> > > Justiz-Posse: Hornist Rudolf Diebetsberger hinter Gittern
Samstag, 21. April 2018

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Rudolf Diebetsberger, © Samsel Fotografie

Rudolf Diebetsberger, © Samsel Fotografie

Beugehaft im Terroristen-Gefängnis Stammheim wegen Straßenmusik an unerlaubter Stelle

Justiz-Posse: Hornist Rudolf Diebetsberger hinter Gittern

Stuttgart, . Der Stuttgarter Hornist Rudolf Diebetsberger hat in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart Stammheim eine Beugehaft von 48 Stunden verbüßt. Grund dafür war Diebetsbergers Weigerung, eine Geldbuße in Höhe von 100 Euro zu zahlen. Das Bußgeld war dem früheren Orchestermusiker, der an öffentlichen Plätzen zugunsten eines sozialen Projekts musiziert, vom Stuttgarter Ordnungsamt auferlegt worden. Den Behörden zufolge hätte er sich Diebetsberger nicht an die für Straßenmusik freigegebenen Orte gehalten. Der Hornist hatte daraufhin gegen das Bußgeld Einspruch eingelegt, wurde aber vom Amtsgericht zur Zahlung der Buße verpflichtet. Die Beugehaft war die Folge der weiterhin ausbleibenden Zahlung durch Diebetsberger. In der breiten Öffentlichkeit wurde die JVA in Stuttgart Stammheim vor allem durch die Inhaftierung führender Mitglieder der Terrororganisation Rote Armee Fraktion in den 1970er Jahren bekannt geworden.

Der pensionierte Hornist tritt seit einiger Zeit in der Stuttgarter Innenstadt mit Frack, Zylinder und weißen Handschuhen als Straßenmusiker auf, um Spenden für ein soziales Projekt in Indien und Bangladesch zu sammeln. Der gesamte Erlös seiner öffentlichen Autritte kommt dem Verein Andheri-Hilfe zugute. Damit werden ärmste Bevölkerungsgruppen in Andheri und Bangladesch unterstützt. Der Verein ist in den Bereichen Sozialarbeit, Bildung und Gesundheitswesen sowie landwirtschaftliche und dörfliche Entwicklung tätig.

Das Hornstudium führte den im Innviertel gebürtigen Musiker ans Salzburger Mozarteum. Er wirkte zunächst bei den Wiener Symphonikern und war mehrere Jahre bei den Stuttgarter Philharmonikern. Für sein soziales Engagement wurde er mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

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Bisherige Kommentare:

  1. Des Straßenmusikanten (zweiter Teil)
    Man liest fast täglich von den Städten,
    dass sie dicke Luft dort hätten,
    vom Feinstaub und Abgas durchdrungen
    legt sie sich dann auf unsere Lungen.
    Doch anderen Grund gibt’s ab und an,
    wenn man hält den Atem an:
    Dann schwellen Töne durch den Äther
    schon früh am Morgen, manchmal später,
    Herr Diebetsberger macht den Schall,
    wunderschön auf jeden Fall.
    Der Ärmsten Leid vor allen Dingen
    will er in Erinnerung bringen,
    dass gespendet wird zuhauf,
    dafür bläst er die Backen auf.

    Leider wird ihm oft verboten,
    zu spielen mancherorts die Noten.
    Ach könnte man das Leid doch lindern,
    würd’ man nicht das Spiel verhindern!

    Ich ruf’ Sie auf, Herr Diebetsberger,
    ignorieren Sie den Ärger,
    spielen Sie mit Lust und List
    da wo es gestattet ist,
    und blasen Sie mit voller Lunge
    den Marsch für Alte wie für Junge.
    Es fördert die Barmherzigkeit,
    ein guter Ton in dieser Zeit.

    (Roland Rothfuß)


    Beckmesser, 19.01.2018, 12:02 Uhr

  2. Der Straßenmusikant
    Ich ging des morgens durch die Stadt
    um was zu besorgen,
    was man halt so nötig hat
    spätestens bis morgen.

    Im Geschäft gleich an der Kasse
    hörte ich ganz ungewohnt
    vor dem Fenster große Klasse
    den Triumphmarsch laut vertont.

    Von Aida, dacht’ ich mir,
    seltsam kam’s mir vor,
    was für ein Konzert ist hier
    vor dem Ladentor?

    Mit Zylinder, schwarzer Jacke,
    saß ein Straßenmusikant
    und blies ein Horn mit voller Backe,
    beugt sich beim Spenden sehr galant.

    Dann spielte er den Abendsegen:
    „Abends wenn ich schlafen geh“,
    da spürte ich’s im Herzen regen
    und zückte schnell mein Portemonnaie.

    Kurz das Playback abgedreht
    erzählt er von der großen Not,
    wie’s um Indiens Kinder steht:
    Viel Arbeit und doch wenig Brot.

    Ich wünsche, dass in allen Städten
    in unserem Land, ob groß ob klein,
    wir solche Musikanten hätten,
    die spielen in die Herzen rein.

    (Roland Rothfuß)


    Beckmesser, 19.01.2018, 11:54 Uhr

  3. Hier funktioniert der deutsche Rechtstaat noch!
    Die traurigen Überbleibsel des von der Politik im Stich gelassenen deutschen Rechtstaates üben Gewalt am falschen Platz: gegen einen pensionierten Musiker, der Spenden einspielt, um Kindern zu helfen. Als hätte der Rechtsstaat keine wichtigeren Probleme zu lösen - wie beschämend.
    Anonymous, 19.01.2018, 07:55 Uhr

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