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Donnerstag, 23. Mai 2019

Felix Mendelssohn Bartholdy

Violinkonzert


Die jahrelange Zusammenarbeit der beiden Musikerpersönlichkeiten David und Mendelssohn, darüber hinhaus auch ihre enge Freundschaft, ließen sicher den ein oder anderen Zeitgenossen ein Violinkonzert erwarten. Im Sommer 1838 nahm das Projekt dann erste Formen an: Ich möchte Dir wohl ein Violin-Concert machen für nächsten Winter; eins in e-moll steckt mir im Kopfe, dessen Anfang mir keine Ruhe lässt. Wie aus diesen Briefzeilen des Komponisten an seinen Freund hervorgeht, sollte das Konzert also schon im Winter 38/39 fertig sein. Aber wie so oft, war Mendelssohn auf der Suche nach der besten aller Lösungen - und das brauchte Zeit: Erst 1844, auch weil er die Arbeit zeitweise unterbrechen mußte, vollendete er das Konzert. Während der Arbeit zog er immer wieder David zu Rate und besprach mit ihm die Einzelheiten des Violinparts. Ein für die Geiger erfreuliches Ergebnis dieser Kooperation ist dessen sehr instrumentengerechte Gestaltung, einfacher ausgedrückt: Das Konzert ist ohne allzu große Schwierigkeiten spielbar, technisch jedenfalls viel leichter als die Violinkonzerte Beethovens, Brahms' oder Tschaikowskis. Aber welche Bedeutung hat schon der Schwiergkeitsgrad, wenn es letztendlich um Musik geht? Die Virtuosenmusik des 19. Jahrhunderts hat uns gezeigt, dass zu viele spieltechnische Kapriolen einem Werk eher schaden, dass die eigentliche musikalische Aussage unter oberflächlichen Klangeffekten ins Belanglose abzurutschen droht. Als entschiedene Negation allen Virtuosentums könnte man das kurze Intermezzo zwischen dem zweiten und dritten Satz des Mendelssohnschen Violinkonzerts sehen. Jeder begabte Geigenschüler könnte es nach dem ersten Unterrichtsjahr spielen Aber hinter diesen wenigen Noten stehen Gedanken eines reifen Künstlers, Gedanken, die uns selbst beim zehnten Hören etwas sagen. Dem gegenüber stehen, in einem Solokonzert unverzichtbar, die virtuosen Passagen, die schnellen Läufe, Sprünge und Doppelgriffe, aber in einer meisterhaften Balance. Des öfteren habe ich gehört oder gelesen, das Violinkonzert sei Mendelssohns "größtes Meisterwerk". Diese sehr subjektive Einschätzung ist sicher nicht frei von einer emotionalen Beziehung zum Werk. Was die Komposition betrifft, steht das Violinkonzert nicht über anderen Meisterwerken wie dem Oktett, der Sommernachtstraum-Ouvertüre, der zwei Jahre zuvor abgeschlossenen Schottischen Sinfonie oder dem Oratorium Elias. Aber zugegeben: es fällt nicht schwer, das Mendelssohnsche Violinkonzert zu lieben. Es spricht uns sehr direkt an, die leidenschaftliche Sehnsucht des ersten Satz, der innige Gesang des zweiten und der tänzerische Übermut im Finale, all das haben Generationen immer wieder hören wollen und der Publikumserfolg (auch anderer Werke Mendelssohns) provozierte geradezu eine ambivalente Einstellung dem Komponisten gegenüber. Zu Lebzeiten galt der in ganz Europa verehrte Mendelssohn bei vielen als der bedeutendste Komponist der Gegenwart; mit Sicherheit war er der am weitesten verbreitete unter den zeitgenössischen Komponisten. Nach dem Tod Mendelssohns, als man dessen Lebenswerk überblicken konnte, verstieg man sich, vor allem in der deutschen Intelligenz, zu einer recht analytischen Sicht und sah Mendelssohn in einer progressiv fortschreitenden Musikgeschichte als Komponist zwischen den Erneuerern der Klassik und späteren Romantik. Sicher, Mendelssohn hielt sich an die traditionellen Werte, er war kein Revolutionär, aber konnte gerade deshalb die musikalischen Mittel seiner Zeit in solch edler Vollkommenheit verbinden.

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