> > > Ode an die Traurigkeit: Niedergeschlagenheit als Kreativitäts-Katalysator bei Mozart und Beethoven?
Dienstag, 14. Juli 2020

Wolfgang Amadeus Mozart, © Barbara Krafft

Wolfgang Amadeus Mozart, © Barbara Krafft

Polnischer Wirtschaftswissenschaftler behauptet gesteigerte Kreativität nach Phasen der Traurigkeit

Ode an die Traurigkeit: Niedergeschlagenheit als Kreativitäts-Katalysator bei Mozart und Beethoven?

Odense, . Der polnische Wirtschaftswissenschaftler Karol Jan Borowiecki unterstreicht mit Ergebnissen einer statistischen Analyse eine seit langem gehegte Vermutung, dass Melancholie und Traurigkeit zu höherer Kreativität führen. Er belegt dies anhand einer Untersuchung, die biographische Rahmenbedingungen von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Franz Liszt mit deren Schaffen in Beziehung setzt. Die Studie mit dem Titel "How are you, my dearest Mozart? Well-being and Creativity of Three Famour Compossers Based on their Letters" wurde von der Zeitschrift "The Review of Economics and Statistics" zur Veröffentlichung angenommen.

Um den Gemütszustand der betreffenden Komponisten in bestimmten Phasen ihres Lebens festzustellen, wertete der Statistiker mittels Software sämtliche 1.400 Briefe von Mozart, Beethoven und Liszt nach vorher festgelegten Codewörtern aus. Es wurden über 400 Wörter im Bereich positiv konnotierter Emotionen und rund 500 Wörter im Bereich negativer Gemütszustände definiert. Darüber hinaus wurden Änderungen der persönlichen Umstände durch Wechsel der Anstellung, Krankheit, Heirat oder Tod eines Angehörigen erfasst. In einem zweiten Schritt überprüfte er, wie hoch die Produktionsrate bedeutender Werke bei verschiedenen Komponisten in der Folgezeit der Traurigkeitsphase war; als bedeutende Werke wertet Borowiecki solche, die eine Aufführungstradition bis in die Gegenwart haben, also zum Kanon des Konzert- und Opernrepertoires gehören. Der an der Universität Odense lehrende Wissenschaftler kommt letztlich für sich zu dem Schluss, dass Phasen der Niedergeschlagenheit in der Vergangenheit Komponisten zu höherer Kreavität angelegt hätten.

Mit dieser These fügt Karol Jan Borowiecki dem bis in die Antike zurückgehenden und dann vor allem in der Romantik grell ausgemalten Bild von der Schaffenskraft des leidenden Künstlers weitere Pinselstriche hinzu. Mittlerweile wird in der Wissenschaft die Gegenposition allerdings ebenso stark vertreten; demnach führten vor allem positive emotionale Zustände zu einer Steigerung der Kreativität.

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Weitere aktuelle Nachrichten:

Stuttgarter Staatstheater ab sofort in Kurzarbeit
Alle Sparten betroffen (13.07.2020) Weiter...

Dirigent James Levine vor Rückkehr auf die Bühne
Alexander Pereira lässt Levine trotz Vorwürfen in Florenz auftreten (13.07.2020) Weiter...

Geothermiebohrungen für Konzerthaus Nürnberg
Neue Halle soll 2023 fertig gestellt werden (13.07.2020) Weiter...

Franz Liszt Klavier-Wettbewerb verschoben
Durchführung im März 2021 geplant (10.07.2020) Weiter...

Hans Gal Preis für das Esmé Quartett
Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert (10.07.2020) Weiter...

Wiener Konzerthaus schlägt Alarm
Finanzielles Loch durch Corona-Pandemie (10.07.2020) Weiter...

Debut-Gesangswettbewerb findet statt
Neue Regelungen zum Schutz vor dem Coronavirus (09.07.2020) Weiter...

Nationaltheater Mannheim: Sanierung wird teurer
47 Millionen Euro mehr für Bauarbeiten am Theaterhaus (09.07.2020) Weiter...

Staatstheater Karlsruhe: Intendant auf dem Weg der Besserung?
Peter Spuhler verspricht mehr Transparenz (09.07.2020) Weiter...

Salzburger Festspiele: Erste Covid-19 Infektion
Mitarbeiterin mit positivem Corona-Test (09.07.2020) Weiter...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leopold I.: Il Sagrifizio d'Adbramo - Si asi piangete

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich