> > > Stimmensätze zu Bruckners 6. Sinfonie wiederentdeckt
Montag, 20. August 2018

Benjamin Gunnar Cohrs, © Gert van Gelder

Benjamin Gunnar Cohrs, © Gert van Gelder

Benjamin-Gunnar Cohrs wird im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde fündig

Stimmensätze zu Bruckners 6. Sinfonie wiederentdeckt

Wien, . Der Dirigent und Musikwissenschaftler Benjamin-Gunnar Cohrs hat einen handschriftlichen Stimmensatz der 6. Sinfonie von Anton Bruckner wiederentdeckt. Der Satz war für eine Probe der Wiener Philharmoniker im Oktober 1882 und die Erstaufführung von Adagio und Scherzo unter Wilhelm Jahn am 11. Februar 1883 verwendet worden. Noch Leopold Nowak beschrieb ihn in seinem kritischen Bericht von 1986 als verschollen. Cohrs entdeckte jedoch eine Stimme daraus für Fagott I mit dem Vermerk "Gesellschaft der Musikfreunde Wien" im Archiv des Stifts St. Florian. Seine weiteren Nachforschungen im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde förderten den kompletten Stimmensatz zutage, in dem lediglich die Fagottstimme fehlte. Alle anderen Stimmen sind in einzelner Kopie, die Bratschenstimme sogar in sechsfacher Ausfertigung vorhanden.

Cohrs vermutet, dass frühere Forscher den Satz übersehen hatten, weil er unter der gleichen Signatur wie eine Widmungskopie der Partitur indiziert worden war, aber an einem anderen Standort aufbewahrt wurde. Die meisten Stimmen enthalten autographe Korrekturen sowie Bleistift-Eintragungen von Spielern mit Angaben zu Dynamik und Ausdruck. Der Kopist muss laut Cohrs noch identifiziert werden. Die Entdeckung erfolgte im Rahmen der Quellenforschungen für eine neue Urtext-Ausgabe der Sechsten, die in der "Anton Bruckner Urtext Gesamtausgabe" erscheinen wird. Der erste Band, die siebente Sinfonie, wurde Anfang Mai durch die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle in Mailand zur Expo-Eröffnung sowie im Wiener Musikverein erstaufgeführt.

Benjamin-Gunnar Cohrs wurde am 21. September 1965 in Hameln geboren. Er studierte von 1986 bis 1989 bei Nicola Samale in Rom und anschließend Konzertdirgieren bei Hans Joachim Kaufmann, Querflöte bei Susanne Meier und Gesang bei Hidenori Komatsu an der Hochschule der Künste Bremen. Ab 1994 absolvierte er einen Diplomstudiengang der Musikwissenschaft bei Andrew McCredie an der University of Adelaide. In diesem Fach promovierte er schließlich 2009 an der Universität Hamburg. Als Dirigent leitete er bisher vor allem Erst- und Wiederaufführungen der Werke Bruckners, Schuberts und Mozarts. Zudem war er als Kulturjournalist und Mitarbeiter der Bruckner-Gesamtausgabe des Musikwissenschaftlichen Verlags Wien tätig. Zu seinen Auszeichnungen zählt die Kilenyi-Medaille der Bruckner Society of America 2010.

Weiterführende Informationen bei klassik.com:

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