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Freitag, 19. Juli 2019

Frédéric Chopin

Etüden (1836)


Die Gefälligkeit seiner Werke machte man Chopin lange zum Vorwurf und reduzierte ihn auf einen Salonkomponisten. Diese Abqualifizierung ist zunächst nachzuvollziehen, wenn man sich die vielen belanglosen Werke des Komponisten ansieht. Chopin komponierte ja auch für den Salon, der zeit seines Lebens sein Konzertsaal war, aber seine Ansprüche gingen weit über den Publikumserfolg hinaus. Am Beispiel der dritten Etüde (E-Dur) läßt sich dies zeigen: Am Anfang steht die wohl berühmteste Melodie Chopins - der Komponist selbst soll sie für seine schönste gehalten haben. Die schönste Melodie gelang ihm also in einer Etüde! - obwohl er doch so viele Walzer, Nocturnes, Mazurkas und Polonaisen komponierte. Chopin schien mit besonderem Einsatz an diesen Etüden gearbeitet zu haben und hatte sicher nicht die Absicht, bei der Komposition der Stücke, die ihn zwischen seinem 19. und 26. Lebensjahr beschäftigten, auf irgendetwas Rücksicht zu nehmen. So ist denn auch die dritte Etüde ein sehr ehrliches Werk und es wird jeden Freund Chopins schmerzen, wenn er eine der vielen Bearbeitungen dieser Komposition hört und feststellen muß, dass das, was "man" nicht so gerne hört - nämlich die lauten und harten Klänge, einfach weggelassen wird. Chopin wußte, was der Salon von ihm erwartete. In einem Brief schrieb er: ... im Salon spiele ich den Ruhigen, doch wenn ich heimgekehrt bin, donnere ich auf dem Klavier. In der E-Dur-Etüde hören wir sowohl das ruhige, gefällige Klavierspiel als auch das Donnern, beides zwar formal deutlich voneinander getrennt, aber doch innerhalb eines vierminütigen Stückes. Für manch einen Zuhörer war das zuviel, eine Zumutung; doch wo wären wir heute, wenn die Komponisten immer nur das geschrieben hätten, was das Publikum hören wollte? Die dramatische Konzeption der dritten Etüde ist bemerkenswert, Chopin malt ein Klanggemälde mit einer großen Farbpalette und setzt die einzelnen Farben gekonnt ein. So kommt der Höhepunkt des Stückes, das Donnern, nicht plötzlich, sondern wird gezielt vorbereitet. Allein an den formalen Proportionen und den damit verbundenen Steigerungen kann man erkennen, dass hier ein reifer Künstler am Werke war.

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