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Freitag, 18. August 2017

Felix Mendelssohn Bartholdy

Violinkonzert

Mendelssohn eröffnet mit diesem Werk die Serie der großen romantischen Violinkonzerte. Das E-Moll-Konzert fand den kürzesten Weg ins Standardrepertoire der Geiger und behauptet seine exponierte Stellung auch beim Publikum seit nunmehr fast 160 Jahren.


Obwohl die Violine, verglichen mit der Flöte, Oboe, Trompete oder Harfe, ein eher junges Instrument in der Geschichte ist, war ihre Literatur schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ins Unüberschaubare angewachsen. Seit ihrer Entwicklung im Italien des 16. Jahrhunderts hat sich die Violine den immer neuen Musikstilen anpassen können. Inzwischen gab es neben der frühen Ensemblemusik, den vielen Sonaten, Partiten und Charakterstücken auch eine große Zahl an Konzerten. Der größer gewordene Orchesterapparat und eine veränderte Konzertpraxis machten am Anfang des 19. Jahrhunderts einige Korrekturen im Geigenbau notwendig. Die vier Saiten wurden straffer gespannt und wie auch Griffbrett und Hals verlängert, so dass man in den höheren Lagen, die zunehmend von den Komponisten verlangt wurden, leichter und damit auch genauer spielen konnte. Darüber hinaus wurde durch diese Änderungen der Klang der Violine verstärkt. Sie konnte nun auch vor einem größer besetzten Orchester als Soloinstrument eingesetzt werden und Mendelssohns Besetzung mit zweifachen Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotten, 2 Hörnern, 2 Trompeten, Pauken und Streichern war die bis dahin größte in einem Violinkonzert. Eine neue Epoche des Violinkonzerts begann und Mendelssohn lieferte ihr erstes Meisterwerk. Ein vergleichbares Opus gibt es in der Zeit vor Mendelssohn nur einmal: bei Beethoven. Dessen Violinkonzert op. 61 war 1844 bereits 38 Jahre alt - und nachzu unbekannt. Das Stück war ganz offensichtlich seiner Zeit voraus und wartete in den Schubladen auf den Erfolg vom 27. Mai 1844. An jenem Tag dirigierte Mendelssohn das Werk in London und der Geigenpart, der zu Beethovens Lebzeiten noch als unspielbar galt, wurde vom erst zwölfjährigen Joseph Joachim gespielt, einem heranreifenden Jahrhundertgeiger, für den Jahre später Schumann, Brahms, Bruch und Dvorák ihre Violinkonzerte schreiben sollten. Mendelssohn hatte Joachim schon in Berlin kennengelernt - wohl durch dessen Lehrer Ferdinand David, den anderen großen Geiger im Leben Mendelssohns. Auch wenn Joachim der Interpret des Mendelssohnschen Violinkonzertes wurde, war es für Ferdinand David geschrieben worden. David war einer der engsten Freunde des Komponisten. Die beiden Talente wuchsen in Berlin zusammen auf, wo David auch des öfteren bei den Mendelssohnschen Sonntagsmatineen mitwirkte. Hier wurde übrigens auch Mendelssohns erstes Konzert für Violine und Streichorchester (d-moll) uraufgeführt, das er im Alter von 13 Jahren komponierte und das, wie andere Jugendwerke auch, heute wieder in den Konzertsälen und auf CDs zu hören ist. David war schon in frühen Jahren so etwas wie der Hausgeiger Mendelssohns und es wunderte wohl niemanden, als der Komponist und Dirigent, als er 1835 Chef des Leipziger Gewandhausorchesters wurde, David zu seinem Konzertmeister machte. Das Orchester und die Musikstadt waren damit gut beraten, leistete David doch als Primarius des Gewandhaus-Quartetts und vor allem als Pädagoge am Konservatorium viel für die Kulturmetropole Leipzig.

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