> > > L'Orfeo
Montag, 15. Oktober 2018

Claudio Monteverdi

L'Orfeo


Der damals bekannte Musiker Giovanni Maria Artusi, Autor eines mehrfach aufgelegten Kontrapunktlehrbuchs, kritisierte 1603 Monteverdis neuen Stil, den er als unvollkommen bezeichnete. Die Musik spreche stets das Gefühl und den Verstand des Menschen an, heißt es. Da aber Monteverdis moderne Kompositionen nach der traditionellen Lehre auffällige Satzfehler aufwiesen, könne der Verstand nicht darüber hinweg sehen. Artusi befürchtete bei dieser Mißachtung der alten und erprobten Regeln, wie sie der im 16. Jahrhundert führende Theoretiker Gioseffo Zarlino gelehrt hatte, das Ende der guten Musik. Im Vorwort zum Fünften Madrigalbuch (1605) wehrte sich der Komponist gegen die Vorwürfe:

"Gelehrte Leser, wundert Euch nicht, daß ich diese Madrigale zum Druck gebe, ohne vorher auf die Einwände zu antworten, die Artusi gegen einige winzige Passagen machte, denn im Dienste des Herzogs von Mantua bin ich nicht Herr über meine Zeit, wie ich sie bisweilen bräuchte. Nichtsdestoweniger habe ich diese Antwort geschrieben, um klarzustellen, daß ich meine Sachen nicht aufs Geratewohl mache, und sobald ich diese Antwort überarbeitet habe, wird sie mit dem Titel "Seconda Pratica overo Perfettione della moderna musica" im Druck erscheinen, über den sich womöglich einige wundern werden, wenn sie glauben, daß es keine andere Kompositionsweise gibt als die von Zarlino gelehrte. Aber sie sollen versichert sein, daß es zu den Konsonanzen und Dissonanzen auch andere Überlegungen gibt als jene festgelegten, solche, die unter Berücksichtigung der Vernunft und des Gefühls die moderne Schreibart verteidigen; und dieses habe ich Euch mitteilen wollen, zum einen, damit dieser Begriff "Seconda Pratica" nicht irgendwann von anderen benutzt wird, zum anderen, damit auch einfallsreiche Leute sich über andere, "zweite Dinge", den musikalischen Satz betreffend, Gedanken machen und glauben können, daß der moderne Komponist durchaus auf dem Boden der Wahrheit arbeitet. Lebt wohl."

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