> > > Endgültiger Freispruch für Pianist Fazil Say
Donnerstag, 29. September 2022

Gericht in Istanbul spricht den Pianisten endgültig vom Vorwurf der Blasphemie freig

Endgültiger Freispruch für Pianist Fazil Say

Istanbul, . Der seit einigen Jahren in der Türkei wegen angeblich spöttischer Äußerungen zum Islam juristisch verfolgte türkische Pianist Fazil Say kann aufatmen. Nach jahrelangem Tauziehen entschied das zuständige Instanbuler Gericht nun abschließend, dass seine bei einem Internet-Kurznachrichtendienst veröffentlichten Meldungen unter die Meinungsfreiheit fallen. Say ist ein bekennender Atheist und Kritiker der islamisch-konservativen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Das Verfahren bezeichnete er als politisch motiviert, Erdogan hatte er vorgeworfen, selbst hinter dem Prozess zu stehen. Zusammen mit der juristischen Verfolgung wurde der Regimekritiker auch gesellschaftlich diskriminiert. So strich beispielsweise das türkische Kulturministerium Werke des auch als Komponist tätigen Regimekritikers aus dem Programm des "Präsidialen Symphonieorchesters" (klassik.com berichtete).

Fazil Say wurde am 14. Januar 1970 in Ankara geboren. Dort studierte er Klavier und Komposition am staatlichen Konservatorium. Im Alter von 17 Jahren erhielt er ein Stipendium an der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf und wechselte 1992 nach Berlin um dort bis 1995 weiterzustudieren. 1994 gewann Say die "Young Concert Artists International Auditions" in New York. Gleichzeitig entwickelte er sein Talent als Komponist. Im Alter von 16 Jahren präsentierte er sein Werk "Black Hymns" während der Berliner 750-Jahr-Feier. Sein Konzert für Klavier, Geige und Orchester kam 1991 mit den Berliner Symphonikern zur Uraufführung. Fünf Jahre später stellte er der Öffentlichkeit sein zweites Klavierkonzert unter dem Titel "Die Seidenstraße" vor. Im Mai 2005 komponierte er seine erste Filmmusik für den Spielfilm "Ultima Thule" des Schweizer Regisseurs Hans-Ulrich Schlumpf, weitere Soundtracks zu türkischen und japanischen Filmen folgten. Fazil Say wurde gemeinsam mit dem Schriftsteller Paulo Coelho von der EU zum Botschafter des interkulturellen Dialogs ernannt.

Weiterführende Informationen:

Portrait Fazil Say

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