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Sonntag, 23. Juli 2017

Felix Mendelssohn Bartholdy

Elias

Im Gegensatz zum Paulus erzählt Mendelssohns zweites Oratorium eine Geschichte aus dem jüdischen Teil der Bibel. Das von tiefem Glauben geprägte Werk war für den zum Christentum konvertierten Komponisten auch eine Berührung mit dem Erbe seiner Väter.


Für die Juden ist Elias (auch Elia, Elija, im englischen: Elijah) neben Mose die herausragende Persönlichkeit in der Geschichte Israels. Sein Wirken fällt in die Herrschaft des Ahab, der 873 v. Chr. König im Nordreich wurde. 931 v. Chr. war es zur Teilung Israels in das Nordreich (Hauptstadt: Samaria) und Juda (Hauptstadt: Jerusalem) gekommen, die goldenen Zeiten unter den Königen David und dessen Sohn Salomo waren zu Ende. Ahabs Heirat mit der phönizischen Prinzessin Isebel, also das Bündnis mit dem reichen Nachbarn, brachte den Israeliten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten große Vorteile. Dass Isebel die Religion ihres Volkes, das an Baal und Aschera glaubte, mit ins Land brachte, wurde von der Masse des Volkes wohl als kleineres Übel in Kauf genommen. Mit dem ersten Gebot hatte man es ohnehin nicht so genau genommen, denn die Naturgötter der Nachbarn waren für die vielen Bauern im Nordreich längst attraktiver als der Gott der Väter, der Israel aus Ägypten geführt hatte. Als Isebel aber die verbliebene Minderheit der Gläubigen zu unterdrücken begann und die jüdischen Propheten umbringen lies, war das Maß voll. Eine folgende, drei Jahre lange Dürre wurde vom Schreiber der Königsbücher im Alten Testament als Strafe Gottes gedeutet. Hier beginnt Mendelssohn mit seiner Erzählung: Elias kündigt die Dürre an und man beachte die Apposition, mit der Elias deutlich machen muß, wer denn eigentlich der Herr ist: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebet, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.

War Mendelssohn Jude? ist eine Frage, die sich mit ja und nein beantworten läßt. Als Kind einer berühmten jüdischen Familie war er es schon, als getaufter Christ wiederum nicht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wollte eine "tolerante" preußische Regierung die Juden in die Gesellschaft integrieren und erleichterte den Übertritt zum Christentum. Viele Juden wechselten damals den Glauben (zum Teil tatsächlich, zum Teil nur auf dem Papier) und erlangten somit alle staatsbürgerlichen Rechte. Anschließend machten Juden, die vorher am Rande der Gesellschaft gelebt hatten, große Karrieren; Beispiel: Mendelssohns Onkel Jacob Salomon, der Bruder der Mutter Lea, konvertierte 1805, erhielt 1813 eine Stellung in Hardenbergs Staatskanzlei, wurde 1815 Generalkonsul in Rom und 1818 Preußischer Handelsattaché am Toskanischen Hof. Auf ihn geht übrigens der Beiname Bartholdy zurück, ursprünglich der Name eines 1779 von Salomons Großvater Daniel Itzig gekauften Pachthofes in Berlin-Luisenstadt. Da 1779 auch das Geburtsjahr Jacob Salomons war, liegt hier wohl Grund oder Anlaß für die Wahl. Aus dem Juden Jacob Salomon wurde der Christ Jacob Bartholdy. So einfach war die Sache für Felix Mendelssohns Vater nicht. Nach langem Zögern ließ Abraham seine vier Kinder am 21. März 1816 in Berlin taufen und folgte dem Beispiel seines Schwagers - allerdings ohne seinen alten Namen aufzugeben. Den so entstandenen Doppelnamen wollte er ohne Bindestrich geschrieben sehen, weil der Name Mendelssohn, der ja die jüdische Herkunft unmißverständlich verriet, in der nächsten Generation wegfallen und damit die Familie vollständig christianisiert sein sollte. Dieser fehlende Bindestrich, den man oft auf Programmen oder CDs gedankenlos ergänzt findet, hat insofern eine Geschichte und ist von Bedeutung. Felix Mendelssohn und seine drei Geschwister kamen dem Wunsch des Vaters nicht nach. Sie alle trugen ihren alten Namen mit Stolz und lehnten den Beinamen ab. Man bekannte sich zur Familie und zum berühmten Großvater. Moses Mendelssohn, der große Philosoph, hatte sich noch erfolgreich und teilweise sogar mit Humor gegen jede Aufforderung zum Religionswechsel gewehrt. Ein gewisser Mann namens Teller wandte sich einmal reimend an den bedeutenden Aufklärer und spielte auf die starke Position der Juden im Finanzwesen an:

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