> > > Sinfonie Nr. 3, "Die Rheinische"
Mittwoch, 28. Juni 2017

Robert Schumann

Sinfonie Nr. 3, "Die Rheinische"

Zwischen zwei Krisenzeiten seines Lebens, der Isolation in Dresden und den Jahren der letzten Krankheit, erlebte Schumann in Düsseldorf zwei, drei glückliche Jahre. Diesem Intermezzo verdanken wir große Werke der Romantik – darunter die Rheinische Sinfonie, eines der bekanntesten Orchesterwerke zwischen Beethoven und Brahms.


Am 2. September 1850, an einem Montag um 19 Uhr, erreichten Clara und Robert Schumann mit ihren Kindern den Köln-Mindener Bahnhof in Düsseldorf. Ferdinand Hiller und das Konzertdirektorium der Stadt erwarteten die neuen Mitbürger. Die Hotelzimmer im Breidenbacher Hof waren mit Blumen geschmückt, eine Liedertafel" brachte den Ankömmlingen ein Ständchen und am folgenden Samstag wurde Schumann offiziell in einem großen Festakt willkommen geheißen. Wenn man bedenkt wie Schumann in Leipzig und Dresden ge- und behandelt wurde, kann man erahnen wie diese Ovationen auf den Vierzigjährigen gewirkt haben müssen. Diese Anerkennung tat Schumann gut und wirkte sich positiv auf seine Kreativität aus. In den drei Konzertwintern, die Schumann als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf leitete, gab es 23 Uraufführungen eigener Werke, 16 davon allein in der ersten Saison. Von diesen in den ersten Monaten am Rhein komponierten Werken hat die Sinfonie in Es-Dur die weitesten Kreise gezogen und ist heute ein Standardwerk der romantischen Orchesterliteratur. Da Schumann ein fleißiger Tagebuchschreiber war, läßt sich die Entstehung der Rheinischen Sinfonie ziemlich genau verfolgen: Der Komponist begann am 7. November seine Ideen zu Papier zu bringen, bereits zwei Tage später lag der ganze erste Satz als Skizze vor. Vollständig instrumentiert war er allerdings erst am 23. November, was in erster Linie auf das 2. Abonnementskonzert vom 21. und dessen Vorbereitung zurückzuführen ist. Danach ging alles schnell. Am 25. entstand der zweite Satz, das Scherzo, und war am 29. instrumentiert; schon am 28. beschäftigte sich Schumann mit dem dritten Satz, der am 1. Dezember fertig wurde. Noch am selben Tag findet sich im Tagebuch eine Notiz zum Adagio, dem vierten Satz. Das Finale muß in einem Wurf entstanden sein, denn schon am 2. Dezember lag es als Skizze vor und am 4. steht im Tagebuch zu lesen: zieml. fertig m. d. Symphonie.

Dass Schumann dieses Meisterwerk innerhalb eines Monats schaffen konnte, zeugt von geistiger wie körperlicher Vitalität. Nicht selten war der Komponist ja in früheren Werken steckengeblieben, hatte Fragmente zurückgelassen oder die Versuche später noch einmal aufgegriffen so zum Beispiel bei der vierten Sinfonie, die 1841 nach der ersten entstand und 1853 überarbeitet wurde. Der Ortswechsel hatte Schumann gut getan. Die neuen Eindrücke, die Anerkennung, das gute Orchester und das interessierte Publikum bildeten einen fruchtbaren Humus für das Entstehen neuer Werke und nur allzu deutlich bleibt die an der Elbe entstandene zweite Sinfonie hinter der dritten zurück. Aber nicht nur Düsseldorf hat den Komponisten inspiriert. Bereits am 29. September fuhren die Schumanns zu ihrer Zerstreuung nach Köln, das uns gleich beim ersten Anblick von Deutz aus entzückte, vor allem aber der Anblick des grandiosen Domes, der auch bei näherer Besichtigung unsere Erwartungen übertraf, so Clara in ihrem Tagebuch. Der Geiger Wasielewski, Konzertmeister im Düsseldorfer Orchester, Freund und später Biograph Schumanns, bestätigt den Eindruck des Domes auf den Komponisten: Die Symphonie in Es-Dur, der Entstehung nach die vierte, könnte man im eigentlichen Sinne des Wortes die Rheinische" nennen, denn Schumann erhielt seinen Äußerungen zufolge den ersten Anstoß zu derselben durch den Anblick des Kölner Domes. Nicht zufällig wählte der WDR den Beginn der Rheinischen Sinfonie zur Titelmusik seiner bekannten Sendung "Hier und Heute", die bereits seit Jahrzehnten läuft und Schumanns Dritte zu einer inoffiziellen Hymne des Rheinlandes gemacht hat. Wenn zu den strahlenden Klängen der Sinfonie der Kölner Dom eingeblendet wird, sollte man sich aber daran erinnern, dass Schumann das Bauwerk so nie gesehen hat. Der Dom wurde erst 1880 fertiggestellt und sah in Schumanns rheinischen Jahren so aus:

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