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Samstag, 20. Juli 2019

Heinrich Schütz

Weihnachtshistorie


Der Kern der Weihnachtshistorie ist die biblische Geschichte von der Geburt Jesu wie sie im Matthäus-Evangelium zu lesen ist und die Schütz durch die drei Weisen aus dem Morgenland, den Kindermord des Herodes, der Flucht aus Ägypten und der Rückkehr nach Nazareth erweitert. Ein Tenor, der Evangelist, trägt diese Geschichte als Rezitativ vor, wobei die Erzählung an acht Stellen unterbrochen und durch Einschübe, hier Intermedien genannt, verdeutlicht wird. Im Intermedium 1 mit dem Untertitel "Der Engel zu den Hirten auf dem Felde" wird die wörtliche Rede des Evangelientextes von einem Sopran übernommen und die Handlung somit wesentlich anschaulicher. Gerade weil die Weihnachtsgeschichte zuvor stets in einem immer gleichen Lektionston gesungen wurde, muß diese neue Anlage eine große Wirkung auf die Hörer ausgeübt haben. Schütz spricht im Vorwort des Erstdrucks von "zehn Concerten" und meint damit die acht Intermedien und die Introduktion sowie den Schlußsatz. Die Weihnachtshistorie ist in ihrer formalen Anlage symmetrisch aufgebaut: Das ganze Werk wird von den Chorsätzen Introduktion und Beschluß eingerahmt. Im Zentrum der acht Intermedien stehen die irdischen Personen mit den Hirten, den Weisen, den Schriftgelehrten und König Herodes. Die verbleibenden vier Intermedien entfallen auf die Engel, wobei zwei Intermedien vor und zwei nach den vier zentralen Sätzen erklingen und diese somit noch einmal einrahmen.

Titelseite des 1664 erschienenen Erstdrucks
Titelseite des 1664 erschienenen Erstdrucks

Das Notenmaterial des 1664 erschienenen Erstdrucks enthält nur die Tenorpartie, eine Orgel- und eine Baßstimme. Die Noten für die konzertanten Sätze konnten - wie in den beiden untersten Zeilen der Titelseite zu lesen ist - in Dresden und Leipzig angefragt werden. Es machte damals wenig Sinn, die Stimmen für alle Instrumente drucken zu lassen, weil die meisten Hof- und Kirchenmusiker an anderen Orten mit deutlich weniger Musikern arbeiten mußten als Schütz in Dresden zur Verfügung hatte. Um die handelnden Personen musikalisch charakterisieren zu können, verwendet Schütz ein für die damalige Zeit umfangreiches Instrumentarium: Zu den Engeln und den drei heiligen Königen instrumentiert er zwei Violen, zu den Hirten zwei Blockflöten und ein Fagott (Klangbeispiel 2: Die Hirten), zu den Hohenpriestern zwei Posaunen und zu König Herodes zwei Trompeten (Klangbeispiel 3: Herodes). In allen Sätzen dienen Baßinstrumente und die Orgel als harmonisches Fundament. Diese Art der Charakterisierung erinnert an die italienische Oper und daß Schütz den ausdrucksstarken Theaterstil in der Kirchenmusik verwendete, hat ihm einige Kritik eingebracht. Schütz ist zwar vor allem als Komponist geistlicher Werke in die Geschichte eingegangen, doch schrieb er auch weltliche Musik - schließlich war er in Dresden als Hofkapellmeister und nicht nur als Kirchenmusiker angestellt. So komponierte Schütz zur Hochzeit von Sophie Eleonore, der Tochter des sächsischen Kurfürsten, mit Georg II. von Hessen-Darmstadt im Jahre 1627 mit "Dafne" die erste deutsche Oper, von der sich aber nur das Libretto erhalten hat. Da viele neue Entwicklungen in der Musik des frühen 17. Jahrhunderts mit der aufkommenden Oper zusammenhängen, ist es sehr wahrscheinlich, daß sich Schütz bereits auf seiner ersten Italienreise intensiv mit der Oper beschäftigt hat. Im Laufe seines Lebens komponierte er immer wieder Opern sowie Schauspiel- und Ballettmusiken. Daß sich seine Kirchenmusik bis in unsere Tage erhalten hat, mag daran liegen, daß sie wesentlich mehr gepflegt wurde als die meist für besondere höfische Anlässe geschaffenen weltlichen Werke.

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