> > > Plagiatsverdacht gegen designierten Wiener Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic
Donnerstag, 21. September 2017

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Wiener Staatsoper, © Manuela Bachmann

Wiener Staatsoper, © Manuela Bachmann

Dissertation aus dem Jahr 1988 soll nicht gekennzeichnete fremde Inhalte enthalten

Plagiatsverdacht gegen designierten Wiener Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic

Wien, . Der designierte Direktor der Wiener Staatsoper, Bogdan Roscic, sieht sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Er habe in seiner 1988 eingereichten Dissertation im Fach Philosophie fremde Inhalte übernommen, ohne sie entsprechend als Zitat zu kennzeichnen. Verantwortlich für die Anzeige, die an der Universität Wien eingegeben wurde, zeichnet der Medienwissenschaftler und Plagiatsexperte Stefan Weber. Er bezichtigt Roscic, in seiner Dissertation "Gesellschaftstheorie als kritische Theorie des Subjekts: zur Gesellschaftstheorie Th. W. Adornos" Passagen aus einer 1982 erschienenen Doktorarbeit mit dem Titel "Die Methodologie kritischer Sinnsuche. Systembildende Konzeptionen Adornos im Lichte der philosophischen Tradition" übernommen zu haben. "Es wurden seitenweise Interpretationen von Adorno mitsamt bei Decker in den Fußnoten zitierter Literatur fast 1:1 abgeschrieben. Herr Roscic erdreistete sich auch noch, im Plagiat häufig die Ich-Form von Decker mit abzuschreiben oder selbst zu verwenden. Ich habe selten ein deutlicheres Plagiat gesehen", so der Lehrbeauftragte für Medientheorie und wissenschaftliche Arbeitstechniken, Doz. Dr. Stefan Weber. Die Schrift, aus der Roscic Passagen direkt übernommen haben soll, sei zudem in der Bibliographie nicht aufgeführt.

Roscic stehe, so berichten österreichische Medien, mit der Universität Wien in Kontakt, die seine Doktorarbeit prüfen wird. Nach Untersuchung des Plagiatsvorwurf wird entschieden, ob ein Verfahren eingeleitet wird. Im Rahmen eines eventuellen Verfahrens würde ein externer Prüfer die Vorwürfe untersuchen und dabei auch die Gepflogenheiten wissenschaftlichen Arbeitens in den 1980er Jahren mitbedenken.

Bogdan Roscic wurde 1964 in Belgrad geboren und wuchs in Linz auf. Er studierte Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien und schloss sein Studium mit der Promotion ab. Er war zunächst als freier Mitarbeiter für die Wiener Zeitung "Die Presse" im Kulturressort tätig und leitete ab 1991 das Ressort Medien, Medienpolitik und Pop beim österreichischen Kurier. 1993 wurde er Musikchef des Radiosender Ö 3, 1996 wurde er zum Senderchef ernannt. Daraufhin wechselte er ins Klassikgeschäft und wurde Managing Director bei Universal Music. Ab 2003 war er künstlerischer Leiter der Deutschen Grammophon Gesellschaft, 2006 Managing Director bei Decca in London. 2009 wechselte er als President von Sony Classical nach New York.

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