> > > Dirigent Charles Dutoit mehrfach der sexuellen Belästigung bezichtigt
Freitag, 22. Februar 2019

Mehrere Orchester in den USA ziehen sich von Zusammenarbeit mit dem Schweizer Dirigent zurück

Dirigent Charles Dutoit mehrfach der sexuellen Belästigung bezichtigt

Lausanne, . Der Schweizer Dirigent Charles Dutoit (81) sieht sich mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert. Die Vorwürfe wurden von drei Sängerinnen und einer Orchestermusikerin erhoben. Demnach soll Dutoit abseits der musikalischen Probenarbeit zwischen 1985 und 2010 mehrfach körperlich zudringlich geworden sein. Die Vorfälle in Chicago, Los Angeles, Minneapolis, Philadelphia und Saratoga Springs ereigneten sich bei Autofahrten, im Fahrstuhl, in der Dirigentengarderobe und auf der Hinterbühne eines Opernhauses. Zwei der Frauen äußerten ihre Vorwürfe aus Angst vor ausbleibenden Engagements anonym, zwei gaben ihre Vorwürfe namentlich zu Protokoll. Eigenen Aussagen zufolge äußerten sie sich erst jetzt zu den Vorfällen, nachdem die Öffentlichkeit für derlei Verhalten sensibiliert sei; vorher hätte sich niemand für ihr Anliegen interessiert. Enge Vertraute der Frauen, die Dutoit beschuldigen, gaben an, dass sich die mutmaßlichen Opfer ihnen bereits kurz nach den sexuellen Belästigungen anvertraut hätten.

Aufgrund der Anschuldigungen kündigten drei US-amerikanische Orchester ihre Zusammenarbeit mit Charles Dutoit auf: das Boston Symphony Orchestra, das New York Philharmonic Orchestra, das San Francisco Symphony Orchestra sowie das Cleveland Orchestra. Der Schweizer Dirigent selbst hat sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert.

Charles Dutoit wurde 1936 in Lausanne geboren. Seine musikalische Ausbildung in den Fächern Violine, Viola, Klavier, Schlagzeug, Komposition, Instrumentation, Theorie und Dirigieren erhielt er an den Konservatorien von Lausanne und Genf. Anschließend setzte Dutoit seine Studien im italienischen Siena sowie am Tanglewood Music Center in Massachusetts fort. Später wurde der Dirigent von Herbert von Karjan nach Wien eingeladen, um die Premiere von Manuel de Fallas Ballett "El Sombrero de tres Picos" zu dirigieren. Dies verschaffte Dutoit internationale Bekanntheit. Es folgten unter anderem Positionen beim Berner Symphonieorchester, beim Tonhalle Orchester Zürich, beim Tokyo Symphony Orchestra, das ihn nach seiner Chefdirigententätigkeit zum Music Director Emeritus ernannt hat, beim Nationalorchester von Mexiko, beim Orchestre de Paris sowie beim Montreal Symphony Orchestra. Bei letzterem blieb er bis zum Jahr 2002. Darüber hinaus war er Chefdirigent des Philadelphia Orchestra, wo er heute als Conductor Laureate fungiert. 2009 wurde er Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Royal Philharmonic Orchestra. Dutoit hat über 200 Einspielungen realisiert, von denen mehrere mit Preisen ausgezeichnet wurden, insbesondere auf seinem Spezialgebiet, der französischen Musik sowie der klassischen Moderne, sowie in der Zusammenarbeit mit seiner zeitweiligen Ehefrau Martha Argerich.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Bisherige Kommentare:

  1. Dutoit in London von Dirigieraufgaben entbunden
    Neben mehreren US-amerikanischen Klangkörpern hat nun auch das Royal Philharmonic Orchestra Charles Dutoit vorerst von seinen Dirigieraufgaben entbunden. Dutoit ist Artistic Director und Principal Conductor beim Royal Philharmonic Orchestra. Das Royal Philharmonic Orchestra behält sich vor, die Zusammenarbeit mit Dutoit so lange auszusetzen, bis sich ein klareres Bild der Situation ergibt.
    Redaktion, 22.12.2017, 14:24 Uhr

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Weitere aktuelle Nachrichten:

Erasmuspreis für Komponist John Adams
Auszeichnung ist mit 150.000 Euro dotiert (22.02.2019) Weiter...

Brandenburg: Mehr Subventionen für Theater- und Orchester
Neuer Finanzierungsvertrag gilt ab sofort bis 2022 (22.02.2019) Weiter...

Oper Düsseldorf: Sydney als Vorbild für Neubau?
Architekten legen selbstständig Projektvorschläge vor (21.02.2019) Weiter...

Hamburger Bach-Preis für Komponistin Unsuk Chin
Preis ist mit 10.000 Euro dotiert (21.02.2019) Weiter...

Hindemith-Preis 2019 für Dirigent Olli Mustonen
Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro (21.02.2019) Weiter...

Stadt Chur erhält ein Haus der Chöre
Stadtrat entscheidet über weitere Nutzung des Hauses zum Arcas (20.02.2019) Weiter...

Sterbliche Überreste von Hermann Levi bleiben in Garmisch-Partenkirchen
Grab soll für Besucher öffentlich gemacht werden (19.02.2019) Weiter...

Komponist Otto Strobl gestorben
Österreichischer Musiker stirbt im Alter von 91 Jahren (19.02.2019) Weiter...

Beethoven-Jubiläum: Bund spendiert 6 Millionen Euro
Möglichst viele verschiedene Projekte sollen gefördert werden (19.02.2019) Weiter...

Rheingold-Preis für Bariton Johannes Martin Kränzle
Auszeichnung ist undotiert (18.02.2019) Weiter...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2019) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Giuseppe Sarti: Vado a morire

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich