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Donnerstag, 21. November 2019

Franz Liszt

Les Préludes


Wie Liszt nun seine außermusikalischen Inhalte in Musik umsetzte, ist nicht genau aufzuzeigen und wird bei diesem Grad der subjektiven Umformung auch größtenteils sein Geheimnis bleiben. Auffallend ist, dass Liszt des Öfteren auf ältere Werke zurückgriff und im Falle der Préludes sogar einen anderen Zusammenhang herstellte. Ursprünglich war das Stück nämlich als Einleitung zu dem Chorwerk Les quatre éléments (1848) geschrieben, also von einem Text des französischen Dichters Joseph Autran (1813-1877) angeregt worden. Dieses Werk für Männerchor und Klavier taucht zwar in Werkverzeichnissen auf, wurde aber nie verlegt oder in seiner Gesamtheit aufgeführt. Erst in unseren Tagen gibt es Versuche, das Opus zu beleben, wobei beim Publikum gerne mit der Verwandtschaft zu Les Préludes geworben wird. Die bekannten Melodien der Symphonischen Dichtung ziehen sich durch das Chorwerk und sorgen bei der Zuhörerschaft für ein wiederholtes Aufhorchen. Liszt hatte diese Musik also nach Autrans ausdrucksschweren Gedicht geschrieben, das mit Formulierungen wie ?Akkorde über euren Köpfen? oder ?erhabenen, feierlichen Gesang? eine Vertonung geradezu herausforderte. Während nun der Komponist die vier Chorsätze zu den Elementen ?Erde?, ?Wind?, ?Flut? und ?Gestirne? liegen ließ, griff er die Einleitung wenige Jahre später auf und gestaltete sie mit den inzwischen gesammelten Erfahrungen in der Instrumentation zu einer Symphonischen Dichtung d?après Lamartine. Wieso änderte Liszt hier den literarischen Bezug? Andere Symphonische Dichtungen existierten ebenfalls in einer Urform und wurden später überarbeitet, der außermusikalische Bezug allerdings blieb unverändert. Ähnlich der schon erwähnten Tasso-Ouvertüre entstanden auch Orpheus und Hamlet zunächst als Vorspiele zu Bühnenwerken und ein Parallelbeispiel zu den Préludes ist der Prometheus, der in seiner ersten Fassung ebenfalls ein Chorwerk einleitete, nämlich die Chöre aus Herders Entfesseltem Prometheus. Warum nannte Liszt die Préludes also nicht ?Les Quatre Elements?? Eine Erklärung könnte Autrans zweifelhafter Ruf sein. Marie d?Agoult, die Liszt ja häufig in Sachen Literatur unterstützt hat, soll die Worte Lamartines ins Spiel gebracht haben. Zwar lebten d?Agoult und Liszt zurzeit der Entstehung des Werkes nicht mehr miteinander, standen aber noch bis 1866 in Kontakt. Liszt nahm die Anregung d?Agoults vielleicht auch deshalb auf, weil seine ihm so wichtigen Symphonischen Dichtungen stets nach großen Vorlagen verlangten, nach Goethe, Schiller, Shakespeare, Herder oder Hugo ? Autran paßte nicht in diese Reihe; Lamartine dagegen wurde von Liszt für einen der großen Dichter seiner Zeit gehalten. Auch wenn aufgrund der Entstehungsgeschichte des Werkes der Bezug zu Autran eindeutig festzustellen ist, hat Liszt zu Lebzeiten immer wieder versichert, Les Préludes sei von Lamartines Worten inspiriert worden.

?Alphonse

Alphonse Marie Prat de Lamartine

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