> > > La Traviata (1853)
Samstag, 25. Mai 2019

Giuseppe Verdi

La Traviata (1853)


Kamelie

Schon 1848 hatte Verdi den gerade erst erschienenen Roman "Die Kameliendame" (La dame aux camélias) von Alexandre Dumas (Sohn) gelesen und war begeistert. Der überwältigende Erfolg des Romans - Dumas war nie wieder so erfolgreich - motivierte den Dichter, den Stoff für die Bühne zu bearbeiten und auch die vier Jahre später vollendete Schauspielfassung war überaus gefragt. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine käufliche Dame aus der "Halbwelt" - Dumas prägte den Begriff demimonde in seinem folgenden Roman. Diese Dame - bei Dumas heißt sie Marguerite Gautier, bei Verdi Violetta Valéry - hat ihr reales Vorbild in Alphonsine Plessis, die unter ihrem Pseudonym Marie Duplessis eine berühmte Pariser Kurtisane war. Auf dem Montmartre-Friedhof lassen sich auf ihrem verwitterten Grabstein noch heute die Eckdaten ihres kurzen Lebens ablesen: geboren am 15. Januar 1824, gestorben am 3. Februar 1847. Das Mädchen aus armen Verhältnissen war vom Lande in die Metropole des 19. Jahrhunderts gekommen und besaß nichts als ihre ungewöhnliche Schönheit. Die Pariser Oberschicht, jene sich mit Festivitäten die Zeit vertreibende Halbwelt, interessierte sich schnell für das Mädchen und ermöglichte ihr den "Aufstieg" zur populärsten Dame der Stadt. Da sich Madame Duplessis nie ohne Kamelien sehen ließ, nannte man sie auch die "Kameliendame". Ihr früher Tod setzte der Karriere ein Ende, bevor es die ersten Alterserscheinungen tun konnten. Unter den vielen reichen Männern, die sich mit Madame Duplessis eine Zeitlang geschmückt hatten, war niemand, der das Mädchen hätte unsterblich machen können. Es war vielmehr die Liebe, zu der die Kurtisane plötzlich fähig war, die Liebe zu einem mittellosen Schriftsteller namens Alexandre Dumas. Man beachte, dass der Dichter seiner Romanfigur den Namen Armand Duval gab, dass also die Initialen einen Verdacht nahelegen, den Dumas später bestätigt hat. Nur wenige Monate verband die jungen Menschen ihre Zuneigung. Dann zerbrach die Beziehung an der mangelnden Bereitschaft Alphonsines, ihr Luxusleben aufzugeben. Auch den Mahnungen Dumas', sich mehr Ruhe zu gönnen, schenkte sie wenig Gehör und überlies sich ihrem schlechten Lebenswandel und der immer stärker zugreifenden Schwindsucht. So wurde der Verlust einer großen Liebe für den jungen Dichter einerseits zu einer schmerzhaften Erfahrung, anderseits aber auch zu einer besonderen Inspiration, der wir schließlich Roman und Theaterstück, letztendlich auch die Oper La Traviata verdanken.

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