> > > Sinfonie Nr. 3, "Die Rheinische"
Mittwoch, 19. Juni 2019

Robert Schumann

Sinfonie Nr. 3, "Die Rheinische"


Der (noch unvollendete) Kölner Dom im Frühjahr 1851

Die majestätische Größe des Doms, die er auch als Torso schon hatte, spiegelt sich im Beginn des ersten Satzes. Mit großer Geste und ohne langsame Einleitung (wie sie den anderen drei Sinfonien vorangeht) beginnt Schumann seine Sinfonie in Es, einer Tonart, die in der Musikgeschichte oft für Erhabenheit (Bachs Orgelpräludium und Fuge), Heros (Beethovens Eroica) und Größe (Mahlers Achte) steht. Es-Dur scheint aber auch die Tonart des Rheins zu sein man vergleiche das Rheingold-Vorspiel von Richard Wagner, das nur wenige Jahre nach Schumanns Dritter entstand. Das Hauptthema des ersten Satzes wird mit großem Pinselstrich aufgetragen, der erste Melodiebogen umfaßt ganze sechs Takte und den Ambitus einer None. Dabei erweckt Schumann den Eindruck eines 3/2-Taktes; der tatsächliche 3/4-Takt wird erst ab Takt 7 wahrnehmbar. Diese kompositionstechnischen Kunstgriffe rufen beim Zuhörer schließlich den Eindruck von Größe hervor. Das Hauptthema hebt unseren Blick auf die Dächer des Doms und führt ihn allmählich wieder abwärts. Auffallend in der Melodiebildung ist die Dominanz der Quarte, wir hören sie gleich zu Beginn als absteigendes Intervall, zwei Takte später in aufsteigender Form und dann in der Sequenz ab Takt 7. Dem aufmerksamen Hörer begegnet sie im ganzen Satz, z. B. als ständig wiederkehrender Auftakt ab Takt 25 oder im Seitenthema (ab Takt 95), wo sie ebenfalls am Anfang steht. Typisch für Schumann ist der Eintritt des zweiten Themas in der Dominantparallelen. Statt eines Seitenthemas in B-Bur entsprechend der klassischen Regel exponiert Schumann sein Thema in g-moll. Das andere Tongeschlecht kommt seinem Streben nach einem kontrastierenden Charakter entgegen. Seine beiden Seelen nannte Schumann Florestan und Eusebius. Florestan ist der kraftvolle, laute Charakter, während Eusebius introvertiert ist, eine starke Vorliebe fürs Lyrische und Leise hat. Schumann stellt diese beiden Antipoden in seiner dritten Sinfonie (wie auch in vielen weiteren Werken) gegenüber und füllt die klassische Sonatensatzform mit sehr persönlichem Inhalt. Beide Charaktere finden sich auch in der Durchführung, bleiben dabei als Themen erhalten und werden nicht wie bei Beethoven motivisch zerlegt. Schumann tastet seine Charaktere nicht an und arbeitet vor allem mit harmonischen Variationen. Die Reprise wird mit einigen Vorwegnahmen des Hauptthemas vorbereitet und ihr Beginn in Takt 411, nach einer breit angelegten Steigerung erreicht, ist der dramaturgische Höhepunkt des Kopfsatzes.

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