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Montag, 29. November 2021

Felix Mendelssohn Bartholdy

Violinkonzert


Friedrich Nietzsche, ein profunder Kenner in Sachen Musik, schrieb in Jenseits von Gut und Böse, Mendelssohn sei der schöne Zwischenfall der deutschen Musik. 1886, als diese Worte veröffentlicht wurden, hatte der Philosoph bereits mit der Musik seiner Zeit, vor allem mit der Wagners, gebrochen und verurteilte die gesamte Romantik als Musik zweiten Ranges. Dass er Mendelssohn dabei ausklammerte, ist vor allem auf dessen Klassizismus zurückzuführen. Neben all den schönen Themen und Klängen in seiner Musik, findet man bei Mendelssohn stets eine souveräne und klassisch orientierte Formgebung. Eine Subjektivität wie die eines (fast gleich alten) Franz Liszt war Mendelssohn fern; und dennoch schuf er mit seinem Violinkonzert ein sehr persönliches, eben ein Mendelssohnsches Werk. In der Großform bleibt der Komponist, wie in klassischen Konzerten üblich, bei drei Sätzen: einem nach der Sonatensatzform gestalteten Hauptsatz, einem langsamen Satz in der Mitte und einem schnellen Finale. Der erste Satz beginnt, und das ist schon typisch romantisch, mit einem Solo. Die Orchesterexposition der Klassik kommt zwar auch in späteren Konzerten des 19. Jahrhunderts noch vor, wird aber zunehmend seltener. Mendelssohns Exposition beginnt mit dem berühmten, von der Solovioline vorgetragenen Hauptthema in e-moll:

Wir hören einen sehr kantablen Auftakt des Konzerts, richtig instrumental wird die Musik erst ab Takt 25, wenn die Solovioline in schnellen Triolen kadenziert, bis sie in Takt 47 dem Orchester das Haupthema überläßt. Auf dem Weg zum Seitenthema in G-Dur exponiert Mendelssohn noch einen viertaktigen Nebengedanken, begleitet mit schnellen Tonrepetitionen in den Holzbläsern. Dieser spezifisch Mendelssohnschen Begleitung begegnet man auch am Anfang der Italienischen Sinfonie oder in der Sommernachtstraum-Musik. Der Nebengedanke wird auch in der Durchführung Verwendung finden, im Gegensatz zum Seitenthema, dem in Exposition und Reprise mehr Raum zukommt. Ab Takt 131 wird es von der ersten Klarinette vorgetragen und anschließend von der Solovioline übernommen. Der erste Satz hat hier, genau wie an gleicher Stelle in der Reprise, einen Ruhepunkt. Erst allmählich, unter Wiederaufnahme des Hauptthemas, steigert der Komponist Spannung, Tempo und Dynamik bis er mit erreichtem Fortissimo direkt in die Durchführung überleitet. An deren Ende steht eine von Mendelssohn notierte Kadenz, der Komponist läßt dem Solisten also keine Freiheit zur Improvisation mehr. Neu ist auch die formale Position der Kadenz, die in klassischen Konzerten immer erst auf die Reprise folgte. Für den Hörer klingt die Solokadenz durchaus improvisiert und er mag sich über den eleganten Übergang in die Reprise wundern, der ohne eine Festlegung der Kadenz kaum möglich wäre. Für mich gehört diese Stelle zu den schönsten des Konzerts. Der Reprise folgt eine Coda, die thematisch vom Nebengedanken bestimmt wird und nach einem accellerando in klangvollem e-moll endet.

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