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Freitag, 15. November 2019

Hector Berlioz

Symphonie fantastique (1830)


Berlioz hatte zunächst keinen Erfolg, weder als Komponist noch den geringsten bei Madame Smithson. Während er an der Symphonie fantastique arbeitete, schlug seine grenzenlose Liebe in Verachtung um. In einem Brief an Ferrand vom 13. Mai 1830 schrieb der Komponist: Ich beklage und verachte sie. Sie ist begabt, um Seelenqualen auszudrücken, die sie selbst nie empfunden hat. Sie ist nicht fähig, ein so unendlich tiefes und edles Gefühl, wie das, mit dem ich sie beehrte, zu fassen. Wenige Monate später bezeichnete er Smithson als elende Dirne. Berlioz neigte in seinem Gefühlsleben anscheinend zu Extremen und solch starke Regungen können nicht von Dauer sein. Entsprechend entwickelte sich das Liebesleben des jungen Komponisten: Während er Smithson haßte, liebte er die junge Pianistin Camilla Moke. Sie vergaß er aber schnell wieder, als er im Winter 1830 nach Rom reiste, wo ihm ein Stipendium einen zweijährigen Studienaufenthalt in der Villa Medici ermöglichte. 1832 kehrte Berlioz nach Frankreich zurück, traf im Dezember mit Smithson zusammen und - wer hätte es für möglich gehalten? - heiratete sie im folgenden Jahr. Acht Jahre nach der Hochzeit, das öffentliche Interesse an der Schauspielerin Smithson hatte längst nachgelassen, begann die Affäre zwischen Berlioz und der Sängerin Marie Recio (eigentlich Marie Martin), elf Jahre nach der Hochzeit (1844) trennte sich Berlioz von seiner Frau. Im März 1854 verstarb Smithson und im Oktober des gleichen Jahres heiratete Berlioz die neun Jahre jüngere Recio - so viel zum Thema Harriet Smithson.

Eigenwillig wie der Mensch erscheint auch der Komponist Berlioz. Das Studium der alten Meister und Kompositionstechniken, wie man es am Pariser Conservatoire von jedem Studenten erwartete, interessierte ihn nicht. Als ein Gremium von Kompositionsprofessoren ein frühes Werk und dessen kontrapunktische Konstruktionen bemängelte, sagte der junge Komponist, anstatt sachlich auf die vorgeschlagenen Korrekturen einzugehen: er habe den größten Abscheu vor allen Studien und glaube, dass sie einem Menschen von Genie gar nichts nützten. Bescheidenheit war nicht seine Sache. Nicht wenige Künstler hielten sich für Ausnahmeerscheinungen und erst die Zeit hat - bei dem einen früher, bei dem anderen später - das wahre Talent offenbart. Berlioz' arrogantes Auftreten hätte vielleicht einen Dämpfer verdient, aber man kann ihm aus heutiger Sicht sein Genie nicht absprechen. Seine Musik ist auf eine andere Weise genial als die eines Bach, Mozart oder Beethoven. Berlioz entwickelte einen völlig unabhängigen Stil (sicher auch ein Zeichen seiner Eigenwilligkeit) und verstand es auf besondere Weise, seine Musik zu instrumentieren. Darüber hinaus beeindruckt die Originalität seiner melodischen Einfälle. Verantwortlich für seinen Erfolg, der allerdings erst langsam kam, war sicher auch, dass Berlioz mit seiner Kunstauffassung in die Zeit paßte. Er war ein echter Romantiker und eine Programmsinfonie wie die Symphonie fantastique wurde typisch für das 19. Jahrhundert. Berlioz lies das Programm ans Publikum verteilen, da es zum völligen Verständnis des dramatischen Planes dieses Werkes unerläßlich ist. Das Programm der Symphonie fantastique gibt es in verschiedenen Versionen, die sich mehr oder weniger unterscheiden. Im folgenden zitiere ich den Programmtext, wie er in den Partituren seit 1855 steht:

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