uhr

  2. Zum Tod von Theo Adam (Wiener Staatsoper)
    "Theo Adam war zweifelsohne einer der bedeutendsten Interpreten des 20. Jahrhunderts, ein seiner Heimatstadt stets verbundener kosmopolitischer Sängergigant in vielerlei Hinsicht: eine beeindruckende Erscheinung mit einer sehr edlen Stimme, unzählige Auftritte an den wichtigsten Opernbühnen und Konzertpodien der Welt, über hundert verschiedene Partien quer durch die Musikgeschichte, wobei vor allem die großen Wagner- und Straussrollen seine Glanzpartien waren, so auch an der Wiener Staatsoper. Auch für mich persönlich war Theo Adam ein wichtiger Sänger: In der allerersten Opernvorstellung meines Lebens war er der Amfortas an der Pariser Oper, er war mein erster Wotan – mit Christa Ludwig an seiner Seite und unter Georg Solti –, in meiner ersten Vorstellung in Bayreuth war er der Gurnemanz. Theo Adam wird ein Fixstern am Opernhimmel bleiben", so Staatsoperndirektor Dominique Meyer.
    Redaktion, 14.01.2019, 08:58 Uhr

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