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Montag, 14. Oktober 2019

Robert Schumann

Kinderszenen


Noch als Jurastudent hatte Schumann seinen Klavierunterricht bei Friedrich Wieck begonnen, einem Pianistenschmid von Ruf und sowohl Vater als auch Lehrer der wohl bedeutendsten Pianistin des 19. Jahrhunderts. Nun erst strebte Schumann nach musikalischer Professionalität und arbeitete unter der strengen Aufsicht Wiecks an seinen pianistischen Fertigkeiten. Geplant war also eine Karriere als Klaviervirtuose - als komponierender Klaviervirtuose versteht sich. "Nur" Komponist zu sein, war damals noch unüblich, vor allem, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unzureichend waren. Schumann hoffte vielleicht auf einen Einstieg, wie Beethoven ihn in Wien gehabt hatte, oder auf eine Karriere wie sie Kalkbrenner, Thalberg oder Liszt in jenen Jahren machten. Aber Schumann war den Belastungen des Virtuosentrainings nicht gewachsen. Im Frühjahr 1832 erlähmte ein allzu strapazierter Finger seiner rechten Hand. Zwei Jahre lang suchte Schumann bei den verschiedensten Ärzten Heilung, aber vergebens. Aus der folgenden Depression ging Schumann als geläuterter Komponist hervor und aus heutiger Sicht ließe sich jene Lähmung ohne weiteres als schicksalhafte Fügung deuten. Nun hatte der 24jährige Mann nicht nur das Dichten und die Rechtswissenschaft, sondern auch noch das Klavierspiel aufgegeben. Allmählich war er, ohne bewußt Entscheidungen getroffen zu haben, zum Komponisten geworden und nun erst folgten, auch wenn bereits beachtliche Kompositionen vorlagen, die ersten Meisterwerke. Schumann blieb vorerst beim Klavier; das ist nicht ungewöhnlich, wenn man andere Komponistenbiografien kennt, aber während Beethoven, Brahms oder sogar Chopin auch anderen Instrumenten Beachtung schenkten, blieb Schumann von op. 1 bis op. 23 ausschließlich beim Tasteninstrument. Das Klavier war seine musikalische Welt und es sollte einige Jahre dauern, bis sie ihm zu klein wurde. In diese erste Schaffensperiode fallen neben den Kinderszenen auch andere Meisterwerke wie die Kreisleriana op. 16 oder die monumentale C-Dur-Fantasie op. 17, die der Pianist Edwin Fischer (1949) als Sinnbild der Seele des Klaviers bezeichnete. Das Klavier war aber nicht nur Schumanns Instrument, es war auch das von Clara Wieck, die eine glänzende Interpretin seiner Werke war und ihn darüber hinaus auch als Person anzog. Die Liebe zwischen Clara Wieck und Robert Schumann ist ein Kapitel für sich und sei hier nur insoweit erwähnt, dass Schumann, der stets auf Anregungen angewiesen war, in der kongenialen Clara Wieck sowohl eine Inspirationsquelle als auch eine reife künstlerische Instanz an seiner Seite hatte.

Bildtitel: Clara und Robert Schumann
Clara und Robert Schumann

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