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Mittwoch, 17. Juli 2019

Felix Mendelssohn Bartholdy

Elias


An Gott den Vater glaubt ihr schon,
So glaubt doch auch an seinen Sohn.
Ihr pflegt doch sonst bei Vaters Leben
Dem Sohne gern Kredit zu geben.

Moses erwiderte:

Wie könnten wir Kredit ihm geben?
Der Vater wird ja ewig leben.

Abraham hatte den Glauben seines Vaters nicht. Das "Eintrittsbillett in die europäische Kultur", so Heinrich Heine damals über die Taufe, hatte er aber vor allem für seine Kinder gezogen. Der Preis war ein Verlust an Identität, denn die vollständige Integration sollte sich für die Mendelssohns als Illusion erweisen. Eine weniger bekannte jüdische Familie, deren getaufte Kinder später Christen heirateten, konnte ihre Vergangenheit vielleicht hinter sich lassen, nicht aber die Familie des einflußreichen Philosophen und Aufklärers, dessen Sohn eines der größten Bankhäuser Berlins leitete und dessen Enkel zu Lebzeiten als der meistgespielte zeitgenössische Komponist galt. So führte Felix Mendelssohn ein Leben zwischen den Gesellschaften, seine Abstammung war bekannt und wurde nicht nur damals, sondern bis heute immer wieder thematisiert. Engere persönliche Bindungen ging Mendelssohn als Erwachsener aber nicht mehr ein, alle guten Freunde stammen aus der Jugendzeit und zählten quasi zur Familie. Gesellschaftlich blieb der erfolgreiche Musiker trotz seiner geselligen Natur isoliert. Mendelssohn, dessen Leben oft als glanzvoll und sorglos dargestellt wird, hatte immer wieder Ablehnung und Demütigung erfahren müssen. Als Kind wurde Felix des öfteren als Judenjunge diskriminiert und brutal an seine Herkunft erinnert. Als er sich als 24jähriger, aber schon reifer Meister auf den Posten des Leiters der Singakademie zu Berlin bewarb und zugunsten eines mittelmäßigen Mitbewerbers abgewiesen wurde, lagen antisemitische Beweggründe auf der Hand. Zunehmend wurde sich der Komponist seiner schwierigen Position in der Gesellschaft bewußt. Er gehörte weder zu den Juden noch zu den (deutschen) Christen und hatte lediglich in der Familie eine Heimat. So ist auch verständlich, dass Mendelssohn nach dem Tod eines Familienmitglieds immer in Depression versank, schließlich ohne sich wieder zu erholen, nach dem Tod seiner Schwester Fanny im Mai 1847. Die Gestalt des einsamen Propheten Elias wurde für den Komponisten zunehmend interessanter. Als 1836 erstmals wieder von einem Oratorium die Rede war, überlies Mendelssohn noch seinem Freund Klingemann die Wahl der Hauptperson. Man wollte an den großen Erfolg des Oratoriums Paulus anknüpfen und damals scherzte der junge, vom Erfolg verwöhnte Komponist, es sei ihm gleich, ob sein Freund St. Peter, Elias, oder gar den König Og von Baschan zur Titelfigur des neuen Werkes mache. Später war auch noch König Saul im Gespräch. Dann aber bestand der Komponist auf den Eliasstoff und da Klingemann sich nicht darauf einlassen wollte, scheiterte die Zusammenarbeit der alten Freunde. Der Theologe Julius Schubring war es schließlich, der Mendelssohns Wünschen nachkam und das Libretto des Oratoriums aus den verschiedensten Bibelversen zusammenstellte.

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