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Freitag, 14. Dezember 2018

Felix Mendelssohn Bartholdy

Italienische Sinfonie (1833)

Kein Komponist des 19. Jahrhunderts schuf ein so helles und leichtes Orchesterwerk wie Mendelssohn in seiner vierten Sinfonie. Musikgeschichtlich gesehen ist sie weniger eine neue Errungenschaft als vielmehr eine Veredelung auf dem Gebiet der Sinfonik. Mendelssohns klassisch-romantische Sinfonien behaupten sich zwischen Beethoven und der großen romantischen Orchestermusik.


Mendelssohn brauchte die Inspiration. Er war kein Komponist, dem Bleistift, Papier und sein Können genügten, um ein großes Werk zu schaffen. Er brauchte Shakespeare für die Ouvertüre zum Sommernachtstraum, Goethe für das Oktett, Stimmen für seine Lieder, die Bibel für seine zweieinhalb Oratorien und er brauchte die Reisen nach Schottland und Italien, um seine meistgespielten Orchesterwerke, nämlich die Sinfonien drei und vier sowie die Hebriden-Ouvertüre, komponieren zu können. Der von Mendelssohn so verehrte Johann Sebastian Bach führte dagegen das Leben eines Arbeiters - ohne Reisen ins Ausland, ohne große Erfolge, ohne die künstlerischen Möglichkeiten wie Mendelssohn sie hatte. So ist denn auch Bachs Musik viel absoluter, viel werkimmanenter. Niemand, der Bach kennt, würde fragen: Woran hat er gedacht, als er die berühmte Badinerie komponierte? Bei Mendelssohn macht eine solche Frage Sinn, hinter jedem Lied ohne Worte steht ein poetischer Gedanke, der zu einem Venezianischen Gondellied, einem Jagd-, Volks-, Reiter- oder Frühlingslied geworden ist. Ebenso ist die Italienische Sinfonie in ihrer Helligkeit, mit ihren Melodien und ihrem Temperament ein Abbild der italienischen Kultur, wie Mendelssohn sie kennenlernte, und auch wenn man Musik nicht sehen kann: die Italienische Sinfonie ist heute so etwas wie eine in die Nachwelt geschickte Ansichtskarte. 1830, der Komponist war 21 Jahre alt, brach er zu einer großen Italienreise auf. Auf der Hinreise machte er in Weimar Station, wo er ein zweites Mal mit Goethe zusammentraf. Über München und Wien reiste Mendelssohn nach Venedig, dann weiter nach Florenz und Rom. Begeistert schrieb er nach Hause: Überhaupt geht es mit dem Componieren jetzt wieder frisch. Die "italienische Sinfonie" macht große Fortschritte; es wird das lustigste Stück, das ich gemacht habe, namentlich das letzte; fürs Adagio hab ich noch nichts Bestimmtes und glaube, ich will es mir für Neapel aufsparen. Die Bezeichnung "italienische Sinfonie" verwendete Mendelssohn nur in Briefen, auf der Partitur ist kein Titel vermerkt. Die Sinfonie als die "Italienische" zu veröffentlichen, hat man nach dem Tod des Komponisten beschlossen. Ebenso verhält es sich mit der dritten Sinfonie, die als "Schottische" verlegt und bekannt wurde. Die vielen Reisen, die Mendelssohn in seiner Jugend unternahm, waren nicht etwa Konzertreisen. Abraham Mendelssohn hatte nicht das finanzielle Interesse, das Leopold Mozart zu seinen europaweiten Reisen motivierte. Das Bankhaus Mendelssohn hatte ohnehin genug Geld und konnte es sich leisten, Felix auf Bildungsreisen zu schicken. Natürlich gab das junge Genie auch hin und wieder ein Konzert, aber er eilte nicht wie Mozart von Auftritt zu Auftritt. Mendelssohn war in einer beneidenswerten Lage, er brauchte sich nicht ums Geld zu sorgen und entdeckte die schönsten Städte Europas. Natürlich hatte der humanistisch gebildete Komponist ein besonderes Interesse an Italien. Er begeisterte sich für die Baudenkmäler und Kunstschätze vergangener Epochen, für die Landschaften und Menschen. Musikalisch gab es für Mendelssohn nichts zu entdecken. Italien dämmerte damals in einer Schaffenskrise.

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