> > > Staatsoper Wien: Rechnungshof stellt Kartenvergabe infrage
Donnerstag, 22. Februar 2018

Staatsoper Wien, © Manuela Bachmann

Staatsoper Wien, © Manuela Bachmann

Prüfungsstelle rügt undurchsichtige Vergabe von Eintrittskarten an Kartenbüros und Vereine sowie Korruptionsrisiko

Staatsoper Wien: Rechnungshof stellt Kartenvergabe infrage

Wien, . Der österreichische Rechnungshof hat eine Rohfassung seines Prüfungsberichtes vorgelegt, der die Geschäftsjahre 2011/12 sowie 2014/15 betrifft. Die Prüfungsstelle moniert darin insbesondere die ihrer Auffassung nach undurchsichtige Vergabe von Eintrittskarten an Kartenbüros und Vereine. So würden laut Prüfungsbericht hohe Kontingente schon zu Spielzeitbeginn ausgegeben, die teilweise zu deutlich höheren Preisen weiterverkauft werden. Die Rede ist von rund 45.000 Eintrittskarten. Kritisiert wird zudem, dass es für die Kartenausgabe keine Richtlinien oder Verträge gibt. Im Bericht des Rechnungshofs heißt es, die Kartenvergabe sei "intransparent und grundlegenden Elementen eines internen Kontrollprinzips (...) widersprechend. Außerdem barg diese Vorgangsweise Risiken hinsichtlich Korruption und Nichteinhaltung von Compliance-Regeln." Darüber hinaus sei die tatsächliche Auslastung der Staatsoper unter Herausrechnung der sogenannten Stopf- und Füllkarten von 83 Prozent in der Spielzeit 2014/14 auf 81 Prozent in der Spielzeit 2014/15 gesunken.

Die Kritik des Rechnungshofs gilt darüber hinaus dem Livestreaming-Projekt der Wiener Staatsoper, für das ohne formale Genehmigung durch den Aufsichtsrat rund 1 Million Euro zur Verfügung gestellt wurde. In der ersten Saison, in der das Projekt vollumfänglich anlief, enstanden Kosten in Höhe von 413.000 Euro. Die Erlöse lagen hingegen bei lediglich 81.000 Euro. Weitere Kritik des Rechnungshofs betrifft das Fehlen eines internen Kontrollsystems sowie die fehlende Festlegung von Unternehmensabläufen.

Die Wiener Staatsoper wurde am 25. Mai 1869 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth eröffnet. Unter den ersten Direktoren waren Franz von Dingelstedt, Johann Herbeck, Franz Jauner und Wilhelm Jahn. Einen ersten Höhepunkt erlebte die Wiener Oper unter dem Direktor Gustav Mahler, der das veraltete Aufführungssystem erneuerte, Präzision und Ensemblegeist stärkte und auch bildende Künstler für die neue Bühnenästhetik heranzog. Am 12. März 1945 wurde das Haus am Ring durch Bombentreffer weitgehend zerstört, doch bereits am 1. Mai 1945 wurden die Vorstellungen in der Volksoper und dem Theater an der Wien fortgesetzt. Die Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper fand mit neuem Zuschauerraum und modernisierter Technik am 5. November 1955 statt. Heute gilt die Wiener Staatsoper als eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt. Direktor ist Dominique Meyer; er wird 2020 abgelöst von Bogdan Ročić.

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