> > > H-Moll-Sonate (1853)
Sonntag, 24. März 2019

Franz Liszt

H-Moll-Sonate (1853)


Der Komponist stand zunächst völlig hinter dem Pianisten zurück, wurde aber ebenfalls gefördert. Als Lehrer fand man in Antonio Salieri eine namhafte Persönlichkeit, allerdings auch den Vertreter einer anderen Epoche. Salieri war damals 72 Jahre alt und unterrichtete den Zehnjährigen, der einmal ein progressiver Romantiker, das Zentrum der Neudeutschen Schule werden sollte. Der künstlerische Einfluß war gering, es ging hier eher um die Vermittlung musiktheoretischer Grundlagen. In die kurze Unterrichtszeit bei Salieri fällt die erste Veröffentlichung des Komponisten Liszt, die in einem bekannten Zusammenhang steht: Antonio Diabelli, Komponist und Verleger, wandte sich zu Beginn der 1820er Jahre an die "vorzüglichsten Tonsetzer und Virtuosen Wiens und der K. K. Österreichischen Staaten". Sein Anliegen war die Veröffentlichung eines im doppelten Sinne großen Variationswerkes über einen eigenen Walzer, zu dem jeder bekannte Meister eine Variation schreiben sollte. Das Projekt ging in die Musikgeschichte ein, weil Beethoven so viel zu Diabellis Stückchen eingefallen war, dass die "Diabelli-Variationen" op. 120 mit 33 Veränderungen sein größtes Variationswerk wurden. Die anderen angefragten Komponisten hielten sich an die Vorgabe und lieferten je eine Variation, so dass Diabelli sein Werk schließlich wie geplant vorlegen konnte. Die 24. Variation ist von Liszt und der junge Musiker dürfte es als Auszeichnung empfunden haben, in dieser repräsentativen Auswahl neben Meistern wie Schubert, Hummel, Czerny oder Kalkbrenner zu stehen. Nicht nur aufgrund solcher Ermutigungen wird Vater Liszt über eine bessere Kompositionsausbildung nachgedacht haben. Das Klavierspiel des Jungen ging (nach damaligem Verständnis) seiner Vollendung entgegen und so entstand Raum für neu gesteckte Ziele. Adam Liszt dachte an die Musikhochschule im Zentrum der zivilisierten Welt: an das Pariser Conservatoire und seinen Direktor Luigi Cherubini. Der italienische Komponist war damals eine Autorität ersten Ranges (auch Mendelssohns Vater ließ sich ja von ihm das Talent seines Sohnes bestätigen) und ein gesuchter Lehrer. Als Adam und Franz Liszt 1823 den ehrwürdigen Cherubini trafen, hatte der Ruf des Wunderkindes den Direktor bereits erreicht - zu Liszts Nachteil, denn Cherubini hatte eine Abneigung gegen Ausnahmetalente und lehnte den Jungen als Studenten ab. Das Pariser Conservatoire stünde nur Franzosen offen, sagte der Italiener. Die Enttäuschung war groß, aber die Familie blieb in Paris, man arrangierte sich mit der neuen Situation und lies den Jungen von den Komponisten Ferdinando Paër und ab 1826 von Anton Reicha privat unterrichten. Franz Liszt stand von nun an unter dem Einfluß der französischen Kultur, die ihn sowohl in seiner Persönlichkeitsentwicklung als auch in seiner Musik stark beeinflussen sollte.

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