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Montag, 19. August 2019

Franz Liszt

H-Moll-Sonate (1853)


Der junge Liszt
Der junge Liszt
     Liszts Stärke und der Grund, warum aus dem Tastenlöwen überhaupt eine Größe der Musikgeschichte werden konnte, war sein ernsthaftes Interesse an der Musik; zwar spielte Liszt auch für Geld und Ruhm, lebte aber nicht dafür. Seine Ziele waren höher und er war bereit, hart dafür zu arbeiten. Nach Carl Czerny hatte Liszt nie wieder einen Klavierlehrer gehabt und ging den Hauptteil seines Weges mit großer Disziplin allein. Seine Klaviertechnik war wirklich seine eigene, er hatte sie nach seinen Vorstellungen, Bedürfnissen und Möglichkeiten entwickelt. Von großem
Einfluß auf diesem Weg war die Begegnung mit Niccolò Paganini, der im März 1831 erstmals in Paris spielte. Liszt war begeistert - sicher von der Gesamterscheinung des Geigers, die dem romantischen Ideal des Künstlers sehr nahe kam. Rein musikalisch gab es bei Paganini wenig zu lernen, es war eher die Virtuosität (und wie Paganini sie präsentierte), die Liszt ansprach. Diese erste Begegnung mit Paganini gab dem Zwanzigjährigen einen wesentlichen Impuls, weiter an seiner Technik zu arbeiten. Aufschlußreich sind die verschiedenen Fassungen der Lisztschen Etüden: die erste Fassung war 1827 fertig (12 Etüden) und zeigt eine deutliche Nähe zum klassischen Klavierstil. Unter dem Eindruck Paganinis überarbeitete Liszt diese Etüden zu den Grandes Etudes (1838), die schließlich 1851 in den Etudes d'exécution transcendante ihre endgültige Fassung fanden. Liszt war also nach Jahrzehnten der Arbeit und kurz vor der Komposition der H-Moll-Sonate mit der Entwicklung seiner Klaviertechnik zu einem Abschluß gekommen. Diese Entwicklung läßt sich in groben Zügen wie folgt nachzeichnen: Zu Beginn stand das Reproduzieren der klassischen Grundlagen, die der junge Liszt nach nur 22 Monaten beherrschte. Bei Czerny vertiefte und verfeinerte Liszt sein Können und dürfte auch musikalisch, z. B. in Fragen der Interpretation, einiges gelernt haben. Nun stand Liszt auf der Höhe seiner Zeit, verfügte über eine Spieltechnik, die ihm ein solides, in jeder Hinsicht fehlerfreies Klavierspiel ermöglichte. Auf diesen Grundlagen aufbauend interessierte sich Liszt über viele Jahre für die Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten am Klavier. Sein Streben nach verschiedensten Klangeffekten erforderte ein Höchstmaß an Virtuosität und führte zu bis dahin ungekannter Klaviermusik, die mal orchestrale Wirkungen erzielt (z. B. in den Opern-Phantasien), mal das Instrument singen läßt (Liedtranskriptionen) - dabei oft auch mit atemberaubend virtuoser Begleitung (Erlkönig) -, die immer aber auch absolute Klaviermusik ist. Der Bogen dieser Entwicklung erreicht seinen Zenit in einer Virtuosität, die ans Machbare grenzt, findet seinen Abschluß aber in einem introvertierten, jede Virtuosität negierenden Spätwerk (Nuages gris, Unstern, La lugubre gondola). Die musikalische Welt des Pianisten Liszt ist von einer extremen Vielfältigkeit und spiegelt sich in ihrer Synthese von Virtuosität und Musikalität am deutlichsten in Liszts Klavierhauptwerk, der H-Moll-Sonate.

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