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Freitag, 14. Dezember 2018

Heinrich Schütz

Weihnachtshistorie

Heinrich Schütz gilt als der bedeutendste deutsche Komponist vor Johann Sebastian Bach und ist ebenso wie der spätere Leipziger Thomaskantor ein herausragender Vertreter der protestantischen Kirchenmusik. Die Weihnachtshistorie steht kompositorisch auf der Höhe ihrer Zeit und zeigt Schütz als Meister des Kontrapunktes, der monodischen Rezitation und der musikalischen Textausdeutung. Sein von der Musik Italiens beeinflußter Stil machte ihn zum ersten deutschen Komponisten von europäischer Geltung.


Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Norditalien das Zentrum der europäischen Musik und der hier entstandene monodische Stil wurde von allen großen Komponisten des Barock übernommen und weiterentwickelt. Heinrich Schütz, der seine musikalische Grundausbildung als Hofkapellknabe in Kassel erhalten hatte, ging 1609 nach Venedig und studierte dort bis 1612 Orgel und Komposition bei Giovanni Gabrieli. Da Venedig das Zentrum des italienischen Notendrucks war, hatte Schütz außerdem die Möglichkeit, die Musik vieler anderer Meister kennenzulernen. Bereits nach zwei Jahren intensiven Studiums wurde sein Opus 1, fünfstimmige Madrigale in italienischer Sprache, in Venedig als "Gesellenstück" gedruckt. Die Begegnung mit der venezianischen Mehrchörigkeit war für Schütz von besonderer Bedeutung: Da die Markuskirche zwei sich gegenüberliegende Emporen hatte, stand auf jeder Empore ein Chor, wobei die beiden Chöre zunächst abwechselnd und nur an den Kadenzen zusammen sangen. Aus dieser Praxis entstand der konzertierende Stil, den Schütz in Venedig studierte und der sein ganzes Lebenswerk beeinflußt hat. Der Schlußsatz der Weihnachtshistorie, der immerhin 52 Jahre nach den Studienjahren des Komponisten entstand, zeigt diesen konzertierenden Stil, wobei sich, statt zwei Chöre, ein Chor mit einem Orchester abwechselt (Klangbeispiel 4: Beschluss).

Schütz und seine Hofkapelle in der Dresdner Schloßkirche
Schütz und seine Hofkapelle in der Dresdner Schloßkirche

Im Jahre 1617 tritt Schütz seine Lebensstellung als Hofkapellmeister in Dresden an und schafft durch die Verbindung der modernen italienischen Musik mit den sächsischen Möglichkeiten und Ansprüchen eine eigene Tonsprache, die ihn zum bedeutendsten deutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts macht. Hier entstehen 1619 seine Psalmen Davids op.2 und 1623 die Auferstehungshistorie op.3, die besonders wegen ihrer bildhaften Tonsprache an die Textausdeutung der Italiener erinnert. 1628 reist Schütz zum zweiten Mal nach Venedig und lernt weitere Ausdrucksformen des Sologesangs kennen. Er interessierte sich vor allem für die Musik Monteverdis, der seit 1613 Domkapellmeister an der Markuskirche war. Eine Begegnung zwischen den beiden Komponisten ist zwar nicht überliefert, aber dennoch sehr wahrscheinlich. Das von Monteverdi kunstvoll entwickelte Rezitativ wird von Schütz als der Redende Stil in Deutschland gelehrt. In dem Stück Eile, mich, Gott, zu erretten, dem ersten der Kleinen geistlichen Konzerte (1. Teil, 1636), stellt Schütz ein Modell dieses Stils vor. Das mit "In Stylo Oratorio" überschriebene Stück ist das einzige im Werk des Komponisten, das ausschließlich vom redenden Stil beherrscht wird. In anderen Werken - so auch in der Weihnachtshistorie - findet sich dieser Stil nur abschnittsweise.

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