> > > Sensationsfund in Moskau: Unbekanntes Werk von Dmitri Schostakowitsch entdeckt
Samstag, 18. Januar 2020

Zweiseitiges Manuskript eines Bratschenwerks stammt aus dem Jahr 1931

Sensationsfund in Moskau: Unbekanntes Werk von Dmitri Schostakowitsch entdeckt

Moskau, . Im Moskauer Staatsarchiv ist ein bislang unbekanntes Werk von Dmitri Schostakowitsch entdeckt worden. Der Sensationsfund glückte bei der Durchsicht des Nachlasses von Vadim Borisovsky, einem russischen Bratscher. Das gefundene Manuskript von Schostakowitsch ist auf den 2. Mai 1931 datiert. Es trägt eine Widmung an Alexander Ryvkin, den Bratscher des Glasunow-Quartetts und als sowjetischen Volkskünstler ausgezeichneten Musiker. Wie das Manuskript vom Widmungsträger in den Besitz von Borisovsky gelangte, ist bislang unklar.

Das Autograph eines "Impromptu" (Adagio - Allegro) für Viola umfasst zwei getrennte Seiten. Die Echtheit des Manuskripts, das zur Erforschung des Schaffens von Dmitri Schostakowitsch von Bedeutung ist, wurde durch russische Schostakowitsch-Experten bestätigt. Eine Durchsicht des Manuskripts führte russische Forscher zu der Vermutung, es handele sich um eine Gelegenheitskomposition, die Schostakowitsch möglicherweise in direktem Kontakt mit Ryvkin aus dem Stegreif aufgeschrieben hat. Das Werk zeigt darüber hinaus, dass sich Schostakowitsch bereits vor der Komposition seiner Bratschensonate op. 147 mit dem Timbre der Viola als Soloinstrument auseinandergesetzt hat.

Dmitri Schostakowitsch wurde 1906 im damaligen Petrograd (St. Petersburg) geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er zunächst am Klavier und studierte Klavier am Konservatorium St. Petersburg, darüber hinaus auch Komposition. Seine Erste Sinfonie, entstanden als Abschlussarbeit seiner Kompositionsausbildung am Konservatorium, machte Schostakowitsch über Nacht berühmt. Sie wurde nach ihrer Uraufführung 1925 international aufgeführt. Nach avantgardistischen Werken, zum Teil als affirmative Werke zu politischen Zwecken entstanden, führte ihn ein vernichtender Artikel zu seiner Oper "Lady Macbeth von Mzensk" in künstlerische und menschliche Existenznot. Er wurde von der politischen Führung als volksfeindlich eingestuft. In den folgenden Jahren bekam er trotz immensen kulturpolitischen Drucks Gelegenheit, sich als linientreuer Komponist zu beweisen, was Schostakowitsch oberflächlich betrachtet realisierte, im Geflecht seiner Musik jedoch zahlreiche doppelte Böden unterbrachte. Sein kompositorisches Werk ist breit; es umfasst 15 Sinfonien und ebenso viele Streichquartette, daneben Opern, Solokonzerte, Filmmusik, Kammermusik, Chorwerke, Klavierwerke und Lieder. Neben Strawinsky und Prokofjew gilt er als bedeutendster russischer Komponist des 20. Jahrhunderts. Er starb 1975 in Moskau.

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