> > > Landgericht Berlin: Gemeinfreies Wagner-Gemälde als Fotografie kostenpflichtig
Freitag, 29. Mai 2020

Gericht entscheidet zugunsten des klagenden Museums und seines Museumsfotografen

Landgericht Berlin: Gemeinfreies Wagner-Gemälde als Fotografie kostenpflichtig

Berlin, . Das Landgericht Berlin hat in einem vom Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum angestrengten Prozess um Urheberrechte an der Fotografie eines Wagner-Gemäldes zugunsten der Klägerin entschieden. In der nun vorliegenden Begründung widerspricht das Landgericht Berlin einem Urteil des Amtsgerichtes Nürnberg, das Ende 2015 gefällt wurde (klassik.com berichtete). Das Museum war in der Vergangenheit rechtlich gegen die Verwendung einer Fotografie des Wagner-Porträts von Cäsar Willich vorgegangen, die ein Museumsfotograf angefertigt hatte. Das Urteil des Berliner Landesgerichts bestätigt nun gerichtliche Entscheidungen, die vor dem Nürnberger Urteil in Köln und Berlin getroffen worden waren.

Nach Ansicht der 15. Zivilkammer des Landgerichts Berlin unterliegen  Reproduktionsfotografien von gemeinfreien Gemälden dem Urheberrechtsschutz. Daher dürften sie nicht frei verwendet werden. Das Gericht begründet sein Urteil damit, dass es sich bei den Gemälde-Fotografien um Lichtbilder handele; diese seien urheberrechtsgeschützt. Das Museum hatte die Reproduktionen selbst als sogenannte Lichtbildwerke verstanden und einen schöpferische Gestaltungsakt sowie einen Herstellungsaufwand zugrunde gelegt. Dieser Ansicht folgte das Gericht jedoch nicht; es betonte, die Reproduktion zeichne sich nicht durch schöpferische Höhe aus, sondern sei als Lichtbild lediglich durch eine technische Leistung charakterisiert. Die für eine Museumspublikation vorgesehene Fotografie des Wagner-Gemäldes von Carl Willich zeichne sich durch eine möglichst detailgetreue Abbildung des Originals aus; daher sei eine solche durch hohe handwerklich-technische Leistung geprägte Reproduktion von einem laienhaften Foto zu unterscheiden und unterliege somit dem Urheberschutzrecht. Der Verein Wikimedia, der hinter der Internet-Enzyklopädie steht, kündigte Medienberichten zufolge bereits an, die nächste Instanz anzurufen.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

Portrait Richard Wagner

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