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Montag, 19. August 2019

Felix Mendelssohn Bartholdy

Elias


Anlaß für die Fertigstellung des großen Werkes war das Birmingham Music Festival, dessen Manager Mr. Moore Mendelssohn 1845 nicht nur als Komponist eines neuen Werkes, sondern auch als Dirigent gewinnen wollte. Die künstlerische Leitung des ganzen Festivals lehnte Mendelssohn ab, sagte aber ein neues großes Chorwerk zu. Von nun an arbeitete der Komponist intensiv am Elias und diskutierte mit Schubring verschiedene Textfassungen, wobei Mendelssohn immer wieder eine dramatische Darstellung forderte. Dass das epische Element dabei recht kurz kommt, mag heute von den Hörern bedauert werden, die mit dem Alten Testament weniger oder gar nicht vertraut sind. Der Bibelkenner wird sich zurecht finden, auch wenn er manchmal nicht weiß, wer gerade spricht. Die Worte der Nummern 3 und 4 werden zum Beispiel dem Palastvorsteher Obadjah in den Mund gelegt, der zwar in königlichen Diensten steht, sich aber dennoch auf die Seite des Elias stellt. Obadjah ist als handelnde Person in der Partitur vermerkt, kann allerdings nicht vom Hörer als Charakter wahrgenommen werden. Mendelssohn macht es seinen Zuhörern nicht einfach, der Handlung des Werkes zu folgen, setzt diese vielmehr als bekannt voraus. Es empfiehlt sich durchaus, die Elias-Geschichte im Ersten Buch der Könige (ab Kapitel 17) noch einmal nachzulesen. Mendelssohns Oratorium ist als eine akustische Illustration des Bibeltextes zu verstehen und rückt damit in die Nähe der Oratorien Händels, mit denen es sich am 26. August 1846, dem Tag der Uraufführung, erstmals messen lassen mußte. Von dieser ersten Darbietung, an der 125 Orchestermusiker und 271 Chorsänger beteiligt waren, schrieb Mendelssohn seinem Bruder: Noch niemals ist ein Stück von mir bei der ersten Aufführung so vortrefflich gegangen, und von den Musikern und den Zuhörern so begeistert aufgenommen worden, wie dies Oratorium. Es war gleich bei der ersten Probe in London zu sehen, daß sie es gern mochten und gern sangen und spielten, aber daß es bei der Aufführung gleich einen solchen Schwung und Zug bekommen würde, das gestehe ich, hatte ich selbst nicht erwartet. Wärst du nur dabei gewesen! Die ganze dritthalb Stunden die es dauerte, war der große Saal mit seinen 2000 Menschen, und das große Orchester alles so vollkommen auf den einen Punkt, um den sichs handelte, gespannt, daß von den Zuhörern nicht das leiseste Geräusch zu hören war, und daß ich mit den ungeheuren Orchester- und Chor- und Orgelmassen vorwärts- und zurückgehen konnte, wie ich nur wollte ... Nicht weniger als 4 Chöre und 4 Arien wurden wiederholt, und im ganzen ersten Theil war nicht ein einziger Fehler - nachher im zweiten Teil kamen einige vor, aber auch die nur sehr unbedeutend ... Grund für den überwältigen Erfolg war weniger die gute Darbietung, als vielmehr die Komposition mit ihrer gelungenen Synthese der in England so geschätzten (barocken) Form des Oratoriums mit der romantischen Tonsprache des 19. Jahrhunderts. Diese Synthese wurde damals von vielen Komponisten angestrebt, aber nicht auf dem Niveau des Elias realisiert. Die Times kommentierte den Erfolg: Niemals hat es einen vollkommeneren Triumph gegeben - niemals eine so durch und durch spontane, unmittelbare Anerkennung für ein Meisterwerk der Kunst.

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