> > > Wiener Staatsoper: Kein Plagiatsverfahren gegen designierten Direktor
Montag, 25. Juni 2018

Wiener Staatsoper, © Manuela Bachmann

Wiener Staatsoper, © Manuela Bachmann

Erstgutachter mit erheblichen Bedenken

Wiener Staatsoper: Kein Plagiatsverfahren gegen designierten Direktor

Wien, . Die Universität Wien stellt das Plagiatsverfahren gegen den designierten Staatsoperndirektor Bogdan Roscic ein. Bei einer Überprüfung seiner Dissertation konnten keine Anhaltspunkte für eine Täuschungsabsicht festgestellt werden. Darüber hinaus betreffe die Übernahme fremder Inhalte ohne Kennzeichnung als Zitat lediglich Passagen der Einleitung; daher seien laut einer Mitteilung der Wiener Universität Textübernahmen "weder in quantitativer noch in qualitativer Hinsicht für die Arbeit relevant". Bogdan Roscic darf seinen Doktortitel damit behalten.

Hintergrund der Plagiatsuntersuchung durch externe Gutachter waren Vorwürfe, die vor einigen Monaten nach einer Anzeige Bogdan Roscic' bekannt geworden waren (klassik.com berichtete). Dem designierten Staatsoperndirektor wurde vorgeworfen, in seiner Dissertation mit dem Titel "Gesellschaftstheorie als Kritische Theorie des Subjekts. Zur Gesellschaftstheorie Th. W. Adornos" fünf Seiten aus einer anderen Dissertation textgleich übernommen zu haben, ohne dies als Zitat kenntlich zu machen.

Die Universität Wien hat ihrer Entscheidung offensichtlich nicht das Erstgutachten des Oldenburger Adorno-Spezialisten Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm zugrundegelegt, der der Universität in seiner Stellungnahme nach kritischer Durchsicht von Roscic' Arbeit die Aberkennung des Doktortitels nahegelegt hatte: "Sechs Seiten aus der Einleitung sind ein eindeutiges Plagiat. Darin entwickelt der Autor noch dazu eine Hauptthese seiner Arbeit. Bei der Dissertation handelt es sich um keine eigenständig entwickelte Leistung", wird Müller-Doohm in den Salzburger Nachrichten zitiert. Darüber hinaus reihe die Dissertation hauptsächlich Originalzitate Adornos aneinander. Müller-Doom kommt aufgrund der wissenschaftlichen Qualität zu dem Schluss: "Ich hätte so etwas nicht einmal als Magisterarbeit durchgehen lassen."

Bogdan Roscic wurde 1964 in Belgrad geboren und wuchs in Linz auf. Er studierte Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien und schloss sein Studium mit der Promotion ab. Er war zunächst als freier Mitarbeiter für die Wiener Zeitung "Die Presse" im Kulturressort tätig und leitete ab 1991 das Ressort Medien, Medienpolitik und Pop beim österreichischen Kurier. 1993 wurde er Musikchef des Radiosender Ö 3, 1996 wurde er zum Senderchef ernannt. Daraufhin wechselte er ins Klassikgeschäft und wurde Managing Director bei Universal Music. Ab 2003 war er künstlerischer Leiter der Deutschen Grammophon Gesellschaft, 2006 Managing Director bei Decca in London. 2009 wechselte er als President von Sony Classical nach New York.

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