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Dienstag, 26. Mai 2020

Johann Sebastian Bach

Matthäus-Passion


Bei aller musikalischen Bedeutung des Werkes ist die Textvorlage der Arien nur eine bescheidene künstlerische Leistung, dabei ist sie für die Gestalt des Werkes von entscheidendem Einfluß. Die Texte, in denen die Handlung reflektiert wird, wurden von Christian Friedrich Henrici geschaffen. Er führte als Poet das Pseudonym Picander. Bach arbeitete häufiger mir ihm zusammen, obwohl der Ruf des Autors verschiedener Lustspiele recht zweifelhaft war. In der Allgemeinen Deutschen Biografie von 1880 heißt es zu Picander: "Er suchte durch geschmacklosen Witz und grobe, höchst unsittliche Scherze ... rohere Seelen zu vergnügen und dieß ist ihm denn auch vortrefflich gelungen. Dafür ward ihm die Verachtung des feineren Theils seiner Zeitgenossen sowohl als der Nachwelt zum verdientesten Lohn." Wie konnte solch ein Dichter nun Texte für das "größte Kunstwerk der Deutschen" (Schering) liefern? War vielleicht eine freundschaftliche Beziehung der beiden Künstler ausschlaggebend? Albert Schweitzer vermutet in seiner Bach-Biografie, daß Henrici unter Aufsicht Bachs gearbeitet hat und der Komponist die Einzelheiten schon bis ins Detail festgelegt hatte. Außerdem hat man nachgewiesen, daß der Dichter einige theologische Schriften aus Bachs Buchbestand genutzt und viele Metaphern übernommen hat. Zu Picanders Dichtungen kommen aber noch zwei andere Ebenen des Textes: Die Handlung wird natürlich durch den Bibeltext bestimmt, den Bach in der damals wie heute üblichen Lutherübersetzung verwendet hat. In Rezitativen wird die Geschichte vorgetragen, wobei die Jesusworte von einem Baßsänger übernommen und stets von den Streichern begleitet werden. Die andere Ebene sind die Kirchenlieder, wobei die Dichtungen von Paul Gerhardt den größten Beitrag bilden. In der Matthäus-Passion gibt es 16 Liedstrophen, zwölf stammen aus dem 17. Jahrhundert, neun davon sind Schöpfungen Gerhardts, die vier übrigen stammen noch aus der Reformationszeit. Heute ist es üblich, daß das Publikum dem Werk still zuhört, aber damals wurden die Choräle von der Gemeinde mitgesungen, die somit in die Handlung integriert wurde.

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