> > > Negativpreis Musik-Gordi 2017 für Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres
Mittwoch, 18. Oktober 2017

Musik-Gordi, © Deutscher Musikrat

Musik-Gordi, © Deutscher Musikrat

Berliner Bildungspolitikerin löst thüringischen Kulturminister ab

Negativpreis Musik-Gordi 2017 für Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres

Berlin, . In diesem Jahr geht der "Musik-Gordi" an die Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sandra Scheeres (SPD). Mit dem Negativpreis wird auf Scheeres‘ Verantwortung für bestehende Missstände an Berliner Musikschulen sowie das Verschwinden der künstlerischen Schulfächer an den allgemeinbildenden Schulen hingewiesen. Verliehen wird der "Musik-Gordi" seit 2013 vom Deutschen Musikrat und der neuen musikzeitung.

Prof. Christian Höppner, Chefredakteur des vom Deutschen Musikrat herausgegebenen Magazins Musikforum, begründete die Wahl von Sandra Scheeres: "Berliner Kinder und Jugendliche haben bundesweit die schlechtesten Chancen auf kulturelle Teilhabe. Wenn in ihrer wichtigsten Prägephase in der Grundschule allein bis zu 80 Prozent des Musikunterrichtes ausfällt und über 10.000 Kinder und Jugendliche auf den Wartelisten der bezirklichen Musikschulen stehen, ist das für eine Kulturmetropole wie Berlin skandalös. (…) Seit vielen Jahren trägt Berlin im Bereich der Kulturellen Bildung die rote Laterne. Wir fordern Sandra Scheeres daher auf, sich zum Wohle der Kinder und Jugendlichen für eine konzeptbasierte und nachhaltige Bildungspolitik zu engagieren. Sonntagsreden und eine kurzsichtige Projektfixierung werden hierfür allein nicht ausreichen."

Theo Geißler, Herausgeber der neuen musikzeitung: "Bundesweit schüttelt nicht nur die Fachwelt den Kopf über die dilettantische Bildungspolitik von Senatorin Scheeres. Wie kann es angehen, dass sich die Landesregierung der Berliner Kulturmetropole nun schon in der zweiten Regierungsperiode einen derartigen Ausfall für Bildung und Wissenschaft leistet? Minimalistische Verbesserungsversprechen zur Situation der Berliner Musikschulen sind bis jetzt nicht eingelöst und werden im Zweifelsfall im Pingpong-Spiel zwischen Senat und den Bezirken wieder zerrieben. Die Senatorin sollte die Verleihung des Musik-Gordi zum Anlass nehmen, entweder zurückzutreten, oder sich endlich mit einer nachhaltigen Bildungspolitik für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt zu engagieren."

Die Negativauszeichnung wurde von dem Magazin Musikforum gemeinsam mit der neuen musikzeitung ins Leben gerufen. Der "Musik-Gordi" in Form einer verknoteten Blockflöte wurde erstmals 2013 an den Rundfunkratsvorsitzenden des öffentlich-rechtlichen Senders SWR, Harald Augter, im Zuge der Fusion der SWR-Orchester vergeben. Im darauffolgenden Jahr ging der Negativpreis an Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), womit nochmals die Fusion, aber auch die damaligen Kürzungspläne für die Musikhochschulen des Landes kritisiert wurden. Anschließend wurde der Kultusminister Mecklenburg-Vorpommers, Mathias Brodkorb, für Fehlentscheidungen und daraus resultierende Missstände in der Kulturpolitik Mecklenburg-Vorpommerns ausgezeichnet, im letzten Jahr ging der Negativpreis an den thüringischen Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff für seine Abbaupläne in der Orchesterlandschaft Thüringens.

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